Grazer Labors als Anlaufstelle für steirische Corona-Fälle
So funktioniert der Corona-Test

Klaus Vander, Ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie des KAGes
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  • Klaus Vander, Ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie des KAGes
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Viele Steirerinnen und Steirer hatten in der Zwischenzeit entweder direkt oder zumindest indirekt durch einen Verdachtsfall im Bekannten- oder Verwandtenkreis mit dem Corona-Test zu tun. Egal, ob aus Bad Aussee oder aus Leibnitz, sämtliche Proben, die in der Steiermark abgenommen werden, landen in einem der beiden Labors in Graz, die auf das neuartige SARS-CoV-2 testen. Dies ist einerseits das Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Meduni Graz und andererseits das Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Steiermärkischen Krankenanstaltenges.m.b.H (KAGes). Die WOCHE hat die Leiter dieser beiden Labors – Ivo Steinmetz für die Meduni und Klaus Vander für die KAGes – unabhängig voneinander mit denselben Fragen konfrontiert. 

Von der Abnahme bis zum endgültigen Ergebnis – wie lange dauert es realistisch?
Ivo Steinmetz: "Der Zeitraum von der Abnahme bis zum Einlangen im Testlabor kann unterschiedlich lang sein, je nach Abnahmeort, Abnahmezeit und Entfernung vom Testlabor. Bei den jetzt durchgeführten Tests muss man vom Start bis zum Vorliegen des Ergebnisses mit einem Zeitraum von rund 2,5 Stunden rechnen. Nachdem es sich um eine Sammelbefundung handelt, in welcher rund 100 Proben auf einmal bearbeitet werden, kann der Zeitraum vom Einlangen der Probe bis zum Start der Untersuchung variieren."

Betroffene berichten von Wartezeiten von teilweise über 40 Stunden. Wie lassen sich die erklären?
Klaus Vander:
"Das hat mit den Probeläufen zu tun. Wir beginnen um 8 Uhr einen Lauf und einen um 14 Uhr. Wenn eine Probe um 8.15 Uhr einlangt, kann ich nicht mehr eingreifen und muss bis 14 Uhr warten, damit verlängert sich natürlich die Wartezeit für den Betroffenen. Generell ist es uns aber gelungen, alle zeitgerecht eingelangten Proben noch am selben Tag abzuarbeiten."

In welchen Schritten läuft der Test genau ab?
Ivo Steinmetz:
 "Es wird zunächst aus Patientenmaterial (Rachenabstriche) die Nukleinsäure (Erbsubstanz) des Coronavirus extrahiert. Da es sich bei dem neuen Coronavirus um ein behülltes RNA-Virus handelt, muss die isolierte Ribonukleinsäure (RNA) in Desoxyribonukleinsäure (DNA) umgeschrieben werden, um anschließend eine Real Time PCR durchzuführen. Die DNA wird dadurch millionenfach vervielfältigt und selbst geringste Mengen an Viruspartikeln können so in Patientenmaterial entdeckt werden."

Gibt es mehrere Teststufen?
Klaus Vander: "In einem ersten Testlauf werden zunächst SARS-ähnliche Sequenzen (Wuhan, SARS, Fledermaus assoziierte SARS ähnliche Viren) nachgewiesen. Fällt dieser Test negativ aus, muss nicht mehr weiter getestet werden, ansonsten gibt es eine weitere Bestätigungsstufe in der ausschließlich Wuhan-spezifische Sequenzen detektiert werden."

Wie viel Zeit steckt da dahinter?
Klaus Vander:
 "Pro Test rund je zwei Stunden, ein Negativergebnis kommt naturgemäß früher als ein mittels Bestätigungslauf verifiziert positives."

Wie viele Personen arbeiten an einem Test?
Ivo Steinmetz:
"Es arbeitet ein Team von insgesamt zehn Personen, bestehend aus Biomedizinischen Analytikern, Naturwissenschaftern und Ärzten in dem entsprechenden Laborbereich."
Klaus Vander: "Bei uns sind immer drei Mitarbeiter im Einsatz, davon ist mindestens ein Mitarbeiter mit den Covid-19-Tests beschäftigt. Allerdings muss ja auch die Routine aufrecht erhalten werden, es gibt auch noch andere Untersuchungen, die im Sinne der bestmöglichen Patientenversorgung zeitnah durchzuführen sind."

