11.10.2017, 08:00 Uhr

Die Spitzenkandidaten des Wahlkreises Ost stehen Rede und Antwort

Die WOCHE St. Veit diskutierte mit den Spitzenkandidaten aus dem Wahlkreis am Runden Tisch.

BEZIRK ST. VEIT. Das Wolfsberger Hotel Aldershoff diente der Woche St. Veit als Kulisse für den Runden Tisch mit den Spitzenkandidaten des Wahlkreises Ost Wolfgang Knes (SPÖ), Johann Weber (ÖVP), Christian Ragger (FPÖ) sowie Bernard Smrtnik (Neos) aus dem Wahlkreis Kärnten Ost für die Nationalratswahlen am 15. Oktober. Der Spitzenkandidat der Grünen, Stefan Grauf-Sixt, musste krankheitsbedingt absagen.



WOCHE: Im Bezirk St. Veit gibt es einen Ärzte- und auch Fachärztemangel, hier vor allem bei Planstellen für Hautärzte, Gynäkologen und Augenärzte. Wie kann die Politik hier eingreifen?

Christian Ragger (FPÖ): Indem man das gesetzliche System ändert. Für die niedergelassenen Ärzte muss man Attraktivität schaffen, sonst geht keiner mehr aufs Land. Zum Beipiel Reichenfels, wo man ein ganzes Jahr lang keinen Arzt bekommen hat. Und es ist hirnrissig, dass ich wegen einer kleiner Schnittwunde ins Krankenhaus fahren muss, wenn es der Arzt vor Ort machen könnte. Nun sind aber die Institutionen gefordert, nämlich die Ärztekammer und die GKK. Wir reden seit Jahren über die Primary Health Zentren. Wie schnell können wir diese umsetzen, dass wir vor Ort einen Arzt haben, es für ihn attraktiv machen und ihn unterstützen, dass der die Versorgung der Bevölkerung übernimmt. Der niedergelassene Arzt muss im Verletzungsfall die erste Ansprechsperson sein.

Bernard Smrtnik (Neos): Es ist wichtig in St. Veit, dass dies durch die Politik gefördert wird. Das wir die Ärzte auch unterstützen. Die Ärzte sind ja oft an Standorten und wenn sie wechseln wollen, müssen sie sich wirtschaftlich wieder neu organisieren. Wir müssen eine Infrastruktur schaffen und auch den jungen und nachkommenden Ärzten wirklich vermitteln, dass Landleben nichts Schlechtes ist, sondern wunderschön. Wir sind im schönsten Bundesland, diese Lebensqualität müssen wir den Ärzten auch klar machen. Ärzte wollen helfen, wenn wir ihnen unter die Arme greifen, kommen sie auch aufs Land. Wir brauchen ein positives Image und Ehrgeiz für die Ärzte und keine bürokratischen Hürden.

Wolfgang Knes (SPÖ): Seitens des Bundes haben wir entgegengewirkt. Wir haben die Ärztezusammenschließung angeboten, diese steht ja im Raum und wird sogar gefördert. Es gibt in allen Berufssparten Zertifikate. Die Ärzte brauchen dies nicht tun. Es ist ein freier Beruf, aber man sollte sich auch die Qualität mal ansehen. Die Qualität müssen wir prüfen und warum sollen Ärzte nicht isozertifiziert werden wie auch alle anderen Sparten und gleichzeitig müssen wir schauen, dass diese Zentren auch gefördert werden. Die Ärzte in der Region sollen sich zusammenschließen. Es darf nicht passieren, dass eine ganze Region keinen Arzt zur Verfügung hat. Wenn ich um 4 Uhr früh nach Klagenfurt fahren muss, weil es hier keinen Kinderarzt gibt – das darf es in unserem Jahrhundert nicht geben. Deswegen verlangen wir die Ärztezentren, die auch gefördert werden, wo sieben, acht Ärzte in einem Haus ordinieren. Das muss erreichbar sein. Wenn der Arzt bereit ist, in den ländlichen Raum zu gehen, muss auch die Ärztekammer ihre Ärzte so verteten, dass es lukrativ ist. Das Umdenken gehört auch in die Ärztekammer hinein.

