St. Pölten ist das Parkplatzpardies

ATTIK-Parkplatzkonzert: Lukas Schweitzer, Matthias Nolz und Benjamin Braun werden wohl weiter auf Bühnen auftreten.
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ST. PÖLTEN. Lässig und entspannend klingen die Indie-Pop-Gitarren-Klänge durch die St. Pöltner Promenade. Die Band ATTIK tritt hier zum Parkplatzkonzert auf. Ihre Bühne: ein Parkplatz, zwölf Quadratmeter groß.

Zu viele Parkplätze

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace nahm alle Landeshauptstädte zur Klimafreundlichkeit unter die Lupe. In St. Pölten sieht sie vor allem Verbesserungsbedarf in der Parkraumbewirtschaftung. Wenn es nach Greenpeace geht, hat St. Pölten vor allem zu viele und zu günstige Parkplätze. Was läge da näher, als die (bezahlte) Parkfläche nicht nur zum Parken zu nutzen? Wir haben nachgefragt, was die St. Pöltner mit einem 1-Euro-Parkticket (Preis für eine Stunde) und einer freien Stellfläche so anfangen würden: "Ich würde eine Brauereigarnitur, einen Kugelgriller und eine Kühlbox mit Getränken aufbauen und eine Grillparty feiern", lacht Michael Hirtenlehner. "Aber ich frage mich trotzdem, welche Parkplätze Greenpeace meint. So viele sind es auch nicht", fügt er hinzu.

Blasmusik am Parkplatz

"Wie viele Mitglieder einer Blasmusikkapelle mit ihren Instrumenten wohl auf einen einzelnen Parkplatz passen?", fragt sich Oliver Fürnschlief und beginnt zu rechnen. Simone Prenner könnte sich den Parkplatz auch mit einem Liegestuhl und einem Cocktail vorstellen. "Für einen Euro eine Stunde Sonne tanken. Wieso nicht?", schmunzelt sie. "Erlaubt ist davon nichts", sagt Raimund Schwaigerlehner vom Landespolizeikommando. "Öffentliche Parkplätze sind Verkehrsflächen und zum Parken von Autos gedacht. Ausnahmen sind angemeldete Veranstaltungen und Feste", so Schwaigerlehner. Da bleiben Parkplatzkonzerte und Grillereien auf der St. Pöltner Promenade wohl ein Traum.

Die Greenpeace-Studie

Die durchschnittliche Parkgebühr in der Kurzparkzone kostet 1,00 Euro pro Stunde. Ein Einzelticket für den öffentlichen Verkehr 1,70 Euro. Das sei, laut Greenpeace unverhältnismäßig niedrig und setze bei der Verkehrsmittelwahl falsche Anreize. Im Hauptstädte-Ranking landete St. Pölten auf dem vierten Platz. Beurteilt wurde die Klimafreundlichkeit in sieben Kategorien.

Das sagt Bürgermeister Matthias Stadtler zur Greenpeace- Studie:

Greenpeace kritisiert die Parkraumbewirtschaftung in St. Pölten: Was sagen Sie dazu?

Stadler: Mit der „Kritik“ dass wir in St. Pölten zu viele Parkplätze haben und diese sehr kostengünstig sind, können wir grundsätzlich gut leben, weil das die BürgerInnen, die Wirtschaft und die Gäste der Stadt naturgemäß sehr positiv sehen. St. Pölten hat die höchste pro Kopf-Quote aller Landeshauptstädte bei den Parkplätzen. Nichtsdestotrotz ist es unser Ziel, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, mehr zur Fuß zu gehen, mit dem Rad zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. St. Pölten ist die Stadt der kurzen Wege. Alle zentralen Einrichtungen sind vom Zentrum aus fußläufig zu erreichen. Mit dem Rad oder dem LUP erreicht man alle anderen Ziele dieses Nahbereiches. St. Pölten ist also sehr „kompakt“ und das ist unter den Landeshauptstädten einzigartig. Die Parkraumbewirtschaftung ist politisch immer ein heißes Eisen. Wir scheuen aber nicht, tätig zu werden, wenn es zwingend erforderlich ist, wie die Einführung der grünen Zone im St. Pöltner Seenerlebnis zeigt.

Greenpeace fordert auch den Ausbau der Tempo-30-Zonen: Sehen sie das als einen Punkt, an dem man etwas ändern müsste?

