01.10.2014, 05:00 Uhr

"Geständnis hat mich überrascht"

Manfred Herrnhofer: Der Richter aus Liebenfels fällte vor zwei Jahren am Landesgericht die Urteile im Birnbacher-Prozess

Vor zwei Jahren fielen die Urteile im Birnbacher-Prozess. Die WOCHE sprach mit Manfred Herrnhofer.

KLAGENFURT, LIEBENFELS. Heute vor zwei Jahren sprach Richter Manfred Herrnhofer am Landesgericht Klagenfurt die Urteile im Birnbacher-Prozess. Seit März sind die Urteile rechtskräftig. Josef Martinz, Gert Xander und Hansjörg Megymorez verbüßen ihre Haftstrafen. Dietrich Birnbacher trägt eine Fußfessel. Die WOCHE sprach mit dem Richter aus Liebenfels über Großverfahren und die Auswirkungen der Schuldsprüche im Oktober 2012.

Vor zwei Jahren sprachen Sie die Urteile im Birnbacher-Prozess, was ist in der Zwischenzeit geschehen?
Manfred Herrnhofer: Wir sind noch immer mit der Aufarbeitung der wirtschaftlichen und politischen Hinterlassenschaften beschäftigt. Es ist damit zu rechnen, dass die Hypo noch länger die Straf- und Zivilrichter am Landesgericht mit Arbeit versorgen wird.

Wie ist es Ihnen gegangen, als Dietrich Birnbacher sein Geständnis ablegte?
Herrnhofer: Es ist mir kalt über den Rücken hinunter gelaufen. Es war das erste Mal, dass jemand öffentlich zugab, wie Korruption abläuft. Obwohl ich als Richter sehr viel Erfahrung hatte, war ich überrascht. Es galt schnelle Entscheidungen zu treffen, da die Verteidigerin eines Angeklagten belastet worden war.
Welche Auswirkungen hatte das Geständnis?
Herrnhofer:
Es hatte eine Signalwirkung, das ist auch im Urteil zu finden. Es wurde gezeigt, dass sich eine Geständnis strafmildernd auswirkt. Besonders bei Wirtschaftsverfahren erleichtert ein Geständnis die Arbeit der Justiz und trägt zur Aufklärung bei.

Die Rolle der Schöffen wird bei Wirtschaftsstrafverfahren oft hinterfragt. Wie stehen Sie dazu?
Herrnhofer:
Die Schöffen haben während des Verfahrens durchaus gute Fragen gestellt und sich für die Materie interessiert. Sie haben gezeigt, wie wichtig die Rolle der Laienrichter bei der Urteilsfindung ist.

Welche Auswirkungen haben derartige Großverfahren auf den Richter?
Herrnhofer:
Man lebt für den Prozess. In der Vorbereitungsphase liest man tausende Aktenseiten und dabei entwickelt man einen gewissen Ehrgeiz: man will die Sache aufklären. Den Prozess kann man mit einem Marathon-Lauf vergleichen: Je näher man zum Urteil kommt, desto schwieriger wird es. Da ist es wichtig, dass man ein gutes persönliches Umfeld hat.

Was machen Sie jetzt, was sind Ihre Ziele?
Herrnhofer:
Als Vizepräsident des Landesgerichts bin ich für die Aus- und Weiterbildung zuständig. Derzeit läuft eine große Schulung für die Kanzleikräfte. Ich kümmere mich auch um die Ausbildung der Rechtspraktikanten und Richteramtsanwärter.
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