Klaus Köchl: "Ich bin noch immer schockiert"

Der Liebenfelser Bürgermeister Klaus Köchl im Interview
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LIEBENFELS. Eine zwölf Kilometer lange Fernwärme-Leitung wird von Liebenfels nach Klagenfurt verlegt. Sie soll etwa ein Drittel der Klagenfurter Haushalte mit Wärme beliefern. Über Monate kämpften Bürger gegen das Heizwerk, bei einer Bürgerversammlung gingen die Wogen hoch. Mittlerweile wird das Biomasseheizwerk gebaut: Derzeit erfolgt der Abriss von einem Teil des alten Werkes. Bürgermeister Klaus Köchl – beim WOCHE-Interview hoch emotionalisiert – ist nach wie vor vom Vorgehen bei der Bürgerversammlung enttäuscht.

WOCHE: Wussten Sie von der Versammlung?

KLAUS KÖCHL: Das Kulturhaus war für private Zwecke reserviert. Ich habe mitbekommen, dass die Bürgerinitiative Unterschriften gegen das Fernheizwerk sammelt.

Die Versammlung, zu der die Bürgerinitiative lud, muss Sie tief getroffen haben?
Ich dachte zuerst, dass es sehr erfreulich ist, wenn so viele Menschen zur Info-Veranstaltung kommen. Ich ging mit der Erwartung hin, als Bürgermeister meine Standpunkte zu erläutern. Dann das Erwachen vor Ort: Die Betreiber ließ man gar nicht in den Saal. Es gab keine demokratische Diskussion, sondern Beschimpfungen – ich wurde sogar angespuckt. Mich hat die Situation tief getroffen. Ich hätte bis dato nicht gedacht, dass ein derartige Hinrichtung aller Gemeindevertreter möglich gewesen wäre und dass man so ein Hetze starten kann. Ich bin darüber noch immer schockiert.

Ziehen Sie daraus Konsequenzen?
Ja. In Zukunft wird der Gemeinderat achtsamer sein und vorab eingreifen, wenn Falsch-Informationen kursieren. Ich bin dennoch nach wie vor enttäuscht über das Vorgehen mancher Bürger.

Haben Sie persönlich Fehler gemacht?
Die Gemeinde musste laut Kärntner Bauverordnung in diesem Fall drei Anrainer zur Bauverhandlung einladen. Diese hatten keine Einwände. Durch die Größe des Biomasseheizwerkes haben wir auch 30 unmittelbare Anrainer zu Info-Veranstaltung mit den Betreibern geladen. Ich hätte gleich eine große Veranstaltung organisieren sollen, aber es ging im Vorfeld alles so reibungslos über die Bühne.

Hätte die Gemeinde überhaupt das Projekt verhindern können?
Wenn die Betreiber Pläne einreichen, die der Kärntner Bauordnung entsprechen, nein. Es ist ein bestehendes Werk, bei dem um Sanierung und Erweiterung angesucht wurde. Ich habe mit allen Parteien im Vorfeld sehr konstruktive Gespräche geführt. Das Fernwärmeheizwerk in Liebenfels besteht seit 15 Jahren und entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Es gab teilweise Störfälle mit erhöhtem Schadstoffausstoß. Durch die Sanierung wird sich der Schadstoffausstoß nun wesentlich verringern. Uns ist es zudem gelungen, toll zu verhandeln.

Dass heißt?
Die Ortschaften Liebenfels, Zweikirchen und Radelsdorf dürfen sich an das Fernwärmenetz anschließen. Die nächsten 15 Jahre ist die Versorgung mit Fernwärme zu einen vernünftigen Preis gesichert. Außerdem werden zwei Arbeitsplätze geschaffen.

Angenommen, das Fernheizwerk würde nicht saniert, sondern geschlossen werden?
Alle angeschlossenen Objekte, darunter öffentliche Gebäude wie Schulen und Kindergärten, müssten eigene Heizanlagen installieren. Ein Drittel der Liebenfelser müssten auf Alternativen wie Öl zurückgreifen.

Gibt es für die Gemeinde einen wirtschaftlichen Nutzen?
Mit den Betreibern wird über ein Pelletswerk verhandelt, das 15 Arbeitsplätze bringen könnte. Außerdem wird eine für Liebenfels wichtige Infrastruktur geschaffen: Wir sind dann mit Klagenfurt verbunden. Zudem erfolgt gleichzeitig der Breitband-Ausbau.

Wie viele Unterschriften hat die Bürgerinitiative nun gesammelt?
Es heißt 600. Aber am Gemeindeamt hat noch niemand eine Unterschriftenliste gesehen. Wir hätten die Liste aber gern.

Warum?
Weil immer mehr Bürger auf das Gemeindeamt kommen und sagen, sie wollen von der Liste gestrichen werden, dass sie vorab falsch informiert wurden. Es wurde ja auch mit Ängsten gespielt. Eine Mutter kam mit ihrem Kind besorgt aufs Amt und wollte wissen, ob die Gemeinde nun ein Lungenröntgen organisiert.

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