Adi Peichl: "Ich bin wohl selbst mein größter Kritiker"

Der Friesacher Adi Peichl im Gespräch
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WOCHE: Wie lang waren Sie bei den Burghofspielen? 
ADI PEICHL: Bei den Burghofspielen war ich 20 Jahre. 1997 habe ich angefangen. Mit den Herbststücken und Märchen habe ich insgesamt 40 Produktionen gemacht.

Warum hören Sie auf?
Das ist immer so eine Frage. Ich bin ja immerhin doch schon etwas älter. Aber es sind mehrere Faktoren: Es ist das Alter, die Gesundheit, die Möglichkeit noch etwas von meiner Pension zu haben. Ich weiß aber auch nicht, ob ich nächstes Jahr zu Hause sitze und mir nicht denke „Verdammt, wann kann ich wieder was inszenieren?“. Ich weiß es nicht, ich bin einfach ein Theaternarr. Ich möchte es einfach mal probieren.

Wissen Sie, wer Ihr Nachfolger wird?
Ja, ich weiß es, aber Näheres werden die Burghofspiele dann selber bekannt geben.

Haben Sie ein Lieblingstheaterstück?
Nein. Es gibt nicht eines, wo ich sage, das ist es. Es gibt viele Stücke, die ich liebe, die ich gerne spiele oder inszeniere, aber ich würde keines über die anderen Stücke stellen. Es hat jedes etwas Besonderes. Es gibt Stücke, die ich nicht mag, die ich aber auch schon gespielt habe, oder Stücke, die mir nicht so gelegen sind. Ich war immer der Komiker, zwar habe ich auch Tyrannen gespielt, aber das war nicht meins, das ist mir nicht gelegen. Ich habe es schauspielerisch zusammengebracht, bin aber nicht total dahinter gestanden.

Sie haben bei vielen Theatergruppen mitgewirkt. Wie viele waren es insgesamt?
Jetzt ganz am Schluss hab ich nur bei den Burghofspielen inszeniert. Ich war auch bei Keck & Co und habe damals "Jedermann" mit ihnen modernisiert. Viele Theatergruppen habe ich auch mitbegründet, in Orten, wo es kein Theater gab, wie Arnoldstein oder Krumpendorf. Ich habe im Theater wirklich viel geschaffen und gemacht – das sag ich jetzt, ohne dass ich eingebildet wirken möchte. Insgesamt werden es zwischen 15 und 20 Gruppen in Kärnten sein, die ich betreut habe oder wo ich bei Inszenierungen mitgeholfen habe.

Wird dies ein Ruhe- oder ein Unruhestand für Sie?
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Früher hab ich 20 Jahre lang keinen Urlaub gemacht, als ich ein bisschen Zeit gehabt habe, dachte ich mir, ich werde mich jetzt entspannen. Doch dann merkte ich, dass ich ein Unruhegeist bin. Jedoch gelingt es mir im zunehmenden Alter, mich zu entspannen. Aber ob ich es ohne Theater aushalte, wird sich erst in einem Jahr zeigen.

 Was machen Sie lieber, Theaterspielen, Schauspielen oder Regie- Tätigkeiten?
Das kann ich nicht sagen. Es kommt natürlich auf das Stück und auf die Rollen an. Es gibt Stücke die man gern spielt, aber nicht gern inszeniert. Und umgekehrt. Es ist alles mit viel Arbeit verbunden und wenn man sich bemüht. Aber ich kann nicht sagen, dieses Stück würde ich lieber inszenieren als spielen. Man muss ein Stück gut kennen um eine große Rolle zu spielen oder es inszenieren zu wollen.

Werden Sie die Burghofspiele weiter besuchen?
Sicher, klar. Sie wissen auch, dass sie mich jederzeit um Hilfe bitten können. Ich gebe ihnen gern Tipps, wenn sie welche brauchen. Auch war der neue Regisseur schon bei mir und er kann auch gerne bei Problemen jederzeit zu mir kommen, das ist überhaupt kein Thema. Es hat sich schließlich in den letzten  20 Jahren eine Freundschaft aufgebaut.