Arbeitet das Personal rund um die Uhr? Genügt das Personal?
Ivo Steinmetz:
"Auf Grund der erforderlichen Hochspezialisierung des Personals ist eine Arbeit rund um die Uhr nicht möglich. Die Kapazitäten sind mit dem jetzt verwendeten System nicht unmittelbar aufstockbar. Im Moment ist daher ist eine Testkapazität von bis zu 300 Proben täglich möglich. Es wird weltweit unter anderem am Einsatz einer automatisierten Hochdurchsatz-Plattform gearbeitet. Damit wäre eine Steigerung im Bereich von mehr als 1.000 Proben pro Tag vorstellbar."
Klaus Vander: "Auch wir arbeiten derzeit von 7 Uhr früh bis 19 Uhr. Die Tätigkeit erfordert einen hohen Einschulungsgrad, demnach kann nicht einfach jede Arbeitskraft für diesen Prozess herangezogen werden. Dieses Vorgehen ist essentiell um Fehler zu vermeiden: Ein fälschlicherweise falsch positives oder negatives Ergebnis wäre fatal."

Nach welchen Kriterien werden die Tests abgearbeitet, gibt es eine Triage?
Klaus Vander:
"Prinzipiell gilt: First come, first serve. Proben von kritisch Kranken werden vorgereiht, wie zum Beispiel Intensivpatienten."

Was kostet ein einzelner dieser Tests?
Ivo Steinmetz:
"Die Testkosten werden zwischen Testlabor und Sozialversicherung direkt verrechnet. Es werden ausnahmslos ärztlich angeordnete Tests durchgeführt. Reagenzien und Testmaterial sind marktübliche Komponenten, wie sie bei anderen Tests auch verwendet werden. Die direkten Materialkosten betragen derzeit rund 40 Euro."

Wer trägt die Kosten?
Ivo Steinmetz:
"Wenn ärztlich angeordnet, trägt die Kosten die Sozialversicherung."

Kann ich mir auch privat - wenn ich ihn selbst bezahle - einen Test „kaufen“?
Ivo Steinmetz:
"Auf Grund des großen Testvolumens werden ausnahmslos ärztlich angeordnete Tests durchgeführt."
Klaus Vander: "Im Sinne eines maßvollen Ressourcenmanagements werden derzeit ausschließlich Tests nach ärztlicher Anordnung durchgeführt. Oberste Prämisse muss sein, dass Tests für kritisch kranke Patienten zur Verfügung stehen."

Wie viele Tests sind noch vorrätig?
Klaus Vander:
"Wir haben derzeit die Ressource für 1.000 Tests im Haus und sind fortlaufend bemüht vorausschauend Bestellungen zu tätigen. Die Produktionsressourcen solch spezifischer Tests sind weltweit beschränkt, der Bedarf ist stetig wachsend. Eine entsprechende Versorgungssicherheit stellt uns alle vor eine große Herausforderung."

Derzeit ist auch immer wieder von Schnelltests die Rede. Wann kommen diese?
Klaus Vander:
Da werden Äpfel und Birnen vermengt: Nur der verwendete Direktnachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) bringt Sicherheit. Die Antikörper-Schnelltests hingegen sind für die akute Diagnostik von Covid-19 vollkommen ungeeignet, da sich Antikörper erst nach einer Zeitspanne von mehreren Tagen bilden.

Im Interview:
Klaus Vander: Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, Ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Steiermärkische Krankenanstaltenges.m.b.H (KAGes)
Ivo Steinmetz: Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, Universitätsprofessor für das Fach Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin und Vorstand des Institutes an der Meduni Graz

Klaus Vander, Ärztlicher Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie des KAGes
Ivo Steinmetz, Universitätsprofessor für das Fach Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin und Vorstand des Institutes an der Meduni Graz
Autor:

Andrea Sittinger aus Graz

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