27.01.2012, 11:42 Uhr

Ausbau B100 bei Greifenburg wieder um Jahre verzögert.

Die bahnparallele Trasse der B 100 wäre für Hueter eine gute Variante (Foto: Krammer)
Greifenburg: B 100 |

Jahrzehntelange Diskussion und kein Ende

Schon in den 50er Jahren begann in Greifenburg die Diskussion um eine Ortsumfahrung, seither hat sich die Verkehrsbelastung des Ortskerns vervielfacht. Seit 1985 kämpft die Bürgerinitiative "Lebenswertes Drautal" für eine für Anwohner und Gewerbe vernünftige Lösung. In einem demokratischen Prozess wurde eine Unterflurtrasse südlich des Ortskerns von Greifenburg als die geeignetste Variante gewählt. An der Entscheidungsfindung waren die Bevölkerung, Ortsplaner und die zuständigen Landesabteilungen beteiligt. Der Gemeinderat stimmte 2003 mit einer Zweidrittelmehrheit für das Projekt, dass einerseits Anwohner mit zwei Unterflurtrassen vor Verkehrslärm schützt, andererseits so ortsnahe vorbeiführt, dass eine Verödung des Ortskerns, wie schon in Steinfeld und Sachsenburg, verhindert würde. Die entsprechende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde 2008 positiv beschieden.

Budgetäre Lage des Landes führt zur weiteren Verzögerung

Danach hätte der Baubeginn für den weiteren Ausbau der B 100 von Greifenburg Ost bis Berg sein können - doch durch die Verzögerung kam es anders: Der Rechnungshof stellte 2011 wohl angesichts der katastrophalen budgetären Lage des Landes das Projekt in Frage und regte an eine kostengünstigere Variante zu suchen. Kurz zuvor wurde die Unterflurtrasse im Flächenwidmungsplan 2011 mit Bescheid der Kärntner Landesregierung genehmigt


Bahnparallele Variante birgt viele Nachteile für Natur und Anwohner

Straßenbaureferent Gerhard Dörfler kommt der Einwand offenbar sehr gelegen und er spricht von utopischen 15 - 20 Millionen Einsparungen, wenn die Trasse bahnparallel entlang der Drau geführt würde. Diese wäre nicht nur landschaftlich ein Desaster, die Lärmemissionen durch die erhöhte Bauweise müssten mit kilometerlangen Lärmschutzwänden kompensiert werden. Die Trasse befindet sich teilweise in der roten und gelben Gefahrenzone der Drau. Wertvolle Flächen würden betoniert und dadurch das sensible Gleichgewicht der Drau-Auen gestört werden – ein drastischer Kontrast zu den Bemühungen das Natura 2000-Gebiet entlang der Drau aufzuwerten und den Flussverlauf zu renaturieren. Der naheliegende Drauradweg, als einer der touristischen Höhepunkte Kärntens würde an Attraktivität verlieren. Der Erholungswert des Greifenburger Badesees wäre unwiederbringlich eingeschränkt, die wirtschaftliche Verödung des Ortskerns unvermeidlich.


Die bisherigen Kosten werden nicht berücksichtigt

Wenn ein baureifes Projekt verworfen wird, müssen die bisherigen entstandenen Kosten in das neu zu planende übernommen werden um einen objektiven Kostenvergleich zu garantieren. Insofern ist die prognostizierte Kostenersparnis nicht nachvollziehbar. Das neue UVP-Verfahren wäre mit enormen Kosten verbunden und birgt auch das Risiko der Nichtdurchführbarkeit.

Verzögerung schont Budget des Straßenbaureferenten

So sollen also die Greifenburger für das, durch die Unfähigkeit der Landesregierung verursachte, budgetäre Desaster die Zeche zahlen. Die Vermutung liegt nahe, dass Landeshauptmann Dörfler an einer weiteren Verschiebung über Jahre interessiert sein könnte: So würde sein aktuelles Budget am wenigsten belastet. In den letzten 15 Jahren sind in das baureife Projekt „Unterflurtrasse“ bereits Unmengen an Geld geflossen, aber das scheint die Verantwortlichen wenig zu kümmern.
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