St. Pölten trotzt dem Wirte-Sterben

Leopold Graf ist Gastronom (Hotel Graf sowie Gasthaus Graf) und Obmann der "Wirte 3100".
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ST. PÖLTEN (bw). Seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Doch St. Pölten trotzt dem Wirte-Sterben. Ein BEZIRKSBLÄTTER „Lokal-Augenschein“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Gastronomischer Aufschwung

Schweinsbraten und Co. findet man nur in einer gutbürgerlichen Küche, wie es 141 Wirte im Bezirk St. Pölten anbieten. Einer davon ist Leopold Graf, Inhaber des gleichnamigen Hotels und Gasthauses in St. Pölten. Bei der Thematik "Wirte-Sterben" stellt sich für ihn zuallererst die Frage: "Wie definiert man einen Wirt?" "Ist ein Wirt nur jemand, der Gulasch und Schnitzl anbietet, oder zählt nicht doch auch ein modernes Kaffeehaus oder ein Restaurant dazu? Ich denke, viele verwechseln das und glauben, wenn kein klassisches Gulasch und moderne Küche angeboten wird, ist derjenige kein Wirt", so Graf. Dass die Anzahl der Wirte in den letzten zehn Jahren im Vergleich zu anderen Bezirken hier gestiegen ist, sieht er zum Großteil an der Bezirkserweiterung. "In St. Pölten gibt es einen großen gastronomischen Aufschwung durch die neuen Lokale am Bahnhofsplatz oder am Rathausplatz. Man denkt vielleicht, es sind weniger, doch es sind mehr, vor allem mit den Abendlokalen", erklärt Graf, der auch Obmann der Wirte 3100 ist, weiter. Eine Problematik sehe er eher in der Landgastronomie, wenn es für den Betrieb keinen Nachfolger gibt, da sich z.B. die Kinder für einen anderen Berufsweg entscheiden. Die wöchentlichen Stammtische mit Schnapserrunde gebe es zwar so in der Form nicht mehr, doch Graf erklärt: "Die Gruppen sind gleich geblieben, es hat sich nur mehr zu einer Wirtschaftsrunde entwickelt, mit Gesprächen über Wirtschaft, Politik und Sport."

Trend zu Take away

Im Gasthaus Graf findet man auf der Karte zu 80 Prozent Hausmannskost und 20 Prozent saisonale Schmankerl. "Wir sind Verfechter der gutbürgerlichen Küche. Einen Schweinsbraten macht man selten für zwei Leute zu Hause, da der Aufwand zu hoch ist", erläutert Graf die Vorteile und ergänzt im Vergleich zu Fast Food-Ketten: "Der Trend zu Take away ist erkennbar. Man kann es schnell holen und daheim essen. Allerdings fehlt dabei die Gemütlichkeit und das Beisammensitzen." 

Zur Sache

Im Jahr 2010 gab es im Bezirk St. Pölten noch 138 Wirtshäuser. 2015 sank die Anzahl auf 136. Aktuell zeigt sich ein leichtes Hoch mit 141 Wirten in der Region. Restaurants gibt es insgesamt 78 im Bezirk, Gasthöfe mit höchstens acht Gästebetten gibt es nur zwei. 80 Kaffeehäuser sind bei uns beheimatet und elf Weinlokale/Weinschenken/Heurigenbuffets haben ihren Standort im St. Pöltner Bezirk.

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