Prozess um gefälschte Medikamente – Webmaster kassierte kräftig mit

Verteidiger Thomas Trixner mit Angeklagtem
3Bilder
  • Verteidiger Thomas Trixner mit Angeklagtem
  • Foto: Probst
  • hochgeladen von Bettina Talkner

ST. PÖLTEN (ip). Rund 500.000 Euro Schaden soll ein 39-jähriger St. Pöltner zwischen Mai 2008 und November 2010 verursacht haben, indem er auf seiner Website eine Werbeeinschaltung für „pilldienst“ samt Link positioniert hatte. Zumindest 200.000 Euro soll er dabei an Provisionen vom Verkauf gefälschter Medikamente kassiert haben, die er auf ein Konto seines Schwagers in Thailand transferieren ließ.

Gefährliche Nebenwirkungen

Staatsanwalt Karl Fischer nannte es im Prozess am Landesgericht St. Pölten gewerbsmäßig schweren Betrug, Geldwäsche sowie Mitarbeit in einer kriminellen Organisation. Mit seiner Werbeeinschaltung, im Laufe der Zeit auf mehreren Websites, habe der Beschuldigte Kunden zu einem Vertrieb gelotst, dessen Hintermänner im großen Stil gefälschte Medikamente als Originale beziehungsweise Generika versandten, die, wie etwa das angebliche „Viagra“ zum Teil schwere, gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen verursachen konnten. Der Angeklagte, einer von neun Österreichern, galt in der Organisation als einer der Besten von –zig Webmastern und wurde daher auch zum Treffen der 15 Besten in die Tschechei geladen.

Schuld bei Finanzamt von 160.000 Euro

„Ich habe mir nicht viel erwartet und dann ist es plötzlich irgendwie explodiert“, meinte der derzeit vom Notstand lebende St. Pöltner gegenüber Richterin Doris Wais-Pfeffer. Er habe nur den Platz im Internet zur Verfügung gestellt, aber nicht gewusst, dass es sich um gefälschte Produkte gehandelt habe. Versteuert habe er es nicht, da er wusste, dass diese rezeptpflichtigen Medikamente nur von Apotheken vertrieben werden dürfen. Mittlerweile habe er vom Finanzamt eine Vorschreibung in Höhe von 160.000 Euro.
Fischer reagierte hellhörig, zumal es nicht nachvollziehbar sei, dass bei den Provisionen in Höhe von „nur“ 200.000 Euro, die auf dem thailändischen Konto eingelangt waren, es zu Finanzforderungen in derartiger Höhe kommen könne.
„Mein Mandant erklärt sich zum Vorwurf des Betrugs und der kriminellen Vereinigung nicht schuldig, da er stets davon ausgegangen ist, dass es sich um Originale handelt“, unterstrich Verteidiger Thomas Trixner das Teilgeständnis des Angeklagten. Dem steht eine Aussage der mittlerweile teils in Deutschland verurteilten Führungsriege der Organisation, die in relativ kurzer Zeit rund 20 Millionen Euro verdient habe soll, entgegen, wonach der Beschuldigte beim Webmaster-Treffen erfahren habe, dass es sich bei den Produkten um Fälschungen gehandelt habe.
Um einige dieser Personen als Zeugen zu vernehmen, vertagte Wais-Pfeffer den Prozess auf kommenden April. Vor allem brauche man jenen Mann, der sich schon einige Zeit in Uruguay in Auslieferungshaft befindet.

Autor:

Bettina Talkner aus Gmünd

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.