Chorszene Niederösterreich
Standing Ovations bei Gastauftritt des Stadtchor St. Pölten in Bologna

Die „Goldkehlchen“ von St. Pölten, wie sie ein hoher Vertreter der Chorszene Niederösterreichs einmal respektvoll bezeichnete, haben als musikalische Botschafter Österreichs in Italiens Kulturhauptstadt Bologna mit ihrem abwechslungsreichen Programm für bleibende, positive Erinnerung gesorgt.
Wie kam es dazu? Der Stadtchor St. Pölten unter der bewährten Leitung von Eduard Hofbauer folgte einer Einladung von „Music & Friends“, am 8. internationalen Chorfestival „Corin Festival Bologna 2019“ teilzunehmen. Als einziger österreichischer Chor nahm der Stadtchor dann vom 04. – 06. Oktober 2019 an verschiedenen Aufführungsorten in Bologna auch mit einem unterschiedlichen Repertoire teil.

A Capella für den Stadtchor

Nach rund 13-stündiger Busfahrt, die früh am Morgen begann, kam der rund 35-köpfige Chor in Bologna an. Im Hotel waren teilweise auch die anderen teilnehmenden Chöre aus Slowenien und Sardinien untergebracht und es wurden trotz der Sprachbarrieren schon erste freundschaftliche Kontakte geschlossen und beim gemeinsamen Abendessen auch schon das eine oder andere Lied gesungen. Am nächsten Tag ging es dann früh in der naheliegenden Burg zu Bazzano zu einem ersten offiziellen, musikalischen Stelldichein unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters von Valsamoggia. Die einheimischen Chöre aus Bologna waren nun auch vertreten. Dort, in mittelalterlicher Kulisse im Festsaal der Burg, fand auch die offizielle Eröffnung des Festivals statt.
Jeder Chor trug nun zur Eröffnung des Festivals ein Lied seiner Wahl „a capella“ vor, so dass man sich auch schon musikalisch kennenlernen konnte.

Bologna - Unesco-Weltkulturerbe

Danach hieß es erst einmal Freizeit und Stadtbesichtigung im Unesco-Weltkulturerbe Bologna. Vom zentralen Busbahnhof ging es zu Fuß in die Altstadt mit örtlicher Reiseleitung. Manche Schrecksekunde hatte der Chorvorstand dort zu überstehen, als mehrmals nach verlorengegangenen Chormitgliedern Ausschau gehalten werden musste, die im starken touristischen Gedränge irgendwo abhandengekommen waren. Aber zum gemeinsamen Mittagessen in einem landestypischen Restaurant waren dann wieder alle vollzählig. Am späten Nachmittag ging es zurück zum Hotel. Ausruhen, einstimmen und frisch machen für den großen Auftritt beim „Gran Concerto“ im „Teatro Laura Betti“. Ein riesiger Konzertsaal mit modernster Ton- und Lichttechnik und beeindruckend großer Bühne empfing die Chormitglieder und ließ bewusst werden, dass hier am Abend etwas ganz Großes geschehen wird.

You raise me up

Nach der Eröffnungszeremonie durch die Schola Cantorum Di Bazzano mit Chor, Solisten und Balletteinlagen war der Stadtchor als 2. Gruppe auf der Bühne und lieferte gleich ein Feuerwerk der guten Laune und abwechslungsreicher Lieder ab. Eröffnet wurde der Liederreigen mit „Musik erklingt in Allem“; danach folgte das weltweit bekannte Lied „Do-Re-Mi“ aus dem Musical „Sound of Music“. Schon hierbei war minutenlanger, tosender Applaus zu vernehmen. Es folgten „Liebe ist wie Sonne“, „Vive l’amour“, „Happiness“ und zum Schluss als Highlight „You raise me up“. Bereits beim Ankündigen dieses Welthits vor dem italienischen Publikum ging ein anerkennendes Raunen durch das Auditorium. Und der Chor auf der Bühne durfte miterleben, wie nahezu der ganze Saal diesen Ohrwurm mitsang. Gänsehautfeeling pur. Musik ist eben international und erreicht die Herzen ohne Umweg. Weitere Spitzenchöre aus Bologna sowie Sardinien, Modena und Slowenien folgten mit ihrem sehr kontrastreichen Programm. Spät endete dieser wunderbare Abend und so fielen nahezu alle Sänger und Sängerinnen müde, aber überglücklich ins Bett. Dem Chorleiter Edi Hofbauer ging das zufriedene Grinsen gar nicht mehr raus aus dem Gesicht, wahrscheinlich ist er auch mit diesem breiten Grinsen eingeschlafen, denn am nächsten Morgen war das Grinsen immer noch im Gesicht.

