In Gurk wird gegen Rassismus gekämpft

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74 junge Menschen aus zehn Nationen waren in der Vorwoche in Gurk zu Gast. Ein Lokalaugenschein.

Nur selten fällt der Blick der Tänzer im Stift Gurk aus dem Fenster. Dorthin, wo das Denkmal für Jörg Haider steht. Zu spannend ist der Unterricht von Tony Lardge. Der Choreograph hat seine Schüler bestens im Griff. Er hat Dreadlocks, trägt sportliche Kleidung, spricht abwechselnd deutsch und englisch - und er ist schwarz. Allein das letzte Merkmal reichte unzählige Male für Anfeindungen.

Irgendwann reichte es ihm. Gemeinsam mit Markus Jastraunig fasste er den Entschluss, ein Konzept zu entwickeln und so seinen Beitrag für eine Welt ohne Rassismus zu leisten. Das Ergebnis konnte man vorige Woche erleben. 74 Jugendliche aus Kroatien, Polen, Lettland, Spanien, Rumänien, Italien, Griechenland, der Türkei, Bulgarien und Österreich waren von 23. bis 31. März in Gurk zu Gast. "Art Builds Bridges that Bind" (Kunst baut Brücken, die verbinden) lautete das Motto.

"Kein Mensch kommt auf die Welt und ist rassistisch. Rassismus wird anerzogen", erklärt Jastraunig. Das genaue Gegenteil will er mit dem Jugendaustausch schaffen: Den Blick über den Tellerrand. Gemeinsamkeiten sollen hervorgehoben, neue Freunde gefunden werden. Während er spricht, wird er immer wieder unterbrochen: Vom Applaus für einen jungen Breakdancer, der seine Kunststücke aufführt. Angefeuert wird er in zehn verschiedenen Sprachen. Jastraunig sieht sehr zufrieden aus.

Neben den Tanz-Workshops gehen in Gurk auch Vorträge über die Bühne - allesamt zu Themen wie Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Einer davon trägt den Titel "White Privilege" - es geht darin um die Hautfarbe als Statusanzeiger. "Wie kann man nur stolz darauf sein, weiß zu sein. Dafür hat man doch nichts geleistet!", regt sich Jastraunig auf. Das Überlegenheitsdenken müsse abgeschafft werden - und am einfachsten funktioniere das eben mit Kunst. "Tanz und Gesang sind globale Kommunikationsmittel. Überall auf der Welt wird gesungen und getanzt - für uns die perfekte Art, uns auszutauschen", sagt Jastraunig. Dieser Austausch beginnt idealerweise in der Jugend - und zumindest bei 74 jungen Menschen aus ganz Europa wurde dieser Grundstein nicht nur gelegt, sondern auch gefestigt.

Zitate

"Rassismus ist natürlich ein großes Problem, auch in Italien. Wir müssen dem entgegenwirken - am besten schon vorbeugend. Dazu eignet sich dieser Jugendaustausch perfekt." Emanuele de Sanctis, 20, Italien

"Ich bin über Facebook auf dieses Programm gestoßen und finde die Idee, gemeinsam mit Leuten aus anderen Ländern zu singen und zu tanzen richtig gut. Auf andere Kulturen zuzugehen und sich auszutauschen ist meiner Meinung nach das wichtigste." Luka Musanovic, 25, Kroatien

"Mir macht es großen Spaß, Leute aus anderen Ländern kennenzulernen. Rassismus ist ein großes Problem und ich denke, jeder, der viele Leute aus anderen Ländern kennt, wird auch erkennen, dass nicht schlimm ist, wenn jemand anders aussieht oder eine andere Sprache spricht." Chenxiao Hu Wu, 20 Spanien

Autor:

Peter Lindner aus Klagenfurt

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