Prozess am Landesgericht
Polizist bei Festnahme schwer verletzt

Der Tschetschene musste sich am Landesgericht verantworten.
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  • hochgeladen von Karin Zeiler

„So ein heftiges Fluchtverhalten habe ich in meiner Dienstzeit noch nicht erlebt“, erklärte ein Polizeibeamter am Landesgericht St. Pölten, wo sich ein amtsbekannter Tschetschene unter anderem wegen schwerer Körperverletzung zu verantworten hatte.

ST. PÖLTEN (ip). „Ich habe so einen Widerstand auch noch nicht erlebt“, bestätigte Staatsanwältin Barbara Kirchner, für die der vorbestrafte 23-Jährige auch kein Unbekannter ist. Bei seiner Verurteilung im Dezember 2016 fasste der Bursche eine zweijährige Haftstrafe aus, nachdem er bereits im September zuvor verurteilt worden war und noch am selben Tag einen Raub begangen hatte. Nach seiner bedingten Haftentlassung landete er im Dezember 2018 abermals vor Gericht. Im Oktober 2019 entzog er sich bei Außenarbeiten der Häftlinge der staatlichen Kontrolle und flüchtete. Als am 20. März 2020 zwei Beamte wegen eines Streites in die St. Pöltner Herzogenburgerstraße gerufen wurden, ahnten sie, dass der Gesuchte sich in der Wohnung seiner Bekannten im dritten Stock aufhalten könnte.

Faustschläge und heftige Stöße

Als die Frau jedoch vom vierten Stockwerk herunterkam, ging einer der Beamten hinauf und fand den Flüchtigen vor. Der Anordnung, am Boden zu bleiben und Abstand zu halten, kam der 23-Jährige nicht nach. Obwohl die Beamten mit gezogenen Waffen vor ihm standen, verschaffte er sich freie Bahn. Mit Faustschlägen und heftigen Stößen wehrte er sich gegen die Festnahme, wobei ein Beamter zunächst alleine, danach gemeinsam mit seinem Kollegen und dem Tschetschenen die Stiegen hinunter stürzte und sich dabei an der Schulter schwer verletzte. Schließlich rannten sie dem 23-Jährigen noch hinterher, bis eine zu Hilfe weitere Streife ihn festnahm. Als Tüpfelchen auf dem I fand man im Fahrzeug des Beschuldigten noch einen gefälschten Reisepass.

Vorsätzliche Verletzung bestritten

Gegenüber Richterin Doris Wais-Pfeffer bekannte sich der Angeklagte bezüglich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und des gefälschten Dokuments schuldig. Dass er die Beamten, der zweite Kollege erlitt Abschürfungen, zumindest bedingt vorsätzlich am Körper verletzt haben soll, bestritt der Tschetschene. Verteidiger Roland Schöndorfer meinte, dass sein Mandanten „einfach nur weg wollte“ und nicht einmal auf die Schusswaffen reagierte.

Bruder sitzt in U-Haft

Das Geständnis des Burschen wertete Wais-Pfeffer nur als abgeschwächt, gleichzeitig verzichtete sie auf die Einbeziehung der möglichen Strafverschärfung bei Rückfall. Sie verurteilte den Tschetschenen, dessen Bruder unter anderem wegen Terrorismusdelikten in Untersuchungshaft sitzt, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, weitere neun Monate und 20 Tage wurden widerrufen (nicht rechtskräftig). „Ein sehr mildes Urteil“, wie selbst Schöndorfer erklärte, auch im Hinblick darauf, dass seitens der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu weiteren Fakten, darunter auch Raub, bereits im Vorfeld eingestellt wurden.

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