Musikalische Botschafter Österreichs

Ausgiebig frühstücken an diesem letzten Tag in Bologna war nicht wirklich drin, denn um 10.30 Uhr ging es weiter mit den Auftritten, diesmal in der Villa Sapori Lazzari. Wieder war der Stadtchor als 2. Gruppe am Start, diesmal mit einem verkürzten Programm. Wenn schon ein österreichischer Chor in Italien die Gelegenheit hat, ihre Heimat als musikalischen Botschafter zu repräsentieren, dann darf natürlich auch kein österreichisches Lied fehlen und so wurde als erstes Lied „Bist du net bei mir“ gesungen. Im Programmheft stand übrigens „Bist Du bei mir“, was natürlich einen anderen Sinn ergibt, aber die Italiener haben es nicht bemerkt aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse und so konnten sie sich voll und ganz auf die Melodie konzentrieren und so manche Träne kullerte aus den Augenwinkeln der anderen Chormitglieder, so berührend war die Melodie. Es folgte „Madeleine“ und danach wieder ein Heimatlied, diesmal aus Niederösterreich, nämlich das Trinklied „Falkensteiner Wein“. Als Zugabe gab es dann nochmal „Vive L’amour“ und dann war der Stadtchor begeisterter Zuhörer der anderen Chöre, wobei insbesondere der sardinische Männerchor „Coro di Iglesias“ im Kreisgesang die Herzen ganz weit öffnete.
Nach diesem Vormittagskonzert wurde in dem großzügigen Villengelände noch ein fantastisches, italienisches Fingerfood-Buffet mit lokalen Weinen angeboten und sogar eine Riesentorte mit den Fotos aller beteiligten Chöre wurde feierlich angeschnitten, bevor es dann wieder nach Hause gehen musste. Weit nach Mitternacht kamen alle ein wenig gerädert, aber mit vielen neuen Eindrücken, in St. Pölten wieder an. Chorleiter Hofbauer meinte später nicht ohne Stolz, dass dies eine besonders schöne Konzertreise war, die noch lange in Erinnerung bleiben und sicherlich zu neuen Aktivitäten anspornen wird.

Flaggschiff der österreichischen Chorszene

Denn es heißt ja auch, dass der Stadtchor St. Pölten Flaggschiff und Aushängeschild der niederösterreichischen Chorszene, insbesondere der Hauptstadt St. Pölten sei und so ein sehr hoher Qualitätsanspruch in der Liedauswahl als auch in der Umsetzung erwartet wird.
Dieses hohe Niveau haben die St. Pöltner Goldkehlchen wieder einmal nachdrücklich in Bologna beweisen können, umso bedeutsamer, als der Stadtchor beinahe nur aus Amateur-Sängern und Sängerinnen besteht, welche keine nennenswerte musikalische Ausbildung aufweisen können.

Nachwort: Der Stadtchor St. Pölten sucht aktuell singende Männer zur Verstärkung der Bass- und Tenorstimmen.
Kontaktinfos: Stadtchor St. Pölten, Proben immer donnerstags von 19.30 bis 21.30 Uhr im Probenlokal, Josefstr. 95, 3100 St. Pölten, www.stadtchor.com, Chorleiter Eduard Hofbauer

Wolfgang T. Müller

Autor:

W. T. Müller aus St. Pölten

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