20.03.2017, 13:02 Uhr

Der 'Teufel' auf der Yoga-Matte

Su Sanne Kräftner: "Yoga ist ein verbindendes Element.

Ein Pfarrer vergleicht Yoga mit Teufelsanbetung. Was sagt St. Pölten dazu? Wir haben nachgefragt.

ST. PÖLTEN (ah). Man atmet ein und aus, konzentriert sich ganz auf die Spannung seines Körpers und spürt den Atem. Okkultismus? Der oberösterreichische Pfarrer Gerhard Maria Wagner vergleicht Yoga mit satanischen Praxen.
Wir hörten uns in St. Pölten bei Yoga-Experten um, was sie zu diesem Vorstoß sagen.

"Das ist Humbug"

Teuflisches Yoga? Judith Dicksons, Yoga-Lehrerin im "Home of Om - Zentrum" in St. Pölten, erste Reaktion im Bezirksblätter-Gespräch: "Das ist doch Humbug." Diesen Vorstoß könne laut Dickson nur jemand wagen, der keine Ahnung von Yoga hat. Dickson leitet seit zehn Jahren Kurse in St. Pölten und fasst die indische Philosophie zusammen: "Yoga gibt Werkzeuge in die Hand, um sich selbst wieder in Balance bringen zu können. Es macht unabhängig - vor allem von äußeren Einflüssen und man begreift, dass man gar nichts Äußeres braucht. Man hat alles in sich."
Hinter Yoga stehen laut Dickson vier Hauptsäulen: Bewegung, Atmung, Ernährung, Entspannung. Dass Yoga in St. Pölten immer mehr nachgefragt wird, bestätigt Dickson. "Die Nachfrage ist groß. Viele wollen vom Alltagsstress weg und einfach nur entspannen."

"Ich kenne den Vorwurf"

Yogalehrerin Su Sanne Kräftner, die im Raum St. Pölten seit elf Jahren Unterricht gibt, sagt dazu: "Diese Behauptung ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Yoga ist eine 6000 Jahre alte Wissenschaft." Aber Kräftner kennt diese "Verteufelung" des Yoga sehr gut. "Schon früher wurde Yoga von der Kirche verteufelt und heute kommt das auch immer wieder vor." Doch Kräftner sieht in dieser Kunst gerade das verbindende Element: "Religion spielt dabei keine Rolle, nein, im Gegenteil - Yoga wird unabhängig von Religionen praktiziert und somit wird Toleranz gefördert." Die erfahrene Trainerin erklärt weiter: "Das Wort Namasté, mit dem sich viele Yoga-Lehrer und ihre Schüler begrüßen, kommt aus dem Sanskrit und bedeutet frei übersetzt: Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche, das ich in dir sehe." Auf Bezirksblätter-Anfrage bei der Diözese gibt man sich diesbezüglich eher verhalten. Nur so viel: Man schließe sich der Meinung der Diözese Linz an. Die pauschale Ablehnung von Yoga sei heute veraltet. Die Diözese grenzt sich dahingehend von der Einschätzung des Windischgarstner Pfarrers Wagner ab, dass "jedes Yoga im Grunde satanisch ist", denn das Konzil bekunde gegenüber kontemplativen östlichen Traditionen Respekt.


Zur Sache:

Yoga ist eine indische philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen beinhaltet. Die Wurzeln des Yoga liegen in Indien und Yoga zählt zu den ältesten Wissenschaften, die sich mit dem Menschen in seiner Ganzheit beschäftigen.


Wussten Sie dass,

....Yoga aus der indischen Sprache Sanskrit kommt?
...Yoga vor über 6.000 Jahren entstand und auf die Zeit der frühen Waldbewohner im Indus-Tal (Nordindien) zurückgeht?
....Yoga das älteste System zur persönlichen Entwicklung ist, das Körper, Geist und Seele vereint?

Weitere Artikel aus dem NÖ Zentralraum finden Sie hier.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.