18.12.2017, 13:41 Uhr

Nach 70 Jahren besuchte die Ukrainerin Sosnovska St. Veit

Die Ukrainerin Maria Sosnovska mit Bürgermeister Gerhard Mock
ST. VEIT. Zu einer besonderen Pressekonferenz lud der St. Veiter Bürgermeister Gerard Mock: Er empfing die Ukrainerin Maria Sosnovska. Sie wurde als 16-jährige im November 1942 zur Zwangsarbeit aus dem Dorf New Gaychur (derzeit Nove Pole) verpflichtet und gelangte schließlich nach St. Veit.


Der Herzenswunsch

"Der Herzenswunsch der 91-Jährigen war, noch einmal nach St. Veit zu kommen, denn trotz der schweren Zeit verbindet sie positive Erinnerungen mit der Stadt", sagt Mock. Man spüre, dass sie eine ganz liebenswürdige alte Dame sei.
20 Stunden Anreise nahm Sosnovska in Kauf, um St. Veit 70 Jahre später zu besichtigen. So auch ihre damalige Unterkunft: Sosnovska lebte zwei Jahre lang im Hause von Maria Mörtenhuber. Das einstige Vitusbad beherbergt heute ein griechisches Lokal. 
In St. Veit war Sosnovska zwei Jahre als Zwangsarbeiterin stationiert. "Es war eine schwierige Zeit. Manche versuchten uns zu helfen, gaben uns heimlich Essen", erinnert sich Sosnovska.
1944 wurde Sie zur Flachsverarbeitung in die frühere Textilfabrik nach Friesach gebracht – jedoch nicht lange: Nach vier Monaten wurde die Fabrik bombardiert und die Arbeiter wieder nach St. Veit zurückgebracht. 
Auch ein Besuch Friesachs stand daher am Reiseprogram.

Das Wiedersehen

Im Vorfeld ihres Aufenthaltes wurde kärntenweit nach ehemaligen Leidensgenossinnen von Sosnovska gesucht. "Es gab an die 20 Hinweise. Eine Frau aus Ebenthal hat sich gemeldet, mit der Sosnovska befreudet war", erzählt Pressesprecher Andreas Reisenbauer. Auch ein Besuch in Ebenthal stand daher am Programm. Zudem sprach die rüstige 91-Jährige, die täglich zehn Kilometer geht, über ihre Zeit als Zwangsarbeiterin vor Schülern des BG/BRG St. Veit.

Zur Person

Maria Sosnovska lebte bis zum Kriegsende noch ein paar Monate in St. Veit, danach wurde sie von sowjetischen Truppen in einen unbekannten Ort in Österreich verbracht. Von dort ist sie zu Fuß durch Ungarn, Rumänien und Moldawien in ihre ukrainische Heimat zurückgekehrt: Sie brach im Juli auf und war im September zu Hause. Ihr Haus war zerstört, das Dorf war halb verbrannt, es herrschte Hungersnot, Kälte. Zwei Brüder und Vater wurden getötet.
Später heiratete sie und lebte lange Zeit in einem Gebiet in Kasachstan, wo die Sowjetunion Atombombentests durchführte. Dort arbeitete sie als Verkäuferin in einem Kiosk, den sie später auch leitete. Jetzt ist sie eine Freiwillige, die anderen älteren Menschen in der Stadt Zaporozhye unter die Arme greift. 
Sosnovska hat zwei Töchter, zwei Enkel und ein Urernkerl.

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Kurt Nöhmer aus St. Veit | 18.12.2017 | 21:00   Melden
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