Rathaus St. Veit
Martin Kulmer: "Freude auf das Amt ist ungebrochen"

Der amtsführende Bürgermeister Martin Kulmer
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  • Der amtsführende Bürgermeister Martin Kulmer
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Am Dienstag tritt Bürgermeister Mock zurück. Amtsführender Bürgermeister ist dann Martin Kulmer.

ST. VEIT. Nach 31 Jahren als SPÖ-Bürgermeister der Stadt St. Veit tritt Gerhard Mock am 14. April zurück. Im Interview verrät sein designierter Nachfolger Martin Kulmer (SPÖ), wie er die Corona-Krise erlebt, ob der Wiesenmarkt stattfindet und wie er das Osterfest feiert.

WOCHE: Sie übernehmen das Amt des Bürgermeisters in einer sehr schwierigen Zeit. Wie geht es Ihnen damit?
Martin Kulmer: Ganz gut, vor allem deshalb weil ich mit meinem Vorgänger in den letzten Monaten sehr eng in alle Themen der Stadtgemeinde eingebunden war. Das betrifft auch die jüngsten Herausforderungen aufgrund der Corona-Krise. Wir beide haben speziell die letzten Tage und Wochen genutzt, gemeinsam Vorbereitungen auf allen Ebenen zu treffen. Dadurch ist ein nahtloser Übergang möglich und meine Freude auf dieses Amt ist ungebrochen.

Sind Sie ab 14. April auch der Leiter des Krisenstabes?
Derzeit wird das Krisenmanagement über die Bezirkshauptmannschaft abgewickelt. Wir als Stadtgemeinde sind in Zeiten wie diesen natürlich in engstem Kontakt mit den Behörden und stimmen unsere Schritte laufend ab. Wenn der Krisenstab auf Gemeindeebene tatsächlich einberufen wird, bin ich als amtsführender Bürgermeister jedenfalls auch dessen Leiter.

Wie gehen sie persönlich mit der Corona-Krise zum? 
Die Ausbreitung des Coronavirus versetzt uns alle in eine Ausnahmesituation, für die es keine bewährten Lösungen oder einfache Rezepte gibt. Aber wir sind nicht machtlos, es liegt in unserer Hand, wie stark der Virus um sich greift. Jeder kann und muss seinen Beitrag leisten, indem man die nötige Umsicht und Verantwortung füreinander zeigt. Selbstverständlich halte auch ich mich an die Anordnungen der Bundesregierung.

Die kleinen Händler leiden massiv unter dem Zusperren. Wie kann man hier unterstützend eingreifen?
Die Lage für Klein- und Kleinstunternehmen ist in der Tat prekär. Hier gibt es in den Betrieben meist keine Rücklagen, mit denen mehrere Monate des Umsatzverlustes kompensiert werden können. Deshalb haben wir als Stadtgemeinde auch die Soforthilfeaktion mit Gutscheinkauf in den Innenstadtbetrieben gestartet. Unser Stadtmarketing sponsert zehn Prozent aller Gutscheine, um einen Anreiz für die Konsumenten zu bieten. Die ersten Tage zeigen, dass es einen regelrechten Ansturm auf die Gutscheine gibt und damit auch die St. Veiter Bürger ihre heimischen Betriebe unterstützen. Neben der Stadtgemeinde sind jetzt aber auch Bund, Land und Wirtschaftskammer gefordert, rasche Soforthilfemaßnahmen einzuleiten, um ein Sterben dieser Unternehmen zu verhindern.

Was denken Sie wird nach der Krise für die St. Veiter Bürger anders werden wird?
Als Optimist hoffe ich, dass es nach der Krise ein Zusammenrücken aller und ein verstärktes Besinnen auf regionale Produkte und Dienstleistungen geben wird. Ich bin überzeugt, dass es aufgrund der Corona-Auswirkungen in unserer Gesellschaft ein Umdenken geben wird. Themen wie Entschleunigung, Solidarität und Zusammenhalt werden mehr an Bedeutung gewinnen. Man muss aber realistisch sein, es werden auch unsere Bürger von Sorgen und Nöten durch verlorene Arbeitsplätze nicht verschont bleiben.

Stichwort Wiesenmarkt: Glauben Sie, dass dieser stattfinden kann?
Ich kann es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, da gibt es noch zu viele Unsicherheitsfaktoren. Im Moment ist es mir aber viel wichtiger, dass die Bürger möglichst gesund durch die Krise kommen und danach weiterhin auf ein möglichst sicheres Wohn- und Arbeitsumfeld in unserer wunderschönen Stadt zählen können.