Johann Weber (ÖVP): Es gibt einen allgemeinen Ärztemangel, zu wenig Ärzte sind in Ausbildung. In Zukunft soll man dort anheben, dass mehr Ärzte am Markt sind. Vielleicht sollten sie nicht einmal im Monat Bergdoktor spielen, sondern jeden Tag. Denn im Prinzip hat der Landarzt seinen Arbeitsplatz am Land, wo andere Urlaub machen. Es gibt nichts Schöneres. Zum Stichwort Ärztezentrum: Wo werden sich diese ansiedeln? Wieder dort wo Ballungszentren sind. Wir brauchen in den ländlichen Ortschaften Ärzte. Vielleicht kann man auch dort ansetzen, dass jemand einen fixen Krankenhausjob erst dann bekommt, wenn er sich am Land profiliert. Zusätzliche Attraktivität schaffen Hausapotheken.

WOCHE: Im Bezirk St. Veit kämpfen viele Landwirte mit dem Überleben. Was muss sich ändern, damit sich „Bauersein“ lohnt und eine Familie am Hof wirtschaftlich überleben kann?
Johann Weber (ÖVP): Da muss sich viel ändern in den Köpfen der Gesellschaft. Regional ist genial, fahr nicht fort, kauf im Ort. Die Landwirtschaft bei uns ist so streng kontrolliert, dass einem schlecht wird. Wir müssen die Landwirtschaft, wenn wir sie so flächendeckend erhalten wollen, unterstützen. Bewusstseinsbildung, noch mehr die Produkte der Landwirtschaft kaufen und den Leuten klar machen, wie wichtig die Landwirtschaft ist.

Christian Ragger (FPÖ): Es gibt Angebot und Nachfrage. Der Konsument zahlt heute den Preis. Wir sind in der Problematik, dass wir im Konsumentenverhalten das an den Tag legen, was uns die Handelsriesen vorleben. Und solange wir die Preisspanne zwischen Erzeuger und Handelsriesen nicht für den Erzeuger weitergeben können, wird diese Diskussion zu nichts führen. Man muss sich trauen mit den Handelsriesen zu verhandeln und sagen, sie müssen zwingend einen Preis für die Erzeuger weitergeben.

Wolfgang Knes (SPÖ): Die Fördersummen sind zu überdenken und die Regulierungen aufzuweichen, da ist das Landwirtschaftsministerium gefragt. Die horrenden Förderungen der großen Bauern gehören komplett geschnitten. Dann werden wir die mittelständischen und kleinen Bauern, die bitter notwendig sind für die Region, erhalten. Ich verlange eine Transparenzförderung. Dann gehört der Kuchen neu aufgeteilt. Und das liegt im Landwirtschaftsministerium.

Bernard Smrtnik (Neos): Es kommen immer neue Verordnungen und Regeln. Vielleicht muss man es gemeindespezifisch angehen, dass auch die kleinen Bauern die Möglichkeit haben, Förderungen zu bekommen. Und vergünstigt ihre Artikel verkaufen zu können, z.B.. beim Bauernmarkt. Viele können sich ja das Stehen am Markt auch nicht leisten.

Die Kandidaten
Die ersten fünf Kandidaten im Wahlkreis Ost (Wolfsberg, St. Veit, Völkermarkt) sind:

SPÖ: Wolfgang Knes (St. Stefan), Evelin Pircer (Bad Eisenkappel) Roland Neubauer (St. Veit), Nicole Strodl (Bad St. Leonhard), Gerhard Visotschnig (Neuhaus)

ÖVP: Johann Weber (St. Stefan), Karin Forsthuber (St. Andrä), Martin Gruber (Kappel), Sarah Klatzer (Bleiburg), Rudolf Egger (St. Veit)

FPÖ: Christian Ragger (Frantschach), Franz Pirolt (Straßburg), Josef Lobnig (Haimburg), Rosemarie Schein (St. Paul), Josef Ofner (Hüttenberg)

Die Grünen:Stefan Grauf-Sixt (Völkermarkt), Barbara Maier (Klagenfurt), Anna Wulz (Völkermarkt), Klaus Knafl (St. Veit), Susanne Dohr (Wolfsberg)

Neos: Bernard Smrtnik (Bad Eisenkappel), Hans Volina (St. Veit), Robert Puchner (Friesach)
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