"Corona-Generation"
Direktoren und Maturanten über die Matura 2021

Johanna Maria Laßnig, stellvertretende BMHS-Landesschulsprecherin.
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„Corona-Generation“, „geschenkte Matura“ und Co. – was Direktoren und Maturanten derzeit so an Floskeln um die Ohren fliegt, unter welchen Kriterien die Zentralmatura im Jahr 2021 ablaufen wird und welche Faktoren zusätzlich beeinflussen. Direktoren und Maturanten erzählen jeweils ihre Sicht.

BEZIRK ST. VEIT. „Es ist klar, dass diese Zentralmatura sich von anderen Jahrgängen unterscheidet. Ich muss in diesem Zusammenhang dennoch eine Lanze für die Schüler und auch Lehrer brechen, dafür, dass sie trotz dreier Lockdowns und Schichtbetriebe das Niveau so gut halten konnten und es keine gravierenden Rückstände gibt“, gibt sich Manuel Pichler, Direktor des BG St. Veit, zufrieden. „Die Vorgaben zur Matura sind ja rechtlich geregelt, auf Wunsch der Schüler ist das Streichen von Teilprüfungen möglich. So kann bei der ersten Säule, der Vorwissenschaftlichen Arbeit, auf die Präsentation und Diskussion verzichtet werden, bei der zweiten Säule ist bei vier gewählten schriftlichen Klausuren der Verzicht auf eine schriftliche Klausur möglich, auf mündliche Teilprüfungen kann, in Teilen oder zur Gänze, verzichtet werden“, erklärt Pichler und fügt hinzu: „Die größten Hürden sind genommen.“

Fähigkeiten fürs Leben

„Dass in Zeiten wie diesen entsprechende Regelungen getroffen werden müssen, ist nachvollziehbar und verständlich, auch wenn nicht immer alle Beteiligten damit glücklich sind”, schildert Patrick Trattler, Bereichsleiter des BORG Althofen. Die eben genannten Maßnahmen nehmen von den Schülern ein wenig Druck in Zeiten eines von Corona geprägten Schuljahres. „Wir haben am BORG Althofen in diesem Schuljahr eine digitale Transformation erlebt.“ Natürlich stellt diese Situation auch das BORG vor noch nie dagewesene Probleme: „Lernstoffrückstände müssen nach Möglichkeit aufgeholt werden, das Arbeitspensum des Lehrpersonals hat sich aufgrund des Schichtbetriebs vervielfacht, der Erwartungsdruck der Schüler steigt und ein gut strukturierter, normaler Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen. Die Maturanten haben andere Herausforderungen zu bewältigen als ihre Vorgänger in einem normalen Schuljahr. Die Einschränkungen hinsichtlich sozialer Interaktion sind hierbei eine zusätzliche Belastung. Die damit verbundenen Kenntnisse und Erfahrungen werden, bei erfolgreich absolvierter Matura, für unsere Absolventen aber auch ein positiver Mehrwert für künftige Herausforderungen in Zeiten wie diesen sein.“

Geschenkte Matura?

Schulleiter der HAK Althofen, Hannes Scherzer, blickt optimistisch auf heurige Matura: “Nachdem uns das Schuljahr 2019/20 vor neue Herausforderungen gestellt hat, die wir mit Flexibilität und Zusammenarbeit gut meistern konnten, bin ich auch für die heurige Matura sehr zuversichtlich“, so Scherzer und erklärt weiter: „Die Matura wurde wieder um drei Wochen verschoben und die Arbeitszeit bei den schriftlichen Prüfungen wurde um 60 Minuten verlängert. Die mündlichen Prüfungen und die Präsentationen der Diplomarbeiten müssen nicht absolviert werden. Für die Benotung der Matura sind auch heuer die Leistungen der Prüfungen und die Zeugnisnote der Abschlussklasse zu gleichen Teilen zu berücksichtigen. Ergibt sich dabei keine eindeutige ganzzahlige Beurteilungsstufe, so ist der schriftlichen Klausur das größere Gewicht zuzumessen.“ Beim Lehrstoff konnten größere Defizite vermieden werden: „Da sowohl Lehrer als auch Schüler bei der neuen Unterrichtssituation bereits eine gewisse Routine haben. Alle Klassen an der HAK Althofen sind mit Videokonferenzsystemen am neuesten Stand der Technik ausgestattet - einige Lehrer haben auch einen eigenen Youtube-Kanal“, informiert er. Scherzer beschreibt die Situation als herausfordernd, betont aber die gute Grundstimmung: „Nach all den Jahren, die man im Schulsystem verbringt, sollte am Ende ein würdiger Abschluss stehen. Die Schüler wollen die Matura nicht geschenkt bekommen, im Gegenteil. Sie wollen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Und sie haben bewiesen, dass sie in kürzester Zeit sehr viel schaffen können. Ich bin überzeugt davon, dass sich die Maturanten für ihr weiteres Leben wichtige Fähigkeiten aneignen konnten und mit Zuversicht bei der Matura antreten werden.“

