Glaubensfrage
Sabine Schmoly: "Ans Kreuz mit den Menschenrechten"

Sabine Schmoly ist evangelische Pfarrerin in St. Veit
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  • hochgeladen von Stefan Plieschnig

Sabine Schmoly, evangelische Pfarrerin in St. Veit schildert ihre Gedanken zur neuen Karfreitags-Regelung in ihrer Kolumne "Glaubensfrage" in der WOCHE St. Veit.

Jetzt ist es also wirklich passiert: Der Karfreitag wird zu einem halben Feiertag für alle. Damit wird niemandem etwas genommen, hören wir immer wieder beteuern, lediglich allen Österreichern und Österreicherinnen ein halber Feiertag geschenkt. Alle haben nun Freitagnachmittag frei – außer jene, die arbeiten müssen. Das hört sich ein wenig nach einer besonders originellen Nummer der St. Veiter Faschingsgilde an, doch leider ist diese kreative Problemlösung bittere Realität.

Niemandem wird etwas genommen: Außer 300.000 Evangelischen ihr höchster und wichtigster Feiertag. Zwar kann ich das Anliegen grundsätzlich verstehen, dass eine Gleichberechtigung zwischen Evangelischen und Andersgläubigen hergestellt werden müsse. Doch wird dabei immer vergessen zu erwähnen, warum es diese Bevorzugung der Protestanten eigentlich gibt. Die Karfreitagsregelung wurde vor gut 50 Jahren im Parlament eingeführt als kleine Wiedergutmachung für eine jahrhundertelange Verfolgung unter den Habsburgern, die zahllose Österreicher und Österreicherinnen ihre Heimat oder gar ihr Leben gekostet hat, aus dem einzigen Grund, dass ihr Glaube nicht dem der Mehrheit entsprach. Die Diskriminierung der Evangelischen Minderheit endete erst 1861 mit dem Protestantengesetz, das den Evangelischen freie Religionsausübung garantierte.

Bis jetzt! Denn genau das ist uns nun wieder abgesprochen worden. Es wird niemandem etwas genommen: Außer ca. 1.200 Menschen (Schüler und Pensionisten nicht mitgezählt) allein in der St. Veiter Pfarrgemeinde die Möglichkeit, einen der traditionellen Karfreitags-Gottesdienste zu besuchen um gemeinsam daran zu denken, dass am Karfreitag niemand geringerer als unser Gott selbst sein Leben gelassen hat, um uns allen ein Leben in Freiheit und Würde zu schenken.

Und entgegen immer wieder geäußerten Meinungen war unsere Kirche am Karfreitag gleich zweimal hintereinander übervoll. Bis jetzt! Das wird sich nun ändern. Denn einmal mehr mussten Minderheitenschutz und Menschenrechte wirtschaftlichen Interessen weichen.

Text von Sabine Schmoly

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