Krankheiten wieder am Vormarsch: Die Grazer husten dem Impfen was

Ab dem Schulalter sinkt die Durchimpfungsrate gegen Keuchhusten drastisch. Alle fünf bis zehn Jahre sollte aufgefrischt werden.
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Ein erst sechs Wochen alter Säugling (Name der Red. bekannt), liegt seit mittlerweile zweieinhalb Wochen auf der Kinderklinik. Immer wieder wird der kleine Körper von Hustenanfällen geschüttelt und besonders schlimm ist es, wenn Atemaussetzer dazukommen. "Dann werden die Lippen blau und das Piepserl schlägt sofort an", schildert die Mutter, die ihrer Tochter beisteht und wie sie unter Quarantäne steht.
Das Baby leidet unter Keuchhusten, einer hochansteckenden Krankheit, die dank eines Impfschutzes in hochentwickelten Ländern eigentlich schon ausgerottet sein könnte. Könnte, denn um eine Krankheit einzudämmen, müssten 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Doch davon kann in der Steiermark und vor allem in Graz keine Rede sein. Im Jahresbericht 2017 der meldepflichtigen Erkrankungen aus dem Gesundheitsministerium nimmt die Steiermark beim Keuchhusten einen unrühmlichen "Ehrenplatz" ein: 1.411 Krankheitsfälle wurden 2017 österreichweit verzeichnet, 35 Prozent davon nur in der Steiermark.

Bei der Auffrischung haperts 

Laut Daten der Wissenschaftlichen Akademie für Vorsorgemedizin (WAVM) beträgt die Durchimpfungsrate bei Keuchhusten unter den Vorschulkindern gesamtsteirisch 85 Prozent, in Graz 84 Prozent. Weit mehr Aufholbedarf besteht in der Altersgruppe der 6-15-Jährigen. Hier sind im gesamten Bundesland 55 Prozent gegen Keuchhusten geimpft, in Graz überhaupt nur 41 Prozent. Impfstatistiken unter den Erwachsenen liegen keine vor. Es sind aber gerade diese weißen Flecken auf der "Impflandkarte", die eine Gefahr für die Allgemeinheit, besonders aber für Personen, die – noch – keinen Impfschutz haben, darstellen.

Säuglinge besonders gefährdet

Zurück auf die Kinderklinik. "Das Mäderl ist inzwischen glücklicherweise außer Gefahr", berichtet Barbara Plecko-Startinig, stellvertretende Klinikvorständin und Leiterin der Klinischen Abteilung für Allgemeine Pädiatrie. Generell ist der Keuchhusten für Säuglinge besonders gefährlich, da Neugeborene erst im Zuge der 6-fach-Impfung ab dem 3. Lebensmonat geschützt werden können. "Die Krankheit beginnt unspezifisch mit leichtem Schnupfen. Erst in der zweiten Krankheitswoche kommt der starke Husten mit Atemaussetzern hinzu", erklärt die Kinderärztin. "Einer von hundert Säuglingen verstirbt an Komplikationen." Wenn im engen Umkreis jemand an Keuchhusten erkrankt, dann sollten Kontaktpersonen, egal ob geimpft oder ungeimpft, für fünf Tage ein Antibiotikum einnehmen. "So kann eine weitere Ausbreitung der sehr ansteckenden Keuchhustenerkrankung verhindert werden."
Das Mädchen ist jedenfalls kein Einzelfall, so diagnostiziert das Hygieneinstitut an der Medizinischen Universität Graz im Schnitt vier bis fünf Keuchhusten-Fälle pro Monat. Im heurigen Juli waren es 22 Fälle. Ein regelmäßiger Blick in den Impfpass lohnt sich daher auf alle Fälle – für einen selbst und für die Allgemeinheit.

Ab dem Schulalter sinkt die Durchimpfungsrate gegen Keuchhusten drastisch. Alle fünf bis zehn Jahre sollte aufgefrischt werden.
"Gegen Keuchhusten müsste man sich alle fünf Jahre impfen, gerade bei der Auffrischung hapert es aber", weiß Barbara Plecko-Startinig, Leiterin der Klinischen Abteilung für Allgemeine Pädiatrie der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz.

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