Definitiv keine „Generation Corona“

Schulleiterin der HLW St. Veit, Gerlinde Zergoi-Wagner: „Aus meiner Sicht und auch aus der Sicht meiner Kollegen gibt es keine nennenswerten Rückstände im Lernstoff – wir waren von Anfang an sehr gut auf das Distance Learning vorbereitet, da wir uns schon in den Jahren zuvor intensiv mit neuen elektronischen Lehr- und Lernmethoden beschäftigt hatten. Wir alle haben mehr gelernt als in den Jahren zuvor: zusätzlich zum Schulstoff wurden die Selbstorganisation, die Flexibilität und das selbstgesteuerte Lernen verlangt und praktisch angewandt – Fähigkeiten, die jeder Dienstgeber erwartet.“ Der Ablauf entspricht ziemlich genau dem Ablauf der Matura 2020 – der einzige Unterschied ist, dass bei den schriftlichen Arbeiten mindestens 30 Prozent der Punkte erreicht werden müssen, damit eine positive Note gegeben wird. „Das verhindert, dass leere Arbeiten bei der Matura abgegeben werden – was bei uns aber auch im letzten Jahr nicht passiert ist, da unseren Schülern gute Noten wichtig sind.“ Die größten Herausforderungen seien die gezielte Vorbereitung der Schüler im Schichtbetrieb, erklärt sie und fügt einen wichtigen Faktor hinzu: „Außerdem muss gesehen werden, dass von ihnen volle Leistung gefordert wird, es fehlen ihnen aber die positiven und freudigen Erfahrungen der Matura – der Maturaball, das unglaubliche Gefühl zu wissen, dass man es geschafft hat und jetzt ein Sommer voller Spaß und Freiheit wartet - und die Maturareise wird auch nicht möglich sein. Ich bin voller Anerkennung für die Maturanten des Jahrganges 2020 und 2021 – sie leisten auf höchstem Niveau und sind ganz bestimmt keine Generation Corona. Und wenn sie es sind, muss diese Bezeichnung eine Auszeichnung sein“, betont sie.

Maturanten erklären ihre Sicht der Dinge:

Selina Madrian, BORG Althofen

„Unsere Lehrpersonen an der Schule versuchen mit zusätzlichen Förderkursen, ob in Präsenz oder digital, uns gut auf die bevorstehende Matura vorzubereiten und geben uns das Gefühl, nicht alleine zu sein. Alle sind wirklich sehr bemüht und man merkt, dass der Zusammenhalt an unserer Schule großgeschrieben wird“, bekräftigt sie.

Martin Gregor, Agrar-HAK

"Ich persönlich würde nicht sagen, dass es bezüglich des Lehrstoffes gravierende Rückstände gibt. Wir haben zwar einen Teil des Stoffs nur im Distance Learning erarbeiten können und deshalb war es auch sicherlich nicht möglich, diesen zu verfestigen, aber im Prinzip haben wir zumindest in den Hauptgegenständen, die auch für die Matura essentiell sind, den Stoff zumindest einmal durchgemacht. Grundsätzlich ist uns das Bildungsministerium mit diesen Regelungen schon sehr entgegengekommen, sodass jeder, der sich im Laufe des Jahres halbwegs bemüht hat, normalerweise auch die Matura schaffen müsste. Für Schüler, die sich auch ohne die Corona-Pandemie schon schwergetan haben, ist diese Krise aber natürlich ein großer Nachteil und es wird für sie sicher schwieriger werden, die Matura zu bestehen, als es in einem regulären Jahr wäre."

Felix Schöffmann, Business-HAK

"Wie auch im letzten Jahr ist die schriftliche Reifeprüfung an die Pandemie-Situation angepasst worden, doch leider mit einem negativen Beigeschmack, da durch die Erleichterungen die Matura an Wertigkeit in der Gesellschaft verloren hat. Nichtsdestotrotz soll man nicht vergessen, dass es eine anstrengende und schwierige Zeit für die Schüler gewesen ist und ich glaube, wir sind alle froh, wenn die Schulen wieder regulär öffnen dürfen."

HLW St. Veit, Schülerin des 5. Jahrganges (Maturaklasse)

"Meiner Meinung nach liegen bezüglich des Lernstoffes keine Rückstände vor, da unsere Schule sehr gut mit der neuen Lernsituation umgegangen ist. Ich bin sehr erleichtert, dass die mündliche Matura in diesem Jahr freiwillig ist, es wurde dadurch eine große Last von unseren Schultern genommen. Es ist jedoch schade, dass viele andere behaupten es ist unfair oder wir hätten unsere Matura „geschenkt“ bekommen. Niemand hat wirklich eine Ahnung, wie es uns Schülern wirklich in dieser schweren Zeit geht und wie groß die Anforderungen in diesem Jahr wirklich waren. Wir haben unsere Leistung erbracht und hart dafür gearbeitet."

Johanna Maria Laßnig, stv. BMHS Landesschulsprecherin

"Die heurige Matura ist definitiv eine große Herausforderung für alle Maturanten. Natürlich war das Distance Learnig eine Alternative, die in vielen Fällen gut funktioniert hat, aber leider sind die für die Matura essentiellen Übungsstunden aufgrund Zeitmangels ausgefallen. In vielen Schulen wird noch Stoff für die Matura erarbeitet, anstatt geübt und gefestigt und das stellt sowohl für Schüler, die sich allgemein schwer in der Schule tun, aber auch „Einser-Kandidaten“ eine große Herausforderung dar. Auch die Ungewissheit, die dieses Schuljahr geprägt hat, stellt die Schüler neben sozialen und privaten coronabedingten Problemen auf die Probe. Doch die Freiwilligkeit der Mündlichen Matura ist ein wichtiger und erleichternder Schritt für uns Maturanten."

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