15.09.2016, 09:05 Uhr

Die große Welt im Landestheater

Vorstadtweiber-Held Philipp Hochmair und Marie Rötzer besprachen nach dem Interview letzte Ideen für "Jedermann reloaded".

Neo-Intendantin Marie Rötzer will gleich vom Saisonstart weg noch mehr Lust auf das Theater machen.

ST. PÖLTEN (jg). Zum Interview kommt Marie Rötzer, neue künstlerische Leiterin des Landestheaters, im Schlepptau mit Vorstadtweiber-Held Philipp Hochmair und Johannes Silberschneider. Die beiden Stars sind sich am Weg von und zu einer Probe quasi zufällig über den Weg gelaufen und haben gleich Pläne für die Eröffnung am Wochenende geschmiedet. Rötzers Augen strahlen, wenn sie von derlei "ganz natürlichen" und "selbstverständlichen" Begegnungen erzählt, die in St. Pölten aufgrund der Übersichtlichkeit eher gegeben sind als etwa in Wien.

Sie haben schon vor 20 Jahren im Landestheater gearbeitet. Ist es seither leichter geworden, renommierte Künstler nach St. Pölten zu bekommen?
Damals war das Theater mit Bereichen von Ballett bis Operette ganz anders strukturiert. Mit dem Fokus auf das Schauspiel und dem Entschluss, Gastspiele nach St. Pölten einzuladen, hat sich über die Stadt und Österreich hinaus ein herausragender Ruf entwickelt. So ist es auch für Stars ein attraktiver Ort geworden.

Am Wochenende startet das Theater mit Ihnen als neue künstlerische Leiterin in die Saison. Sind Sie nervös?
Ich bin sehr gespannt und aufgeregt, wie das Publikum unsere Premiere aufnehmen wird. Die Freude steht aber im Vordergrund, endlich loslegen zu können.

Das Motto der neuen Spielzeit lautet „Die Welt ist groß“. Aufgeführt werden Geschichten „über die Suche nach einem besseren Leben“. Inwiefern spielte bei der Programmierung die Flüchtlingskrise eine Rolle?
Als ich mir über St. Pölten und Niederösterreich, das ja auch meine Heimat ist, Gedanken gemacht habe, stand die Frage im Zentrum, was die Zuschauer, die St. Pöltner, interessieren könnte, wo sie sich wiederfinden könnten. Da habe ich zuerst über Heimat und Fremde nachgedacht. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, das bedeutet, dass wir sehr mobil sein müssen, sehr flexibel sein müssen und dass sich aufgrund der Globalisierung der Heimatbegriff sowieso ändert. Als die Flüchtlingskrise, die für mich nicht Ursache sondern Symptom heutiger Probleme ist, letzten Sommer kam, stand das Programm aber schon.

St. Pöltner finden sich vor allem im Bürgertheater, das heuer unter dem Titel "Wo bis du hin entwichen" verschwundenen Orten nachgeht, wieder. Um welche Orte in der Landeshauptstadt wird es gehen?
Das wird gerade recherchiert. Alfred Komarek wird sich mit seinem Team in die Archive begeben. Das Projekt ist noch im Entstehen. Am Bürgertheater wird ja ein Jahr lang gearbeitet und die Bürger beteiligen sich auch selbst daran, mit Ideen und ihrer eigenen Biographie. Es ist also noch zu früh, um hier Genaueres zu sagen.

Die Öffnung des Theaters liegt Ihnen am Herzen. Ist die Aufführung am Rathausplatz im Sinne von "St. Pöltner schaut her, was für ein tolles Theater ihr vor der Haustür habt" zu verstehen?
Ganz genau! Mein Wunsch ist es, dass wir uns nicht in den heiligen Hallen verstecken, sondern unseren Theatervirus verbreiten und mit dem Versuch, hinauszugehen, Schwellenängste nehmen.

Großes Eröffnungsfest am 17. September

Mit "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" startet das Landestheater am 16. September in die neue Saison. Am 17. September wird ab 9.30 Uhr mit Kinderprogramm zum Eröffnungsfest auf den Rathausplatz und ins Theater geladen. Um 18.30 Uhr stellt sich das Ensemble vor, um 20 Uhr steht Philipp Hochmair mit einer "Jedermann"-Konzert-Performance auf der Bühne.

www.landestheater.net
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