Viehofen ist ein "Entenstall"

Gewohnheit: Die Enten betteln regelrecht um Futter.
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ST. PÖLTEN (bt). "Zahlreiche Wildenten mit ihrem putzigen Nachwuchs beschmutzen die Hauszugänge, verunreinigen die PKW-Abstellplätze und veranlassen die Bewohner der drei Wohnhäuser zum Tempelhüpfen, um den Enten-Exkrementen auszuweichen."

Diese Zeilen lesen sich in einem Brief, der den Bezirksblättern in die Redaktion geflattert ist. Aufgesetzt "im Namen vieler Bewohner der St. Pöltner Wohnungsgenossenschaft in Viehofen", heißt es. Wir geben zu, einige Ausdrücke mussten wir verschönern.

Schauplatz ist die Karl Ludwig-Straße entlang des Mühlbaches in Viehofen. Besonders ältere Damen sollen Enten hier verbotenerweise füttern. Was auch Ratten nährt und anlockt. "Nicht selten dringen die Nager auch in die Keller der Häuser ein, in denen auch Mäuse ihr Quartier aufgeschlagen haben."

Verfolgt beim Lokalaugenschein

Die Bezirksblätter begeben sich auf Lokalaugenschein. Als wir an den Häusern vorbeigehen und den Weg entlang des Mühlbaches betreten, stechen uns tatsächlich viele "Hauferl" ins Auge. Nach wenigen Schritten hüpfen vier Enten aus dem Gebüsch neben dem Bach und steuern direkt auf uns zu. Und es werden immer mehr. Sogar ein Muttertier mit einer Schar von Jungen zeigt sich. Die Tiere sind keineswegs aggressiv oder scheu, sie betteln regelrecht um Futter und verfolgen jeden Schritt.
"Putzig", wie im Brief beschrieben, sind die Enten wirklich. Das finden auch die Passanten die wir befragen.

"So wird das Leben in der Stadt ein bisschen lebenswerter", meint Josef Maurer, der in der Nähe arbeitet. Aber die Tiere im Sommer zu füttern sei schlichtweg ein "No-Go", meint auch ein älteres Ehepaar, dem wir ins Sackerl blicken dürfen. Papiere, keine Brotreste. "Man muss halt aufpassen wohin man steigt", rät eine 22-jährige Spaziergängerin.

Rattenköder-Boxen regelmäßig überprüft

Wir stellen fest: St. Pöltner, die die Natur genießen wollen, freuen sich über das kleine "Entenparadies", die Bewohner der angrenzenden Wohnhäuser allerdings nicht. "Überall zuckt man mit den Achseln, alle putzen sich ab", schreiben sie. Wir haben bei der Wohnungsgenossenschaft St. Pölten nachgefragt. Die letzte Meldung von Mäusen im Keller soll im Oktober 2016 eingegangen sein. Aktuell liegen keine Beschwerden vor.

"Im Wissen um die generelle Sensibilität des Themenbereiches ,Ratten in der Wohnhausanlage' haben wir bereits vor Jahren diverse Rattenköder-Boxen im Bereich des Gebäudes aufstellen lassen. Diese werden auch regelmäßig durch ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen überprüft bzw. ausgetauscht", versichert Hausverwalter Christian Geyer.

Verbotstafeln der Stadt verschwinden oft

Auch die Stadtgemeinde St. Pölten kennt das Problem und versucht es, durch wiederholte Hinweise auf das Fütterverbot im Amtsblatt, in Aussendungen sowie auf Tafeln, in den Griff zu kriegen. "Das Problem ist, dass die Tafeln von Unbekannten beschädigt oder entfernt werden. Manchmal tauchen die Tafeln zwar wieder auf, verschwinden dann aber nach einiger Zeit wieder", erzählt Rathaussprecher Martin Koutny. Für ihn handelt es sich um falschverstandene Tierliebe.

"Die Erfahrung zeigt, dass sich das Problem rasch von selbst löst, wenn das Füttern eingestellt wird, weil sich die Wasservögel dann ihr Futter selbst suchen müssen und sich nicht mehr geballt an einem Ort aufhalten." Das Motto der Stadt lautet allerdings: Bewusstsein erregen, anstatt mit Strafen durchzugreifen, zumal die Verursacher kaum festzustellen sind. Bei Bedarf könne gemeinsam mit dem Wirtschaftshof eine Rattenbekämpfung durchgeführt werden.

Krankheiten drohen Mensch und Tier

Was das Füttern der Enten im Sommer genau bewirkt, erklärt der Wilhelmsburger Tierarzt Jens Wagneder auf Anfrage der Bezirksblätter. Je mehr Nahrung, desto dichter die Population. Das heißt, die Enten setzen auf engem Raum auch immer mehr Kot ab.

"Ich könnte sagen der Dreck ist mir egal, aber in diesem Kot sind Krankheitserreger. Irgendwann auf engem Raum so viele, dass es auch für Menschen und andere Tiere wie Hunde und Katzen gefährlich wird." Stichwort Salmonellen und Parasiten. Zusätzlich treten bei Überpopulation, ganz wie in der Massentierhaltung, bestimmte Krankheiten auf. "Das ist dann auch kein Tierschutz, wenn ich die Enten so viel füttere, dass sich das dann über Seuchen selbst regelt", sagt Wagneder.

Und ja, Futter das die Enten liegen lassen, lockt Nagetiere an. Dringen Ratten tatsächlich in die Wohnhäuser vor, besteht aktuer Handlungsbedarf. "Es gibt die ganz gefährliche Erkrankung Leptospirose. Bakterien die über den Rattenhahn ausgeschieden werden, können beim Menschen zu Niervenversagen führen. Ganz brutal gesagt, die können sich eh nicht mehr anders helfen, als Rattengift auszuglegen."

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