19.10.2016, 16:49 Uhr

Neophyten – die stille Gefahr in Wald und Feld

Der Blaue Saal im Kongresshaus Millstatt war voll besetzt mit interessierten Bürger/-innen.
Millstatt: Kongresshaus Millstatt |

Infoabend in Millstatt fand Publikum aus ganz Oberkärnten

Vor einem vollen Saal im Kongresshaus Millstatt referierte der Biologe DI Tobias Köstl, MSc, am 17. Oktober über Neophyten. Das sind Pflanzen, die neu in unseren Breiten sind. Einige wenige wildern aus und schaffen dann Probleme: Sie beginnen sich ungehindert auszubreiten und verändern Ökosysteme. Die Folgen sind vielfach ernstzunehmen: Im Tourismus drohen unbegehbare Wege wegen rutschender Hänge und lokale Entwertungen von Landschaftsbildern, in der Landwirtschaft drohen verdorbene Ernten, und gesundheitlich drohen Verletzungen durch Kontaktgifte und vermehrt Allergien.

Klangschlucht Millstatt: Problem erkannt

"Wir sind erst heuer durch den neuen Naturschutzreferenten des Alpenvereins Millstatt, Tobias Köstl, auf das Thema aufmerksam geworden", berichtet die Umweltreferentin der Gemeinde Millstatt, Judith Oberzaucher (Grüne). "Unsere erste Maßnahme war ein Neophyten-Aktionstag in der Klangschlucht. Dort zeigte sich, dass der Japanische Staudenknöterich dabei ist, zur dominanten Pflanze zu werden. Noch ist es früh genug für Gegenmaßnahmen. Dafür müssen wir aber viel Information in die Bevölkerung tragen. Gerade der Staudenknöterich wird in manchen Gärten als Zierpflanze gehalten und das Bewusstsein ist nötig, dass diese Pflanze auf keinen Fall in freier Natur deponiert werden darf." Der ebenfalls anwesende Spezialist für Neophyten-Management, Mag. Klaus Krainer von der ARGE Naturschutz, ergänzt: "Das Problem ist in seiner vollen Breite nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Die Gemeinden sind jedoch gut beraten, gezielt lokale Maßnahmen zu setzen. Erste Erfolge sind etwa am Weißensee zu verzeichnen."

Was passiert, wenn nichts passiert?

Auf diese Frage hat Tobias Köstl eine drastische Antwort: "Wenn in der Millstätter Klangschlucht nichts gegen den Staudenknöterich unternommen wird, ist definitiv eine totale Entwertung zu erwarten: optisch, weil man nur noch durch einen Urwald von 4 Meter hohen armdicken Stangen wandert, und technisch, weil das Verschwinden der Bewurzelung die Hänge instabil macht und Wege unbegehbar werden." Was macht den Staudenknöterich so besonders gefährlich für heimische Ökosysteme? "Er ist sehr schnellwüchsig und nimmt anderen sprossenden Pflanzen das Licht. Er vermehrt sich über ein unterirdisches Geflecht namens "Rhizom": Jeder Schnipsel davon kann irgendwo anwachsen und eine neue Kolonie gedeiht. Ein Rhizom bietet auch kaum Stabilität, im Vergleich zu den Wurzeln konventioneller Pflanzen. Schließlich hat der Staudenknöterich nicht, wie in seinen asiatischen Ursprungsgegenden, ökologische Gegenspieler, die seinen Bestand hemmen."

Lösungsansätze

"Neophyten wie der Staudenknöterich können nur mit Ausdauer, etwa Mähaktionen zweimal jährlich über mindestens vier Jahre, zurückgedrängt werden. Und wichtig: Der entstehende Grünschnitt muss vollständig entfernt werden, am besten als Müll verbrannt. Den Gemeindebürger/-innen muss eine praktikable Abgabemöglichkeit geboten werden, die auch an Wochenenden funktioniert", informiert Klaus Krainer. Darüber hinaus wird sich auch das Land Kärnten des Themas annehmen müssen: Das bloße Dokumentieren der Neophytenbestände, wie es eine EU-Verordnung fordert, ist sicher zu wenig in einem Land, wo Landwirtschaft und die Freizeitnutzung der Natur so wichtig sind wie in Kärnten.
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