Sie haben auch Erfahrung in Film und Fernsehen. Was sagen Sie zum heutigen Fernsehen und gibt es eine Lieblingsserie von Ihnen?
Nunja ich schaue keine Serien. Ich liebe Fernsehstücke mit einer Art " Augenzwinker" und Charme. Zwar war das Schloss am Wörthersee keine Hochkultur, jedoch hatte es Charme. Es zeige schöne Landschaften und schöne Geschichten, es war einfach gesagt "liab". Heute sind manche Serien unruhig und mit einem schnellen Schnitten, das mag ich nicht so. Jedoch gefallen mir Filme die nett sind wie „Chocolate“ oder „Willkommen bei den Sch'tis“. Es wird bei diesen Filmen die Geschichte einfach mit Charme vermittelt. 

Die Rolle des "Malec" ist wohl die Rolle, die viele kennen. Würden Sie sagen, das ist die Rolle, die Sie bekannt gemacht hat?
Ja, das war ganz sicher der "Malec", er war der Auslöser. Es war wirklich ein Hype. Wir hatten ja bis zu 12 Millionen Zuschauer pro Folge.

Können Sie sich Filme mit Ihnen anschauen?

Ab und zu. Aber ich habe eher Schwierigkeiten damit. Ich schaue mir meine Szene an und denke mir nur, dass die eine Bewegung falsch war, oder was ich ändern würde. So ist das auch bei meinen Inszenierungen. Aber manche Szenen sehe ich gern und denke mir, das hast du gut hinbekommen. Ich bin wohl selbst mein größter Kritiker.

Sie waren und sind sehr populär, wie geht man damit um?
Ich habe kein Problem damit, man muss auch damit rechnen, dass es Fans gibt und das ist sehr schön. Auch gab es Leute, die extra angereist sind, um mein Haus zu sehen. Die waren überrascht, als ich sie dann auf einen Kaffee eingeladen habe. Ich nehme mir die Zeit für die Fans. Ebenso waren damals Leute beim Set vor dem Schloss am Wörthersee, nur um mit uns Fotos machen. Es war eine schöne Zeit. Ich durfte auch mit vielen Hollywood-Stars zusammenarbeiten und bin glücklich, dass ich diese Möglichkeit hatte.

Haben Sie Tipps für Nachwuchsschauspieler?
Naja einen generellen Tipp kann man nicht geben, weil jeder anders ist, aber wenn jemand wirklich dafür brennt, sollte er sich einen Profi suchen der mit ihm arbeitet, damit er ihn sagen kann ob er Talent hat oder nicht. Viele glauben einfach nur das es Hollywoodgagen sind und mit einer Rolle ist man Millionär aber das gibt es bei uns in Österreich oder Deutschland nicht. Aber man muss viel Glück haben um in die gut bezahlten Schauspielkreise zu kommen.

Sie haben in den letzten Jahren sehr viel geschafft. Was sagen Sie rückblickend dazu?
Ich bin stolz auf alles, was ich erreicht habe. In Kärnten glaube ich, gibt es niemanden der so viel fürs Theater gemacht hat oder mit so viel Gruppen gearbeitet hat. Ich habe ja weit über 100 Inszenierungen erarbeitet. Aber nur zu inszenieren ist nicht das, worauf man stolz sein muss. Ich habe in all den Jahren irrsinnig viel erreicht und habe Zuschauerzahlen gebrochen. Ich habe in Kärnten zum Teil 20.000 Zuschauer gehabt und das in einem Jahr. Ich sagte schon, ich bin nicht jemand, der sich selbst lobt, aber auf manche Sachen bin ich stolz, dass ich sie geschafft habe.

Zur Person
Adi Peichl ist gelernter Schriftsetzer. 1980 begann seine Theaterkarriere im Stadttheater Baden. Es folgten Theaterrollen unter anderem in Klagenfurt, Röttingen oder der Volksoper in Wien. Bekannt wurde Peichl durch die Rolle des „Malec“ in der Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“. Peichl ist seit 35 Jahren mit Claudia verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder: Astrid (32 Jahre) und Adi (29 Jahre).

Auszeichnungen
Für seine Tätigkeiten erhielt Peichl mehrere Auszeichnungen, unter anderem das große goldene Ehrenzeichen des Landes Kärnten, den Ehrenring der Friesacher Burghofspiele sowie das goldene Ehrenzeichen für Verdienste der Republik Österreich.

Interview: Verena Grimschitz

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