60 Jahre Gefängnis ohne Gitter

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Rottenstein ist nicht nur ein Ortsteil der Gemeinde St. Georgen - dort befindet sich seit genau 60 Jahren eine Außenstelle der Justizanstalt Klagenfurt.

ST. GEORGEN. Wenn man das gepflegte Anwesen Rottenstein in der Gemeinde St. Georgen betritt, hält man es erst gar nicht für möglich, dass es sich dabei um ein Gefängnis handelt. Eher hat man das Gefühl, zu Gast auf einem florierenden Bauernhof zu sein. Bis zu 45 Leute kümmern sich um Kühe, Schweine und Brillenschafe, sie setzen Salat oder ernten Tomaten. Doch diese Leute sind keine Saisonarbeiter, sie sind Gefangene, die hier ihre Strafe verbüßen - weit weg von hohen Mauern und strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Seit genau 60 Jahren werden Gefangene in Rottenstein untergebracht. "1953 waren 70 Gefangene in Rottenstein - und nur vier Justizwachebeamte", erzählt Peter Bevc, der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt. Die Grundidee war bereits damals die selbe wie heute, erklärt Bevc: "Man hat schon damals gesehen, dass es keinen Sinn macht, Kleinkriminelle mit Schwerverbrechern zusammenzusperren." Davon abgesehen hat sich einiges geändert: Das zu bewirtschaftende Grundstück ist etwas kleiner geworden, auch die Zahl der Insassen hat sich verringert. Mit den Produkten aus Rottenstein wird die Gefängnisküche in der Justizanstalt Klagenfurt versorgt.
Die letzten Neuerungen war die Installation einer Hackschnitzelheizung und einer Solaranlage. Neben den landwirtschaftlichen Tätigkeiten übernehmen die Gefangenen auch andere Dienstleistungen oder helfen bei Bauern in der Nachbarschaft bei der Ernte.

Nicht nur dieser Kontakt mit der Umgebung hat dazu beigetragen, dass die Außenstelle Rottenstein heute nicht mehr aus der Gemeinde St. Georgen wegzudenken ist. "Die Leute sind mit dem Projekt Rottenstein gewachsen. Wenn es auch nur angedeutet wird, dass Rottenstein geschlossen werden könnte, gibt es Proteste", sagt Bevc, der sich sicher ist: "Wenn wir heute eine Außenstelle eröffnen würden, dann gäbe es eher Proteste als Verständnis."

Bei minimalen Sicherheitsverkehrungen untergebracht sein, einer geregelten Arbeit nachgehen, regelmäßige Verpflegung bekommen: Gibt es auch Kritik an dem gelockerten Strafvollzug? Bevc kennt das Thema nur zu gut. "Es gibt irrsinnige Spannungen bei diesem Thema. Die einen wollen härtere Strafen, die anderen sind dafür, dass die Häftlinge besser auf das Leben nach dem Gefängnis vorbereitet werden. Allen kann man es sowieso nicht recht machen. Aber ich bin eindeutig auf der Seite, dass man sich mit den Gefangenen beschäftigen muss: Therapeutische Angebote, Kunst oder Bildung können hier die Zugänge sein. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir den Gefangenen in dieser Hinsicht mehr bieten können."

Und noch etwas schwebt Bevc für die kommenden Jahre vor: Er ist gerade dabei, ein Projekt zu entwickeln, bei dem die Gefangenen aus Einwegpaletten einfache Möbel herstellen, die ganz einfach zu Hackschnitzeln verarbeitet werden können, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

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