31.08.2016, 07:30 Uhr

Expedition im Land der Gärten

Erst wenige Bewohner haben sich im Nützlingshotel eingenistet. Elfriede und Stefanie Wieland denken einen Standortwechsel an.

Vor 17 Jahren blickten die Niederösterreicher über die Thujenhecke - und entdeckten den Naturgarten.

ST. PÖLTEN (bt). Niederösterreich ist das Land der Naturgärten. Die "Garten Tulln" lockte heuer bereits 10.000 Besucher an. In St. Pölten Land gibt es acht Schaugärten, in der Stadt sind es zwei. Aber auch immer mehr private Gartenbesitzer entschließen sich auf Dünger und Torf zu verzichten. 14.000 Gärten haben niederösterreichweit eine Naturgarten-Auszeichnung, im Bezirk sind es 1.274. Wir haben einen davon besucht - und ein Paradies für Mensch, Pflanze und Tier entdeckt.

Arbeitsteilung ist ein Muss

Elfriede und Franz Wieland aus Karlstetten sind Natur im Garten-Gärtner der ersten Stunde. Ihr beinahe 1.000 Quadratmeter großes Reich hegen die Pensionisten mit Liebe und Leidenschaft. "Mich werden Sie hier kaum sitzen sehen", so Elfriede. "Ich kann dann wieder alles wegräumen", lacht Franz. "Das ist Arbeitsteilung", kontert seine Gattin.

Kulinarischer Streifzug

Ein Paradies ist der Garten auch für Enkelin und Naschkatze Stefanie. "Man kann praktisch immer etwas essen", so die 15-Jährige. Bei den Streifzügen gibt es Süßes wie Äpfel, Birnen, Marillen, Zwetschken, Kirschen, Erdbeeren, Weichseln, Weintrauben, und Stachelbeeren und Herzhaftes wie Tomaten, Paprika, Zucchini, Pastinaken, Broccoli, Kohlrabi und Kürbis zu holen. "Wir können das alles ja gar nicht essen." Deswegen werden auch Tiefkühltruhe und Vorratskammer gut bestückt und die Familie versorgt. "Ich mache auch einen Apfelessig. Das ist ein gutes Reinigungsmittel", schwört Franz Wieland.

"Kein Apfel ohne Wurm"

Auch die Tierwelt ist begeistert. Im Garten der Wielands fühlt sich nicht nur Hündin Alina wohl, sondern auch Eichhörnchen, Igel und Fledermäuse lassen sich häufig blicken. "Katzen kommen auch. Drei Amselnester haben wir heuer schon gerettet, aber zwei haben sie uns ausgeräumt", ist Franz Wieland verärgert. Für kleineres Getier hat das Ehepaar ein Nützlingshaus eingerichtet. "Aber da haperts noch."
Natürlich bringt so ein Naturgarten auch besondere Herausforderungen mit sich. So wie die Raupen des Buchsbaumzünslers, die die Buchsbäume der Wielands bedrohen. "Beim Natur im Garten-Telefon haben sie mir gesagt, die wird man nur mit einer Keule los." Auch Würmer im Obst gehören dazu.

Zur Sache:

Kernkriterien der Aktion Natur im Garten sind der Verzicht auf Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Torf. Außerdem müssen Naturgartenelemente wie etwa Wildsträucher und Laubbäume vorhanden sein. Zusätzliche sind etwa Nützlingsunterkünfte und Gemüsebeete ein Muss.
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