'Vorgehen ist eine Schweinerei'

Mitterndorfs Ortschef mobilisiert gegen das Projekt.
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  • hochgeladen von Elisabeth Schmidbauer

ÖBB planen einen 700 Hektar großen Terminal, betroffene Gemeinden wurden vorab nicht vom Projekt informiert.

MITTERNDORF/FISCHA. Es herrscht Aufregung im Mitterndorfer Gemeindeamt. Der Grund: die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) planen einen 700 Hektar großen Güterterminal mit Logistikzentrum. Derzeit stehen dafür fünf Standorte zur Auswahl. Bei "Variante 1" würde der Bahnhof auf Mitterndorfer Gemeindegebiet errichtet. Ziel des Bahnhofs sei es Warentransporte zwischen Europa und Asien aus Eisenbahnnetzen mit unterschiedlichen Spurweiten umzuladen, heißt es vonseiten der ÖBB. Mitterndorfs Ortschef Thomas Jechne ist außer sich. "Wie kann es sein, dass man als Bürgermeister über ein derartiges Riesen-Projekt aus dem Medien erfährt", sagt er. Dort sei der Umweltbericht zum Projekt kürzlich veröffentlicht worden.

Enorme Belastungen

"Daraus geht klar hervor, dass der Bahnhof schwerwiegende Belastungen für Umwelt und Bevölkerung zur Folge hätte", so Jechne. "Täglich wäre mit zusätzlichem Schwerverkehr von rund 2.000 LKW zu rechnen, was Lärm, Schadstoffe und Verkehr vervielfachen würde!" Und: für den Bahnhof würden ausschließlich Natura-2000-Gebiete zerstört. "Es ist völlig unverständlich warum man so einen Bahnhof nicht in die Peripherie versetzt, wo nicht unmittelbar Anrainergebiete, ja ganze Ortschaften betroffen wären", so der Ortschef.

"Eine Schweinerei"

Neben Mitterndorf wären bei der "Variante 1" noch Unterwaltersdorf (Gem. Ebreichsdorf), Reisenberg, Gramatneusiedl und Götzendorf betroffen. Ebreichsdorfs Bürgermeister Wolfgang Kocevar bläst ins selbe Horn, wie sein Mitterndorfer Kollege: "Diese Vorgehensweise, dass wir von so einem Projekt nicht vorab informiert werden, ist eine Schweinerei." Man sei mit den anderen betroffenen Gemeinden in Kontakt und stimme sich bei der weiteren Vorgehensweise miteinander ab. Im Mitterndorfer Gemeinderat wurde bereits einstimmig eine Resolution gegen das Projekt verabschiedet, selbiges sei auch in Ebreichsdorf geplant. "Zudem haben sich alle betroffenen Gemeinden zusammengeschlossen und eine Rechtsvertretung beauftragt, die eine juristische Stellungsnahme formuliert. Die wird dann mit den Resolutionen und Unterschriftenlisten an Land Niederösterreich und die ÖBB übergeben", so Thomas Jechne.

ÖBB beschwichtigt

Bei der ÖBB versucht man indes zu beschwichtigen. Die Varianten seien keineswegs fixiert, sie würden im Zuge der "strategischen Prüfung Verkehr" noch überprüft. Die Ergebnisse werden für Anfang 2020 erwartet. Dennoch sei "die Lage (des Bahnhofs, Anm.) in der Nähe bestehender Infrastruktur, insbesondere der Eisenbahninfrastruktur, (...) von Bedeutung". Das Projekt sei zudem eine umweltfreundliche Alternative für die zunehmenden Verkehrsströme zwischen Asien und Europa. Was die Standorte betrifft, verweist man bei der ÖBB darauf, dass Mitterndorf ohnehin nicht empfohlen werde. "Die (...) Varianten (1,3,4) werden aufgrund ihrer Auswirkungen nicht zur Weiterverfolgung empfohlen", heißt es in einer Stellungnahme. Das wiederum lässt der Ebreichsdorfer Ortschef nicht gelten: "Selbst wenn wir als Gemeinde nicht betroffen sind, wir müssen uns solidarisieren. Es kann nicht sein, dass wir über die Medien von einem Projekt erfahren, das die Lebensqualität für zigtausende Niederösterreicher nachhaltig negativ beeinflusst."

Autor:

Elisabeth Schmidbauer aus Steinfeld

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