Brennkogel (3018m) : Ein Berg ist ein Berg ist ein Berg

Beim Hochtor
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Beinahe drei Wochen haben wir auf den einen Tag gewartet. Diesmal passten die Wettervorhersagen. Diesmal passte der Zeitplan. Wir fuhren die 188 km von St. Veit an der Glan bis rauf zum Hochtor.

In Möllbrücke besorgten wir uns noch Kornspitz mit Käse und Schinken. Auf einen Kaffee im Autogrill bei Feistritz verzichteten wir. Wir wollten zum Gipfel. Wir wollten wieder einmal auf einen Dreitausender.

Ein Berg ist kein Süduferweg und Bergschuhe sind keine Flip-Flops

Drei Wochen vorher hatte das Wetter nicht gepasst.

Zwei Wochen vorher waren wir nach einer Radtour am Abend in der Osteria "San Vito". Michele Pasian und Patrizia Fregonese haben im Bürgerspitalareal am Oktoberplatz eine bezaubernde Osteria eröffnet. Nach einer italienischen Jause, knallharten Espressi und einer Flasche funkelndem Chardonay aus dem Veneto an dem lauen Abend unter jahrhundertealter Arkaden im Bürgerspital, war der Zeitplan am nächsten Morgen nicht einzuhalten.

Der dritte Anlauf überhaupt auf einen Berg zu kommen war der Versuch mit Lisa und Fritz Grabner mit der Reisseck-Bahn hochzufahren und den Klettersteig auf die Hohe Leier zu begehen. Leider standen bei der Talstation rund zweihundertfünfzig Kärnten-Card bestückte Wanderer vor uns an der Kasse, die auch in den hochalpinen Raum wollten und die nicht schlecht staunten, als wir zu viert mit Helm, Klettersteig-Sets und breiten Rucksäcken an- und sogleich wieder abrückten. Unser Zeitplan fiel in sich zusammen. Wir kamen, sahen und flohen.

An diesem Nachmittag blieb nur mehr die Zufahrt zur Lammersdorfer Hütte auf 1650 m hoch über den Millstättersee über und ein rascher Aufstieg auf den Lammersdorfer Berg und auf die Millstätter Alpe. Fritz hatte seinen Spittaler Verwandten und Freund Dietmar Koschitz im Friseursalon angerufen, der uns die Tour vorschlug. Bei der Auffahrt zur Hütte bekam Fritz Probleme mit der Kühlung des VW-Golfs. An eine Weiterfahrt war kaum zu denken. Ein Arboe Pannendienst-Mitarbeiter fuhr dann die Mautstraße auf 1600 m hoch und behob das Notwendigste. An einen Gipfel dachte keiner mehr. Eine halbe Stunde später standen wir mit den Golf in der Nähe von Döbriach und gingen mit Flip-Flops neun satte Kilometer den bezaubernden Süduferweg rauf und wieder runter. Das war schön, auch kulinarisch durchaus ratsam, aber eben keine Bergtour im eigentlichen Sinn. (...)

Der Brennkogel ist ein phantastischer Dreitausender

Wir gingen den Klagenfurter Jubiläumsweg, den 702er. Die Sonne knallt vom Himmel. Keine Wolke. Eine Steinwüste vor uns, unter uns die nördliche Großglockner Hochalpenstraße die von Bruck an der Großglocknerstraße rauf zum Hochtor führt. Wir trekken die Nordflanke des Großen Margrötzenkopfs (2735 m) entlang, überqueren ein Altschneefeld, sehen die Südostflanke des Brennkogels schon recht gut ein, steigen einen Grad auf, verlassen den Jubiläumsweg um eine Flanke weit ober dem Brettersee zu queren. Wieder am Jubiläumsweg gelangen zum kleinen Eissee und gehen entlang von Halden und Blockmoränen zum Brennkogel-Südkamm.

Der Weg zum Brennkogel ist nicht markiert. Er ist dermaßen unmarkiert, dass man gut daran tut, den Kärntner Jubiläumsweg so gut wie nicht zu verlassen.
Eine Salzburgerin und ein Salzburger beschrieben uns dann in der Brennkogelscharte den Aufstieg über den Südkamm. Steinmänner um Steinmänner führen uns rauf zum höchsten Punkt des Südkamms. Vor uns steht nun wie eine Pyramide, wie ein Kirchturm, der Brennkogel. Wir sehen uns etwas überrascht an, steigen kurz in einen Schuttsattel zu einem Karrsee ab, ehe ein Pfad eher unschwierig über Schutt- und Geröllhänge rauf zum Gipfel führt. Oben steht ein Kreuz. Eigentlich hatten wir nur ein trigonometrisches Zeichen erwartet.

Brennkogel und Kloben: Einst zweithöchstes Bergwerk in den Alpen

Der ehemalige Bergbau auf Gold und Silber hat seine Spuren am Nordgrat des Brennkogels hinterlassen. Dieser Bergbau zählt neben dem am benachbarten Kloben nach dem Bergwerk am Monte Rosa zu den zweithöchsten Bergwerken und Arbeitsstellen in den Alpen.

Wir haben mehrere Flaschen Mineralwasser mit, ein paar Kekse, Bio-Studentenfutter. Wasser nehmen wir jetzt immer eine Menge mit, seit wir vor ein paar Wochen fünf Tuxer Gipfel mit nur einem halben Liter Wasser überquert haben. Der Blick auf die großen Dreitausender der Glocknergruppe, auf das Mölltal und hinaus bis zu den Lienzer Dolomiten ist wunderbar. Den nördlichen Horizont begrenzen die Salzburger Kalkalpen. Wir sprechen mit zwei Osttirolerinnen, die direkt in die Knappenstube absteigen und so den Jubiläumsweg schneller erreichen wollen. Eine deutsche Familie kommt noch nach. Dann steigen wir ab.
Wir versuchen direkt in die Knappenstube abzusteigen. Aber im Geröll und im Schutt ist das beinahe unmöglich. Wir rutschen in der steilen Flanke und querten dann letztendlich die 20 m zurück zum Schuttsattel und stiegen über den Südkamm ab. Vor uns war der Spielmann zu sehen, die Racherin und der Wasserradkopf. Der Spielmann sieht vom Südkamm des Brennkogels unspektakulär aus.

Der Weg zurück zum Hochtor war Trekking durch eine Steinwüste mit hohen bis höchsten Temperaturen. Es war kein Rückzug, sondern ein zügiges Gehen und leichtes Blockwerkklettern. Nach 5 Stunden und 40 Minuten waren wir wieder am Hochtor.

Auf der Franz-Josephs-Höhe machten wir Fotos von der Pasterze und besuchten das großartige Besucher- und Ausstellungszentrum. Im Glocknerhaus, das für seine kulinarische Qualität zu Recht bekannt ist, nahmen wir das Abendessen ein.

Der Brennkogel mit seinen 3018 m vermittelt in seiner völligen Abgeschiedenheit die Einsamkeit der Dreitausender in der Glocknergruppe besonders intensiv. Diese Ausgesetztheit im hochalpinen Raum ähnelt dem Gefühl, das aufkommt, wenn Du mitten in einem See mit einer Schwimmbrille kraulst und fortwährend nach unten ins unendliche Smaragdgrün der Tiefe siehst. Du beginnst unmittelbar zu reflektieren und die Innen- und die Außenwelt fallen ineinander.

Planung: Franz Waditzer

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