28.09.2017, 14:49 Uhr

Acht Projektile drangen durch Türe des Nachbarn

Das Gewehr des Pensionisten. (Foto: Probst)
ST. PÖLTEN (ip). Einigermaßen in Panik geriet ein Ehepaar aus St. Pölten, als es in der Nacht zum 24. Jänner 2017 mehrere „Knaller“ hörte und der Mann in seinem Vorzimmer feststellte, dass seine Wohnungstüre acht Durchschusslöcher aufwies.
Den zu Hilfe kommenden Beamten stand in der Nachbarwohnung zunächst ein 73-jähriger Pensionist mit einem Gewehr bewaffnet gegenüber, der nach Aufforderung die Waffe ablegte und sich widerstandslos festnehmen ließ. Seinen ersten Angaben zufolge habe er von Stimmen aus dem Internet erfahren, dass mit Messern bewaffnete Personen vor seiner Wohnung und am Dach des Wohnhauses gegenüber ihn bedrohten. Wie die Beamten schließlich ermittelten, besaß der gelernte Maschinenschlosser legal fünf Langwaffen und eine Gaspistole. Mit einem Gewehr schoss der Pensionist in dieser Nacht neunmal durch seine geschlossene Wohnungstüre auf den Gang hinaus, wobei die Wohnungstüre des benachbarten Ehepaares achtmal, der Türdrücker einmal getroffen wurde. Neunmal feuerte der Schütze auch durch das geschlossene Fenster in Richtung des Daches eines benachbarten Wohnhauses.

Störung der Realitätswahrnehmung

Am Landesgericht St. Pölten wurde der Beschuldigte nun wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit und schwerer Sachbeschädigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von fünf Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren verurteilt (nicht rechtskräftig).
„Wenn dort einer gestanden hätte, den hätten Sie über den Haufen geschossen“, meinte der Richter bei der Befragung des Angeklagten. Dieser behauptete im Prozess, er habe gesehen, wie seine Türklinke von außen nach unten gedrückt worden sei. „Weg von der Tür!“, habe er geschrien und unmittelbar darauf geschossen, da sein Gewehr wegen einer Reinigung gerade noch herumgestanden sei. Zu den Schüssen aus dem Fenster erklärte der Pensionist: „Da wollt ich mich bemerkbar machen, damit die Polizei kommt.“
„Der Sachverständige sagt, dass Sie einen Verfolgungswahn haben“, meinte Herr Rat. „Glaub ich nicht“, kommentierte der Beschuldigte, der laut Gutachter Werner Brosch an einer Störung der Realitätswahrnehmung leidet, von dem jedoch keine besondere Gefährdung ausgehe.
Die Person vor seiner Türe habe er sich zum Glück nur eingebildet, sonst stünde er jetzt wegen Mordversuchs vor Geschworenen, meinte der Richter, zumal der Pensionist erklärte, dass er eine Tötung bei seiner Aktion in Kauf genommen hätte.

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