Stadler: Wir haben in St. Pölten in beinahe allen größeren Siedlungsgebieten bereits 30er Zonen eingerichtet und stehen dem grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Das ist eine sinnvolle Maßnahme für mehr Sicherheit, weniger Lärm und weniger Schadstoffe. Wir treffen derartige Verordnungen im Einvernehmen mit der dort wohnenden Bevölkerung und selbst dann ist es schwierig, dass sich die Anrainer an die Regelungen halten. Kontrollen haben uns gezeigt, dass vielfach die AnrainerInnen, die in der 30er-Zone wohnen, selbst viel schneller unterwegs sind. Eine 30er Zone hilft also nur dann etwas, wenn sich die Bevölkerung auch wirklich selbst daran hält.

Wie wird der Stadtbus "LUP" künftig unterwegs sein?

Stadler: Ab September wird eine neue Busflotte eingesetzt. Zum Einsatz kommen ausschließlich barrierefreie Busse, welche die aktuellen EURO 6 Abgasnormen erfüllen sowie über moderne Fahrgastinformationssysteme verfügen. Die Busse verfügen über ein Mehrzweckabteil zur Mitnahme eines Rollstuhles bzw. zwei Kinderwägen. Klimaanlage, Standheizung sowie getönte Scheiben zur Verminderung der UV-Einstrahlung tragen zum Komfort der Fahrgäste wesentlich bei.
Mit der Einführung des Sonn- und Feiertagbetriebs auf den Linie 1,5 und 6 ist der LUP nunmehr an 365 Tagen im Jahr unterwegs. Die Busse auf diesen Linien werden pro Jahr zusätzlich rund 50.000 Kilometer zurücklegen.
Zwei neue Linien erhöhen die Zahl der LUP-Linien auf 13. Die neue Linie 13 bindet Ragelsdorf und Weitern ins LUP-Netz ein. Die neue Linie 12 sorgt auf der Hauptachse Mühlweg – Hauptbahnhof – Josefstraße für einen attraktiven 10-Minutentakt. Verbesserungen und Erweiterungen des Liniennetzes gibt es auch in Ratzersdorf, Wagram, Viehofen und im Westen. All diese Maßnahmen sorgen für eine Steigerung der Jahreskilometer um 180.000 Kilometer (ohne Sonntag), das ist 4,5 Mal um die Erde. Auf Grund der geringen Auslastung verkehrt die Linie 11 künftig nur mehr zu Schulzeiten.
Nicht zuletzt werden 25 Stk eine neuen Dynamischen Fahrgastinformationssystems neu installiert.

In welche Richtung soll sich die Landeshauptstadt im Hinblick auf die Greenpeace-Studie entwickeln? Was sind Punkte, die verändert werden müssen?

Stadler: Die Greepeace-Studie zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir forcieren erneuerbare Energiequellen (Stichwort Kleinwasserkraftwerke an den Mühlbächen, Solardach-Kataster oder Windräder etc.). Im Generalverkehrskonzept, das in Zusammenarbeit mit dem Land NÖ ausgearbeitet wurde, haben wir die Förderung des Fußgängerverkehrs, des Radfahrens und des öffentlichen Nahverkehrs als prioritäre Ziele festgeschrieben. Verbessern kann man immer etwas und deshalb sehen wir die Greenpeace Studie als Ansporn weiterzumachen, denn die Umsetzung der Punkte bedeutet letztlich mehr Lebensqualität für die BürgerInnen und das ist das Ziel der Stadtregierung.

Was sagen Sie zur Studie?

Stadler: Solche Studien helfen, das Bewusst sein der Bevölkerung für das eigene Verhalten zu schärfen. Steigt man künftig für kurze Wege nicht mehr ins Auto, sondern fährt man mit dem Rad, geht zu Fuß oder nimmt den LUP? Es stellt sich allerdings die Frage, ob man die ermittelten Daten wirklich objektiv miteinander vergleichen und in Relation setzen kann. St. Pölten ist von der Fläche größer als Linz, fast doppelt so groß wie Salzburg. Linz hat dabei fast viermal so viele EinwohnerInnen, Salzburg dreimal so viele. Siedlungsdichte, Bebauung, die örtlichen Gegebenheiten, Verkehrsaufkommen oder unterschiedliche zentralörtliche Funktionen machen einen unmittelbaren Vergleich schwierig. Es leuchtet jedem ein, dass man dann die Größe der Kurzparkzonen oder die Größe der Fußgängerzonen nicht eins zu eins vergleichen kann.

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