Distance-Learning: Zwischen Ferienfeeling und Überforderung
Forderung nach gestaffelter Rückkehr zum Unterricht

So begeistert verläuft das Distance Learning in den steirischen Haushalten wohl in den seltensten Fällen.
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Seit knapp drei Wochen haben die steirischen Schülerinnen und Schüler in der Regel keine Schulglocke mehr gehört und keine Tafel mehr gesehen. Drei Wochen, in denen viel darüber diskutiert wurde, was das sogenannte Distance Learning eigentlich zu bedeuten hat und vor allem, wie es für die Kinder, das Lehrpersonal und besonders auch die Eltern, die vielfach auch im Home-Office gelandet sind, zu bewerkstelligen ist.
"Viele Schulen beziehungsweise Lehrpersonen und Eltern sind sehr bemüht, den Kindern schulischen Alltag mit regelmäßigem Lernen zu bieten", schickt Ilse Schmid, Präsidentin des steirischen Landesverbands der Elternvereine voraus. "Doch für Eltern stellt dies jedoch häufig eine sehr große Belastung dar. Schließlich ist 'Home-Office' bzw. 'Teleworking' ja nicht Urlaub", so Schmid, die bereits am 21. März darauf aufmerksam machte, dass "sich die Tätigkeit der Lehrkräfte nicht darin erschöpfen dürfe, erreichbar zu sein." Mittlerweile – auch angesichts der Tatsache, dass sich immer klarer abzeichnet, dass auch nach den offiziellen Osterferien noch lange keine Rückkehr in die Klassenzimmer stattfinden wird – scheinen auch jene Lehrer "aufgewacht" zu sein, die das Distance Learning wortwörtlich zunächst einmal aus der Distanz zu beobachten schienen.

Wie funktioniert das Feedback?

Von den steirischen Elternvereinen wurde unter anderem ein verpflichtendes Feedback der Lehrer gefordert. Dies ist zumindest auch in dem Erlass des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung für alle österreichischen Schulen so festgeschrieben. "Leider ist das aber nach wie vor ein Thema", schildert Schmid. "Da werden teilweise Fehler eingelernt, was auch nicht zielführend sein kann. Außerdem kritisiert Schmid, dass eine Kanalisierung der angebotenen Plattformen und online-Lerndienste nötig sei. "Die Eltern verlieren einfach den Überblick, welche Arbeitsaufträge nun wo abgewickelt werden sollen. Somit werden auch wichtige Informationen leicht übersehen." Am besten solle es einen Kanal – von der Schule, dem Lehrer an die Eltern geben, in dem alles kommuniziert wird. 

Eltern sind am Limit

Besonders unter dem Unterricht aus der Ferne leiden bekanntlich jene Familien, die die technischen Möglichkeiten zu Hause nicht haben, um erstens überhaupt mit der Schule in Kontakt zu bleiben und zweitens ihren Kindern das Distance-Learning zu ermöglichen.
So wurden laut einer kürzlich veröffentlichen Erhebung des Bildungsnetzwerks "Teach for Austria" rund 20 Prozent aller Eltern noch gar nicht von den Lehrkräften erreicht. "Das sind meist Familien mit Migrationshintergrund, wo schon der reguläre Unterricht mit mehr Schwierigkeiten verbunden ist. Diese Kinder werden jetzt noch größere Lücken aufbauen", befürchtet die Verbandspräsidentin. Die Schulen sind vom Ministerium nun aufgefordert, diese 20 Prozent der Unerreichbaren "aufzuarbeiten". Dort, wo weiterhin keine Kontaktaufnahme möglich ist, wird die Jugendwohlfahrt eingeschaltet. 
Ilse Schmid hat übrigens unter den steirischen Elternvereinsobleuten eine eigene Erhebung gestartet, um den Zufriedenheitsstatus innerhalb der Familien zu erfahren. "Innerhalb weniger Tage sind unzählige Rückmeldungen von Eltern eingetroffen. "Viele bekennen, dass sie sich überlastet fühlen, dies gilt besonders dort, wo es mehrere schulpflichtige Kinder gibt. Die Eltern sind am Limit."

Gestaffelten Schulbesuch andenken

Schmid vermutet, dass – so diese Situation auch noch weit über die Osterferien andauert – der Druck durch die Eltern noch mehr steigt. "Insofern muss ein gestaffelter Schulbesuch angedacht werden", fordert Schmid. Dabei könnten die Klassen aufgeteilt werden und an verschiedenen Tagen einzelne Gruppen einer Klasse unterrichtet werden. "Lange kann das jedenfalls nicht mehr so laufen."

So begeistert verläuft das Distance Learning in den steirischen Haushalten wohl in den seltensten Fällen.
Lässt mit der Forderung nach einem gestaffelten Unterricht aufhorchen: Ilse Schmid, die Präsidentin des Steirischen Verbands der Elternvereine

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