Frauenquote: Plädoyer für "gemischte" Chefetagen

Aufwärts soll es für den Frauenanteil in Führungspositionen gehen.
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  • Aufwärts soll es für den Frauenanteil in Führungspositionen gehen.
  • Foto: Land Steiermark
  • hochgeladen von Andrea Sittinger

Deutschland hat drei Jahre Vorsprung, nicht bei allem, aber unter anderem beim Versuch, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Was bei unseren Nachbarn bereits seit dem 1. Mai 2015 als Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst in Kraft getreten ist, gilt in Österreich seit 1. Jänner dieses Jahres. Das Gesetz besagt, dass in den Aufsichtsräten von Unternehmen, die entweder börsennotiert sind oder ständig mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen, eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent gilt.
Herauszufinden, was sich in Deutschland in diesen drei Jahren bewegt hat, war der Hintergrund einer knapp dreitägigen Delegationsreise unter der Leitung von Frauenlandesrätin Ursula Lackner nach Berlin. Mit an Bord waren neben den Frauensprecherinnen von SPÖ, FPÖ und KPÖ Renate Bauer, Liane Moitzi und Claudia Klimt-Weithaler auch die 2. Landtagspräsidentin Manuela Khom (ÖVP) sowie die Geschäftsführerin der Female Leaders Initiative Felin Christiane Otter. 

Quote ist nur ein Instrument

Stationen des Austauschs waren unter anderem ein Treffen mit Monika Schulz-Strelow, der Präsidentin von FidAR, eine Initiative, die sich dafür einsetzt, mehr Frauen in Aufsichtsräten zu verankern, sowie mit Caren Marks, Staatssekrekretärin im deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die gesammelten Eindrücke waren ebenso vielfältig wie die Erkenntnisse: "Das Erreichen der Quote ist nicht das Problem", erklärt Schulz-Strelow. "Die Frage ist eher, was ergibt sich daraus und wie erreichen wir eine Breitenwirkung?" Fakt ist, dass die Quotenregelung nur für rund 100 – börsennotierte – deutsche Unternehmen gilt.

Erfolg gemischter Teams

Das von der Wirtschaft oft vorgebrachte Argument, wonach durch die Vorschreibung einer Frauenquote die Unternehmen belastet würden, wird allein durch die Zahlen außer Kraft gesetzt: "Unternehmen, die eine gemischte Führung haben, sprich wo Männer und Frauen gemeinsam planen und entscheiden, fahren bessere Ergebnisse ein als männerdominierte Firmen", so Ursula Lackner. "Was es braucht, sind vor allem Männer, die umdenken und sich der wertvollen Ressource in Person einer weiblichen Kollegin bewusst werden."

Frauen mit Drive

Ein Paradebeispiel dafür sind die BVG, die Berliner Verkehrsbetriebe, das seit acht jahren von der Vorstandsvorsitzenden Sigrid Nikutta geführt wird – und das mit Erfolg: Die 49-Jährigen fünffache Mutter ist die erste Frau an der Spitze des Unternehmens und hat das Unternehmen nach sieben Jahrzehnten wieder in die schwarzen Zahlen geführt. "Mich haben sie nach dem Motto geholt: 'Wenn der Karren so richtig im Dreck steckt, dann holt mal eine Frau'." Der Plan ist aufgegangen. Nikuttas Rezept: Mehr Frauen in die Führungsebenen zu setzen. "Das heißt jetzt nicht, dass wir erfolgreiche Männer kündigen, sondern künftig frei werdende Stellen werden weiblich nachbesetzt", so Nikutta. Derzeit liegt der Frauenanteil in der 2. bis 4. Führungsebene bei über 22 Prozent. "Da ist aber noch Luft nach oben."
Die Durchdringung mit Mitarbeiterinnen zieht sich aber durch die gesamte BVG, so lautete die Werbelinie des Verkehrsunternehmens erst kürzlich "Frauen mit Drive gesucht".

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