Landesgericht St. Pölten
Prozess gegen brutales Brüderpaar vertagt

Schlagkräftiges Brüderpaar auf dem Weg ins Gericht.
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  • Schlagkräftiges Brüderpaar auf dem Weg ins Gericht.
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Am Landesgericht St. Pölten musste sich ein schlagkräftiges Geschwister-Duo wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung verantworten. 

ST. PÖLTEN (ip). Wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung musste sich ein Brüderpaar (24 und 25 Jahre) vor Gericht verantworten. Immer wieder grinsend verfolgte der ältere Bursche die Aussagen der beiden Opfer, was ihm eine scharfe Abmahnung der St. Pöltner Richterin Doris Wais-Pfeffer einbrachte.

Anlass für den Prozess war, laut Staatsanwältin Nicole Elsinger, eine Auseinandersetzung Ende September 2019 vor einem Lokal in der Mariazellerstraße, als ein Ehepaar gegen vier Uhr morgens auf Essen wartete. Für eine Zigarette ging der 30-jährige Mann ins Freie und als ihn die Frau mit seinem Kosenamen „Bärli“ zurückrief, äfften die beiden Angeklagten mit „Ciao, Bärli“. „Gibt´s ein Problem?“, reagierte der 30-Jährige darauf und kassierte innerhalb weniger Sekunden zunächst zwei Faustschläge ins Gesicht, die ihn zu Boden warfen, danach zwei heftige Tritte gegen den Kopf. Seine zu Hilfe eilende Frau wurde zur Seite gestoßen, stürzte und erlitt dabei Prellungen des Schädels, des Steißbeins und der Lendenwirbeln. Den schwer verletzten Mann ließen die Beschuldigten am Boden liegen und rannten davon.

Schmerzensgeld

Mit Brüchen des Oberkiefers, des Nasenbeins, des Nasenfortsatzes, Prellungen und Hämatomen landete der 30-Jährige im Krankenhaus. Privatbeteiligtenvertreter Georg Thum forderte für die Frau 700 Euro Schmerzensgeld, für den Ehemann, der mehr als ein Monat im Krankenstand war, vorerst 3.500 Euro.
Während der 30-Jährige sich nur noch an den Sturz seiner Frau und den ersten Faustschlag erinnern kann – „Ich bin erst im Rettungswagen aufgewacht“ – meinte seine Frau vor Gericht: „Ich war total erschüttert, ich hab sowas noch nie erlebt!“ Heftig widersprach das Ehepaar den Aussagen der beiden Angeklagten, wonach der jüngere Bruder von beiden Opfern im Zuge der verbalen Auseinandersetzung je eine Ohrfeige kassiert habe.
Seine Reaktion, so der „Geohrfeigte“, „war eine Mischung aus Wut und Angst“ und auf die Frage der Richterin, wie stark er auf den am Boden Liegenden hintrat, meinte er: „Es hätte auch stärker sein können.“

"Es ist halt passiert"

„So viel Brutalität sieht man selten“, kommentierte Wais-Pfeffer das Video einer Überwachungskamera, während der 25-Jährige, abermals grinsend erklärte: „Er wollte unbedingt kämpfen. Ich find das alles nicht okay, aber es ist halt passiert!“ Erst auf Nachfrage seines Verfahrenshelfers meinte er, dass es ihm leid tue. Wenig begeistert vom Auftreten des Älteren war auch Verfahrenshelfer Roland Schöndorfer, der im Namen des jüngeren Bruders zumindest die Forderungen des 30-Jährigen anerkannte. Da auf dem Video zwar die Brutalität, jedoch wesentliche Passagen nicht so deutlich zu erkennen waren, vertagte Wais-Pfeffer den Prozess, da es Hinweise für ein Video gibt, das wesentlich näher am Geschehen war.

Schlagkräftiges Brüderpaar auf dem Weg ins Gericht.
Verfahrenshelfer Roland Schöndorfer.
Autor:

Petra Weichhart aus St. Pölten

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