Letzter Gruß aus dem KZ

Gustav Robert Braunberg

Auch Juden, welche mit einer „Arierin“ verheiratet waren und zum katholischen Glauben übergetreten sind, wurden von den Nazis verfolgt, verhaftet, in Konzentrationslager deportiert und ermordet, wie auch der Fall des Wiener Neustädters Dr. Gustav Robert Braunberg zeigt.

WIENER NEUSTADT (kre). Geboren wurde Dr. Gustav Robert Braunberg am 17. Jänner 1896 in Wien. Seine Eltern hatten in der Seidengasse ein kleines Herrenfriseurgeschäft, starben aber beide schon vor dem Anschluss an Hitlerdeutschland. Nach seinem Studium der Zahnheilkunde und Zahntechnik hatte Gustav Braunberg eine Praxis am Hauptplatz 13 in Wiener Neustadt, wo er zuletzt auch wohnte. Gustav Braunberg war mit Olga, einer „Arierin“ verheiratet und gehörte wie sie der römisch-katholischen Kirche an. Ihr einziges Kind, Anni, katholisch getauft und erzogen, entwickelte in den wenigen Jahren, die sie mit ihrem Vater verbringen durfte, eine ganz besondere Beziehung zu ihm. Nur an den Sonntagen hatte er wirklich Zeit für seine Tochter. Dann nahm er Anni überall mit hin, wo es nur ging, sogar auf den Fußballplatz.

Alles anders
Alles änderte sich 1938 durch den Anschluss. Anni wurde aus der Schule entlassen und erfuhr erst dann durch ihre Mutter, dass ihr Vater jüdischer Abstammung war. Nachdem Ende Juni 1938 SS-Männer in die Wohnung und Praxis kamen und alles beschlagnahmten, bekam Gustav Braunberg 8 Tage Zeit, um Wiener Neustadt zu verlassen. Innerhalb dieser Woche ließ sich seine Frau von ihm scheiden, übersiedelte später mit der Tochter nach Reichenau und überließ ihn seinem weiteren Schicksal. Gustav Braunberg flüchtete nach Prag, wo er für einige Zeit bei einem befreundeten Zahnarzt arbeiten konnte. Dort beantragte er ein Visum für Südamerika, das aber nie genehmigt wurde. Im Jahr 1943 war es Anni noch einmal möglich, für knapp eine Woche, ihren Vater in Prag zu besuchen. Es war das letzte Wiedersehen. Im September 1944 bekam Anni eine letzte Karte von ihrem Vater aus dem KZ in Theresienstadt.
Erst 1945 erfuhr Anni durch ein Schreiben des Zentralamtes für die Regelung der Judenfrage in Prag die schreckliche Nachricht „Wir teilen Ihnen mit, dass Gustav Robert Braunberg, geb. 17.1.1896, zuletzt wohnhaft in Praha I, Kaprova 5, am 18.8.1944 mit dem Transport Nr. Ef-2 nach Terezin und von dort am 29.9.1944 nach Auschwitz deportiert wurde.“ Er kehrte nicht zurück, sein Name steht auf der Liste der Toten des Lagers Auschwitz.

Autor:

Bezirksblätter Wiener Neustadt aus Wiener Neustadt

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