Wenn der Beruf zur Berufung wird

Pflegedirektorin Susanna Reisinger ist seit Jahren in diesem Job tätig und wünscht sich mehr junge Menschen, die sich dafür entscheiden.
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  • hochgeladen von Christine Seisenbacher

Susanna Reisinger, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Pflegedirektorinnen des ÖGKV (Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband), stellt im WOCHE-Interview "ihren" Pflegeberuf vor. Ganz nach dem Motto: "So wie du willst, dass man dich pflegt, so pflege auch andere Menschen."

Warum haben Sie einen Pflegeberuf gewählt? 
Ich bin seit über 40 Jahren in diesem Beruf und meine Entscheidung dazu ist schon früh gefallen. Der Beruf der Pflege bietet viele unterschiedliche Felder, in denen man arbeiten kann. Neben dem Akutbereich wie das Krankenhaus bieten sich die Hauskrankenpflege, die Langzeitpflege und der weniger bekannte Rehabereich als Arbeitsumfeld an. Kein anderer Beruf bietet eine so große Vielfalt und so viele fachliche Karrieremöglichkeiten.

Ist der Beruf krisensicher?
Ja, der Pflegeberuf ist sicher – das hat sich einmal mehr auch in der Krise gezeigt. Das Gesundheitspersonal steht an vorderster Front und erstmals wurde der Beruf sichtbar.

Wieso ist dieser Beruf immer noch hauptsächlich weiblich?
Leider ist es so und es wird auch so bleiben. Ich schätze das Verhältnis so: 80 bis 90 Prozent sind weiblich. Beispielsweise in Weiz ist der Männeranteil noch geringer, da gibt es bei 129 diplomierten Pflegekräften nur sieben Männer. 

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
Um diesen Beruf ausüben zu können, braucht es ein hohes Maß an sozialer Kompetenz, Empathie und Durchhaltevermögen. Der Beruf hat nicht immer nur schöne Seiten. Was ich aber von Patienten und auch Angehörigen zurückbekomme, wiegt dies auf. Wenn schwerkranke Patienten wieder nach Hause gehen können, gibt das sehr viel Kraft und Motivation.

Wie sieht die Vereinbarkeit mit der Familie aus? 
In vielen Gesundheitseinrichtungen wird eine ausgedehnte Kinderbetreuung angeboten, der Anteil an Teilzeitkräften ist speziell in der Pflege enorm hoch. Die Verantwortlichen überlegen sich sehr viele unterschiedliche Arbeitsmodelle.

Wie sehen Sie die Zukunft der Pflege?
Ich versuche, das positiv zu sehen. Ich fürchte aber, dass wir in den nächsten fünf Jahren einen massiven Einbruch erleben werden. Durch die Änderung des Gesundheits- und Krankenpflegesetzes im Jahr 2016 hat sich einiges geändert. Die Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege wurde auf FH-Niveau gestellt. Dies war absolut notwendig. Außerdem wurde die Berufsgruppe der Pflegefachassistenz installiert. Diese zweijährige Ausbildung ist in den Gesundheitseinrichtungen noch nicht angekommen. Ich wünsche mir ausreichend Ausbildungsplätze für die Fachhochschule, die derzeitigen Angebote sind zu gering. Aufgrund der bevorstehenden Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge befürchte ich einen Personalmangel. Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Pflege müssen sich auf alle Fälle verbessern.

Wie haben Sie die Krise erlebt?
Dies war eine der größten Herausforderungen in meiner Tätigkeit. Durch neue Anordnungen war große Flexibilität gefragt, die Angst war ebenso da. Leider waren die Arbeitsbedingungen – Thema Schutzausrüstung – nicht immer optimal. So muss beispielsweise die fehlende Schutzausrüstung ein Weckruf für die Politik sein.

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