Wo sehen Sie als Bürgermeister künftig die größte Herausforderung? 
Wenn mir vor ein oder zwei Monaten dieselbe Frage gestellt worden wäre, hätte ich wahrscheinlich eine ganz andere Antwort gegeben, wie die folgende. Wir wissen schon jetzt, dass die finanzielle Situation aller Gemeinden in den nächsten Monaten und Jahren sehr angespannt sein wird. Die Ertragsanteile des Bundes und die Kommunalsteuer als wichtiger finanzieller Anker der Stadtgemeinde werden drastisch zurück gehen. Unser Glück ist, dass die Stadt St. Veit aufgrund der vorausschauenden und guten Wirtschaftspolitik meines Vorgängers finanziell auf soliden Beinen steht. Als Bürgermeister werde ich für jene Entscheidungen kämpfen, die den Wohlstand unserer einzigartigen Stadt fördert. Natürlich wird es in Zukunft mehr denn je notwendig sein, die Folgewirkung jeder getroffenen Entscheidung in finanzieller, struktureller und ökologischer Hinsicht zu berücksichtigen.

In der Tourismusregion Mittelkärnten ist Mock derzeit noch Obmann. Wann übernehmen Sie dort?
Die Funktion des Obmannes in der Tourismusregion Mittelkärnten ist grundsätzlich nicht an das Bürgermeisteramt in St. Veit gebunden. Gerhard Mock hat bereits signalisiert, dass er diese Funktion weiterhin bis zum Ende der Periode ausüben wird. Persönlich finde ich es gut, da erst kürzlich ein neuer Geschäftsführer bestellt wurde. Diesen kann er als Obmann hilfreich zur Seite stehen.

Was schätzen sie an ihrem Vorgänger?
Einerseits seine Handschlagsqualität sowie seine Hartnäckigkeit wenn es um Maßnahmen zum Wohle der Bevölkerung geht. Andererseits aber auch seine Managementqualitäten und das hohe Maß an Leistungsbereitschaft.

Sie sind Leiter des BÜM. Kann man in der derzeitigen Situation den Betreuungsbedarf planen?
In der momentanen Situation lässt sich der Betreuungsbedarf nur schwer planen. Was wir aber deutlich sehen können ist, dass sich die Eltern sehr konsequent an die Ausgangsbeschränkungen der Bundesregierung halten, auch wenn die Betreuungssituation zu Hause für viele Eltern sehr herausfordernd ist. Für jene Eltern, die auf eine städtische Kinderbetreuung angewiesen sind, sorgen unsere Pädagoginnen auch weiterhin liebevoll und pädagogisch wertvoll für die Kinder.

Wie wollen Sie Ihren Job und ihre Bürgermeisterfunktion unter einen Hut bringen?
Das ist nur möglich, indem ich meine Stundenausmaß im BÜM auf ein Minimum reduziere und mich damit auf das Bürgermeisteramt konzentrieren kann. In den letzten Wochen habe ich gemeinsam mit meinem Team die BÜM-Verwaltung personell neu aufgestellt und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Wie können Sie entspannen?
Am besten in der Natur, beim Spazierengehen oder Wandern. Manchmal aber auch einfach beim Lesen eines Buches am Sofa.

Ostern fällt ja heuer quasi aus: Wie werden Sie das Osterfest verbringen?
Ich stelle mich gemeinsam mit meiner Partnerin bereits jetzt auf ein ruhiges verlängertes Osterwochenende in den eigenen vier Wänden ein. Für mich eine gute Möglichkeit noch etwas zu entspannen, bevor ich nach Ostern in das neue Amt einsteige.

Gerhard Mock (links) und Martin Kulmer
  • Gerhard Mock (links) und Martin Kulmer
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Die Regelung eines Bürgermeister-Rücktrittes
In der AGO (Kärntner Allgemeine Gemeindeordnung) ist klar geregelt, wie das Prozedere dann abläuft: Der Bürgermeister gibt bei der Amtsleitung sein Rücktrittsschreiben ab. Sobald dieses den Eingangstempel erhält, übernimmt 1. Vize-Bürgermeister die amtsführenden Geschäfte. Der amstführende Bürgermeister hat nun vier Wochen Zeit, eine Gemeinderatssitzung einzuberufen. Bei dieser Gemeinderatssitzung kann sich jeder Gemeinderat als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen, In einer geheimen Wahl wird dann der Bürgermeister gewählt. Bei der nächsten Gemeinderatswahl am 28. Februar 2021 werden die Karten dann neu gemischt.

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