12.10.2017, 14:33 Uhr

„Neffentrick“-Betrügerin verurteilt

Die Neffentrick-Betrügerin (Foto: Probst)
ST. PÖLTEN (ip). Zu einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe von 21 Monaten, davon 14 bedingt, verurteilte der St. Pöltner Richter Slawomir Wiaderek eine 41-jährige Ungarin, der Staatsanwalt Karl Fischer vorwarf, mit dem sogenannten „Neffentrick“ zwei 85-jährige Frauen aus St. Pölten und Oberradlberg um Geld und Schmuck gebracht zu haben.
Sie habe über die Hintergründe nichts gewusst, erklärte die Beschuldigte, die in einer Apartmentwohnanlage in St. Pölten lebte und dort den Auftrag erhalten habe, von den Opfern Geld bzw. Schmuck zu holen.

10.000 Euro übergeben

Laut Strafantrag sei der Kopf der kriminellen Vereinigung ein in Deutschland derzeit inhaftierter Valentino W., auf den in Österreich diesbezüglich noch ein Strafverfahren wartet. Der 29-Jährige soll über besondere Sprach- und Sprechfertigkeiten verfügen, mit denen es ihm gelungen sei, den Frauen, die er aufgrund ihres Namens als betagt vermutete, familiäre Beziehungen vorzugaukeln, um ihnen Geld herauszulocken.
Am 18. November 2015 soll er die St. Pöltner Pensionistin angerufen und sich als der geschiedene Mann ihrer Nichte vorgestellt haben. Um eine Anzahlung nicht zu verlieren benötige er 25.000 Euro, die er innerhalb von zwei Tagen zurückzahlen werde, so der Anrufer, der auch behauptete, eine Rechtsanwältin käme das Geld abholen. Das Opfer konnte nur 10.000 Euro flüssig machen, die es der Angeklagten auf offener Straße übergab.
Bei der Pensionistin in Oberradlberg läutete am 3. Dezember 2015 das Telefon. Ein Verwandter aus Deutschland namens „Günther“ brauchte dringend Geld zum Kauf einer Wohnung in Wien. Die Frau half mit 150 Euro und Schmuck aus der „Notlage“, die sie der Ungarin übergab.
Zu den Vorwürfen per Videokonferenz befragt und auf sein Verweigerungsrecht aufmerksam gemacht, erklärte der 29-Jährige: „Ich habe mit dieser Frau (Anm. der Angeklagten)nichts zu tun, ich habe mit dieser Frau schon gar keine Straftaten begangen!“ Auf die Behauptung des Richters, dass er mit ihr in St. Pölten gesehen wurde, folgte Schweigen, schließlich gab er an, dass er auf seiner Flucht auch in Österreich gewesen sei, da seine Frau in St. Pölten wohnte. Bekannt sei ihm auch der in diesem Zusammenhang gesuchte Robert O., mit dessen Frau er drei Jahre ein Verhältnis gehabt habe.
„Ich kenne diese Person auch nicht“, behauptete die Ungarin, nachdem sie W. in der Videokonferenz gesehen hatte. Wiaderek bezweifelte diese Aussage ebenso, wie ihre subjektive Verantwortung, nichts vom „Neffentrick“ gewusst zu haben. „Das ist lebensfremd. Ich bin sicher, Sie waren eingeweiht und haben auch einen Betrag erhalten“, begründete der Richter seinen Schuldspruch.

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