22.11.2017, 15:21 Uhr

FH St. Pölten: Projekt erhält den MTD-Innovationspreis 2017

Caterine Schwab (FH St. Pölten), Marianne Worisch (Rehabilitationszentrum Weißer Hof), Djordje Slijepčević, Anna Raberger (FH St. Pölten), Bernhard Dumphard (Universität Wien), Brian Horsak (FH St. Pölten), Arnold Baca (Universität Wien) (Foto: FH St. Pölten / Kerstin Blumenstein)
ST. PÖLTEN (red). Die Fachhochschule St. Pölten entwickelt im Projekt „IntelliGait“ Algorithmen zum automatisierten Erkennen von Mustern in Ganganalyse-Daten, um Physiotherapeuten die Arbeit zu erleichtern und die Therapie zu unterstützen. Vergangenen Freitag gewann das Projekt den ersten Platz beim MTD-Innovationspreis 2017 von MTD-Austria, dem Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste Österreichs.

Erkennung von möglichen Beeinträchtigung am Bewegungsapparat

Das Projekt IntelliGait entwickelt Mustererkennungsmethoden, die automatisiert Daten aus der Ganganalyse auswerten und nach möglichen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat klassifizieren. Eine Beurteilung erfolgt zwar immer durch Expertinnen und Experten, diese werden aber durch die vorhergehende automatische Analyse unterstützt.
So könnten Gangabweichungen früher erkannt oder der Ort des Problems am Bewegungsapparat, etwa Knie oder Hüfte, einfacher identifiziert werden. Zudem soll das System dabei unterstützen, sekundäre Probleme zu identifizieren, die oftmals leicht übersehen werden. Die Technik wäre auch in der Prävention einsetzbar, um Anzeichen für Schäden zu entdecken, bevor Menschen mit Beschwerden zu einem Arzt gehen.
„Es geht darum, Experten im medizinischen und therapeutischen Bereich zu unterstützen. Die Technik soll Fachkräfte und menschliche Erfahrung nicht ersetzen, aber deren Arbeit erleichtern und zusätzliche Erkenntnisse ermöglichen“, erklärt Anna-Maria Raberger, FH-Dozentin im Studiengang Physiotherapie der FH St. Pölten.

Muster erkennen durch maschinelles Lernen

„Zum Klassifizieren der Daten nutzen wir sogenannte maschinelle Lernmethoden, oft auch als ‚künstliche Intelligenz‘ bezeichnet. Im Prinzip sind das ähnliche Methoden, die in Smartphones zur Gesichtserkennung verwendet werden. Hier suchen wir aber nach Mustern und Abweichungen in Gangbildern“, sagt Sportwissenschaftler Brian Horsak, FH-Dozent im Studiengang Physiotherapie der FH St. Pölten und Leiter des Projekts IntelliGait.
Für die Analyse der Daten entwickelt das Institut für Creative\Media/Technologies (IC\M/T) der FH St. Pölten Verfahren der Mustererkennung, der Datenvisualisierung und des maschinellen Lernens. Bei großen Datenmengen fällt die Analyse und Interpretation der Daten oft schwer. Doch mit den richtigen Ansätzen lassen sich Informationen entdecken, die darin versteckt sind.
„Durch maschinelles Lernen können wir Muster in den Signalverläufen identifizieren, welche für verschiedene Gangprobleme charakteristisch sind. Da diese Muster rein objektiv auf statistischer Basis ermittelt werden, sind sie oft komplementär zu bisher bekannten Merkmalen und können so zu neuen Einsichten führen und einen Erkenntnisgewinn direkt aus den Daten heraus generieren“, erklärt Matthias Zeppelzauer, Senior Researcher am IC\M/T.

Erfolgreiche Forschung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

„Die FH St. Pölten hat in den letzten Jahren innovative Forschung an der Schnittstelle von Gesundheit, Sozialem und Technik aufgebaut. Der MTD-Innovationspreis bestätigt die Qualität der Arbeiten und zeigt, dass unsere Forscherinnen und Forscher am richtigen Weg sind“, sagt Jürgen Pripfl, Leiter des Departments Gesundheit und des Instituts für Gesundheitswissenschaften der FH St. Pölten.
Beim MTD-Innovationpreis wurde vor zwei Jahren bereits ein anders Projekt der FH St. Pölten mit dem zweiten Platz ausgezeichnet: das Projekt SONIGait, das intelligente Schuhsohlen entwickelt, die Fehlbelastungen beim Gehen hörbar machen und in der Rehabilitation unterstützen könnten.

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