Kinder haben keine Lobby

L_Sommergespräch-Enzinger KW 34

Dritter Gast der Bezirksblätter-Sommergespräche mit den Landespolitikern aus dem Bezirk war die Grüne Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger.
BEZIRK GÄNSERNDORF. Ein wichtiges Thema ist für LAbg. Enzinger der Verkehr. Die Grünen sind bekanntlich gegen den Bau der Marchfeld Schnellstraße (S8):
„Die S8 wird als Transitroute den Verkehr noch mehr anziehen und nicht den Ruhesegen bringen.“ Es sei traurig – so die Grüne, dass in den letzten Jahren alles auf die S8 gebaut hat, angefangen vom wirtschaftlichen Aufschwung über den Tourismus. „Keiner hat von einem Plan B gesprochen, falls die S8 doch nicht kommen sollte. Der ganze Bezirk hängt an der S8“, so Enzinger verärgert. Es müsse auch Alternativen für einen Bezirk ohne S8 geben, wie man z.B. den Bezirk mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Betriebsansiedlungen attraktiv machen kann.
Wenn der geplante Lobautunnel nicht komme und eine Brücke errichtet werde, so wie LT-Präs. Nowohradsky fordert, dann falle das ganze Projekt und müsse neu eingereicht werden, was alles verzögere.

Hausgemachter Verkehr
Außerdem müsse man versuchen den – hausgemachten - Verkehr in den Orten zu reduzieren, z.B. mit Citybussen oder Radwegen. „Ich bin überzeugt, dass ein besseres öffentliches Verkehrsnetz den Autoverkehr in den Orten reduzieren würde“, ist sich Enzinger sicher.
Man könnte den Bezirk für Pendler auch ohne S8 attraktiver gestalten. „Umfahrungen der Orte könnte man rasch realisieren, da es für einige schon Projektpapiere gibt. Gleichzeitig müsste man den öffentlichen Verkehr ausbauen und massiv bewerben Auch der Schien- und Bahnhofsausbau bringt Arbeitsplätze!“
Das Land NÖ sei bei vielen Dingen Vorreiter, beim öffentlichen Verkehr leider nicht. Hier werden die Prioritäten anders gesetzt. Enzinger befürchtet, dass es im Dezember zu einer Verschlechterung der Zugverbindungen im Bezirk kommen wird, da die ÖBB noch etliche 1.000 Kilometer einsparen wird. Die Grünen werden zu diesem Thema einen Antrag im Landtag stellen.

Nebenbahnen
„Das Weinviertel hatte ein dicht ausgebautes Schienennetz, das leider in den letzten Jahrzehnten verkommen ist. Draisinen und Radwege können den Pendlerverkehr nicht ersetzen“, so Enzinger.
Die Grünen haben im Landtag - unterstützt von der SPÖ - einen Resolutionsantrag betreffend der Verkehrsanbindung des Museumsdorfs Niedersulz eingebracht mit der Forderung die Stammersdorfer Bahnlinie - Groß Schweinbarther Kreuz zu erhalten.
„In das Museumsdorf werden 9 Mio. Euro für Infrastrukturmaßnahmen investiert. Die öffentliche Anbindung mit der Bahn wird allerdings nicht berücksichtigt. Nicht alle von den erwarteten 80.000 Besuchern pro Jahr wollen mit dem Auto anreisen,“ erklärt Enzinger. Der Antrag wurde von der ÖVP abgelehnt.
Ab Dezember diesen Jahres wird nun anstelle der Bahnverbindung Groß Schweinbarth - Sulz/­Museumsdorf eine Buslinie eingerichtet (siehe Artikel Seite 10).

Grundwasserproblematik
Zu den derzeitig hohen Grundwasserspiegel, unter dem ein Teil der Marchfelder Hausbesitzer leidet, da Wasser in die Keller eintritt, meint Enzinger: „Sicher schwankt der Grundwasserspiegel im Laufe der Jahrzehnte. Die Frage ist allerdings, wie stark der Mensch dies beeinflusst. Auch die geplante Marchfeld Schnellstraße wird den Grundwasserspiegel beeinflussen. Einen solchen Eingriff kann man nicht abschätzen.“
Die Bürgermeister als 1. Bauinstanz gehören in die Pflicht genommen: „Sie könnten schon vorher aufklären bzw. Hilfestellung anbieten. Schließlich geht es auch um die Gesundheit, z.B. beim Folgeproblem Schimmel.“
Außerdem gebe es etliche Deponien in der Gegend, die noch nicht saniert seien.

Zur Sache
Verbundlichung
Nachmittagsbetreuung: Sollte sowohl in der Volks- als auch in der Hauptschule angeboten werden. Sicher müsse auf kommunaler Ebene gespart werden, so Enzinger, man dürfe allerdings nicht bei der Qualität der Kinderbetreuung sparen.

Nationalpark: Die Idee des WWF die March-Thaya-Auen als einen Nationalpark auszuweisen findet die Grüne Landespolitikerin gut. Ein detailliertes Statement finden Sie auf den Seiten 2/3.

Postschließungen: „Die Post ist eine Dienstleistung und sollte in jedem Ort angeboten werden. Für ältere Menschen hat sie wichtige soziale Funktionen“, gibt die Landtagsabgeordnete zu bedenken.

Oberstufenrealgymnasium Deutsch-Wagram: Auf Grund einer Anfrage der Grünen weiß Enzinger, die in Deutsch-Wagram Gemeinderätin ist, dass eine Verbundlichung der Schule 2011 nicht geplant ist: „Dadurch stößt die Gemeinde an ihre finanziellen Grenzen. Leider wird dies im Gemeinderat nicht offen diskutiert.“

Gemeindefinanzen: Man müsse sich genau ansehen, wo gespart werden kann und was langfristig Wirkung hat. „Leider hat das Land eine Milliarde verzockt. Bei der Jugend zu sparen, wie z.B. bei den Streetworkern, ist kontraproduktiv. Leider haben Jugendliche und Kleinkinder keine Lobby. Da gehen die Bürgermeister nicht auf die Straße,“ bedauert Enzinger

Martina Gschiel

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