Standpunkt der WOCHE:
Lärmexperte Erich Hotter findet: "Klassenräume sind wahre Lärmhöllen"

In den Schulen herrscht dringender Handlungsbedarf, der Lärm mache Lehrer und Schüler krank, erläutert Lärmexperte Erich Hotter.
  • In den Schulen herrscht dringender Handlungsbedarf, der Lärm mache Lehrer und Schüler krank, erläutert Lärmexperte Erich Hotter.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Andrea Sittinger

Lärm macht krank. Und dabei ist nicht nur gemeint, dass zuviel Lärm das Hörvermögen mindert, sondern dass ein regelmäßiger Einfluss eines zu lauten Umfelds auch zu psychischen Belastungen bis hin zum Burn-out führen kann. Diese wissenschaftliche Erkenntnis kommt besonders in Klassenzimmern zum Tragen.
Der Grazer Lärmexperte Erich Hotter setzt sich seit Langem mit dieser Problematik auseinander und sieht im Schulbereich dringenden Handlungsbedarf. "Dabei ist die gesundheitliche Beeinträchtigung nur eine Dimension, die andere ist die, dass Lärm einfach den Unterricht stört", erklärt Hotter.

Fern jeglicher Grenzwerte

Der EU-Grenzwert für geistige Arbeit, also der Wert ab dem das Denken beeinträchtigt wird, liegt bei 50 Dezibel. In einem normalen Klassenraum beträgt der Lärmpegel im Schnitt 65 Dezibel. "Damit die Lehrperson dann überhaupt noch eine Chance hat, gehört zu werden, muss sie noch um 15 Dezibel lauter werden", so Hotter. Das wiederum steigert den Stress und führt zu Übermüdung. Dazu kommt noch, dass sich der Unterricht "vergröbert, das heißt man spricht eher in Schlagwörtern". Das wiederum macht es schwieriger, dem Unterricht zu folgen, den roten Faden zu finden. Besonders Kinder mit auditiven Schwierigkeiten oder nichtmuttersprachliche Schüler beeinträchtigt ein zu lautes Umfeld die Konzentration. Für sie ist mit dem Heraushören der wichtigen Botschaften aus dem allgemeinen “Geräuschbrei” eine ungleich höhere Energieleistung verbunden.
Der Lärm in den Klassenzimmern ist für Hotter jedenfalls ein drängendes Problem und müsse zumindest bei der Planung neuer Schulen berücksichtigt werden. Die entsprechende Nachrüstung in bestehenden Gebäuden ist möglich, aber kostspielig. So belaufe sich die akustische Sanierung eines einzelnen Raums auf mehrere tausende Euro.

Palette an Lösungen

"Aber auch einfache Tricks würden schon helfen, um den Schall etwas zu schlucken", so Hotter. "Statt kahler Wände und Böden, könnten Vorhänge oder auch Polstermöbel helfen. Aber das geht natürlich aus feuerpolizeilichen Gründen schwer", räumt der Lärmexperte ein. Momentan müsse man sich weiterhin mit kleinen Schritten behelfen, wie der Tatsache, dass die Schultaschen während des Unterrichts nicht mehr im Klassenzimmer bleiben, um das Kramen zu verhindern. Außerdem sei es wichtig, die Schüler selbst miteinzubinden und an ihrem Verhalten zu arbeiten. "Kinder merken selbst auch, wenn ihnen etwas guttut."

Schreiben Sie uns!
Vielleicht sind Sie auch als Eltern oder gar Lehrer mit diesem Thema konfrontiert. Was wären Ihre Lösungsansätze zu dieser Lärmproblematik in den Klassenzimmern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an leserbrief@woche.at, per Post an die "WOCHE Graz", Gadollaplatz 1/6.Stock, 8010 Graz, posten Sie online auf www.meinbezirk.at/graz oder auf www.facebook.com/wochegraz.

Autor:

Andrea Sittinger aus Graz

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