Makellos, bio und billig: "Gibt's nicht"

Landwirte sehen den Glyphosat-Einsatz differenziert: "Makellose, ungespritzte Ware zu Billigpreisen ist unmöglich!"
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  • Landwirte sehen den Glyphosat-Einsatz differenziert: "Makellose, ungespritzte Ware zu Billigpreisen ist unmöglich!"
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Glyphosat wird immer noch eingesetzt, Steinfelder Gemeinden verzichten aber weitgehend auf das Pestizid.

STEINFELD. Glyphosat ist eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Pestizide - und nicht unumstritten. Im Steinfeld haben sich daher bereits sieben Gemeinden gegen die Glyphosat-Nutzung entschieden: Ebreichsdorf, Mitterndorf an der Fischa, Oberwaltersdorf, Pottendorf, Tattendorf, Teesdorf und Trumau.

Wirkungsbereich begrenzt

"Wobei das nur den Einsatz des Pestizids im Wirkungsbereich der Gemeinde betrifft", gibt der Ebreichsdorfer Bürgermeister Wolfgang Kocevar zu bedenken. "So lange auf Bundesebene kein Gesetz erlassen wird, das den Einsatz versagt, können wir das den Landwirten auch nicht verbieten." Damit stelle sich natürlich auch die Frage, wie viel der Verzicht in der Endkonsequenz bringe, so der Ortschef weiter: "Wenn die Bauhofmitarbeiter bei der kleinflächigen Unkrautbekämpfung zwar darauf verzichten, aber zwei Kilometer weiter sprüht der Landwirt Glyphosat über die Felder."

Bauern sehen es differenziert

Der Ebreichsdorfer Stadtrat Engelbert Hörhan, selbst auch Landwirt, sieht die Thematik differenziert: "Es ist sehr ruhmreich, wenn sich die Gemeinden an die Fahnen heften, kein Glyphosat zu verwenden. Dabei ist die Verwendung von Glyphosat auf versiegelten Oberflächen, wo es in den Gemeinden meistens angewendet wurde, längst verboten." Denn so käme das Mittel unter Umständen über die Kanalisation auch ins Grundwasser. "Wenn auf der Wiese gespritzt wird, wirkt der Boden hingegen wie ein Filter", erklärt er. Dass das Pestizid krebserregend ist, hält Hörhan für wissenschaftlich nicht erwiesen. "Ich verwende es selbst auch, aber mit Maß und Ziel, also nur zur Unkrautbekämpfung vor und unmittelbar nach der Saat. Dafür verwende ich drei Liter Sprühmittel, also kein reines Glyphosat, auf 10.000 Quadratmeter", sagt er. "In Österreich ist eine ständige Anwendung ohnehin nicht möglich, weil das gentechnisch veränderte Saatgut, das dem Pestizid standhält, nicht erlaubt ist." Daher könne man Kulturpflanzen, also Futter- oder Lebensmittelpflanzen, gar nicht ständig damit behandeln. "Ich verwende das Mittel jährlich auf nicht einmal zehn Prozent meiner Flächen", sagt der Stadtrat. "Das kann man in etwa auf die gesamte Landwirtschaft in Österreich runterbrechen." Zudem gebe der Kunde den Ton an und der verlange Top-Ware zu Billigpreisen, was ohne Einsatz von Pestiziden gar nicht machbar sei.

"Ganz ohne geht's nicht"

Obstbauer Andreas Samm bläst in ein ähnliches Horn: "Der Kunde möchte eine makellose Ware, in Form und Farbe, das ist ohne Pflanzenschutzmittel nicht möglich." Der Weigelsdorfer Landwirt verwendet allerdings selbst kein Glyphosat mehr. "Ich habe vor Jahren eine Ladung Glyphosat abbekommen, als ein Schlauch beim Spritzgerät platzte, danach war mir ziemlich übel", erzählt er. "Das hat mich bestärkt gänzlich auf Glyphosat zu verzichten, wobei wir ohnehin versuchen sehr sorgfältig mit Pflanzenschutzmitteln umzugehen." Bei der Unkrautbekämpfung setze er auf mechanische Methoden, dabei wurde auch viel Geld investiert. "Und beim Pflanzenschutz arbeiten wir mit Pflanzenhilfsstoffen, die die Abwehrkräfte der Pflanze stärken. Das ist ein Mittelweg der für uns funktioniert - so können wir Ware produzieren, die der Kunde auch kauft." Denn Billigware die optisch perfekt sei und völlig ungespritzt: "Das ist ein Werbeschmäh, den leider viele glauben."

Zur Sache
Die WHO stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für Menschen ein. Studien deuten darauf hin, dass es eine schädliche Wirkung für die Pflanzen- und Tierwelt hat. Dennoch ist das Pestizid am Markt zugelassen. Die gute Nachricht: Laut Umweltorganisation Greenpeace entscheiden sich zunehmend Gemeinden gegen die Nutzung des Pestizids. Beim Bundesländer-Ranking ganz vorne: Niederösterreich.

Landwirte sehen den Glyphosat-Einsatz differenziert: "Makellose, ungespritzte Ware zu Billigpreisen ist unmöglich!"
Der Landwirt Andreas Samm versucht mit möglichst wenig Einsatz von Pflanzenschutzmittel auszukommen.
Autor:

Elisabeth Schmidbauer aus Steinfeld

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