Landesgericht St. Pölten
Tierquälerprozess endete mit drei Freisprüchen

Am Landesgericht St. Pölten mussten sich Schweinebauern wegen Tierquälerei verantworten.
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  • Am Landesgericht St. Pölten mussten sich Schweinebauern wegen Tierquälerei verantworten.
  • Foto: Ilse Probst
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Schweinebauern mussten sich erneut vor Gericht verantworten, nachdem sie den Tieren zum Zwecke der Kastration die Samenstränge herausgerissen hatten. 

ST. PÖLTEN (ip). Nicht gerade zart besaitet durfte man als Zuhörer bei einem Prozess am Landesgericht St. Pölten sein, wo sich ein Schweinebauer aus dem Bezirk St. Pölten Land, dessen 63-jährige Mutter, sowie ein 49-jähriger Ungar, der seit 2016 als Landarbeiter in dem Betrieb beschäftigt ist, wegen einer äußerst brutalen Methode der Kastration von Ferkeln zu verantworten hatten.
Bereits vor eineinhalb Jahren wurde das Trio in dieser Causa zu je drei Monaten bedingt verurteilt. Nachdem das Oberlandesgericht die Urteile aufhob, kam es zu einem neuerlichen Prozess, der mit drei Freisprüchen (nicht rechtskräftig) endete.

Reißen oder schneiden

Die zentrale Frage im Prozess war, ob es für männliche Ferkel schmerzhafter sei, wenn man ihnen die Samenstränge herausreißt. Laut Gesetz dürfe man sie nämlich nur herausschneiden, seit Oktober 2017 müsse man zuvor auch ein Schmerzmittel verabreichen.
Wie der Betriebsinhaber bereits 2018 erklärte, wurden pro Monat 250 bis 300 Ferkel kastriert. Dabei legte man, nach der Gabe eines Schmerzmittels, durch einen Querschnitt am Hodensack die Hoden frei und habe – wie auf einem Video erkennbar – den Samenstrang herausgerissen.

Nicht immer, so die Beschuldigten, habe man die zehn Minuten abgewartet, bis das Schmerzmittel wirkte. Mutter und Landarbeiter erklärten, dass man die Samenstränge zunächst mit den Fingernägeln abzwickte und erst danach herausnahm. Die Methode habe ihr Sohn in den Niederlanden erlernt und es sei dabei weniger Blut geflossen. Außerdem habe man früher Ferkel erst mit etwa drei Wochen kastriert, da hätten sie sich aber schon zu sehr gewehrt und daher musste man schneiden. Jetzt vollziehe man die Prozedur bereits bei Ferkeln im Alter von fünf Tagen. „Zum Wohl der Tiere“, so der 39-jährige Schweinebauer. Er habe sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen beschäftigt, die seine Methode als weniger brutal bezeichnen. „Brutal ist wahrscheinlich alles“, so das Eingeständnis der Mutter, die ihrerseits den Landarbeiter eingeschult hatte.

Exorbitanter Schmerz

Gutachter Holger Herbrüggen befand sich in einem Zwiespalt. Seiner Erfahrung nach dürfte das Reißen schmerzhafter sein, da wesentlich mehr Gewebe zerstört werde. Weniger Blut bedeute aber nur, dass es nach innen blutet. Wissenschaftlich sei es jedoch nicht gelungen, unterschiedliche Schmerzwerte festzustellen.

„Lauter als laut kann eben auch ein Schwein nicht schreien!“, so der Sachverständige.

Der Schmerzpegel, so der Richter, sei vermutlich bei beiden Varianten so exorbitant hoch, dass eine Steigerung gar nicht mehr messbar sei. Subjektiv seien die Beschuldigten von einer Gleichwertigkeit ausgegangen. Dass man das verbotene Reißen dem Schneiden vorzog, sei nur zivilrechtlich von Bedeutung. Staatsanwalt Karl Wurzer gab zu den Freisprüchen vorerst keine Erklärung ab.

Autor:

Petra Weichhart aus St. Pölten

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