Gedenkfeier in Ternberg
Schauspieler Harald Krassnitzer bei Gedenkraum-Jubiläum in Ternberg

Abschließend wurden vor der Pfarrbaracke Kränze niedergelegt.
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  • Abschließend wurden vor der Pfarrbaracke Kränze niedergelegt.
  • Foto: Haijes
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Mehr als 250 Menschen gedachten am Freitag, 28. September 2018, in der Pfarrbaracke Ternberg auf Einladung der Katholischen Jugend der Region Ennstal der Opfer des Nationalsozialismus im KZ-Außenlager Ternberg.
TERNBERG. Schauspieler Harald Krassnitzer hielt eine aufrüttelnde Gedenkrede. Das Gedenken in Ternberg fand heuer bereits zum zehnten Mal statt. 2008 war im Zuge der größten Jugendsozialaktion Österreichs „72 Stunden ohne Kompromiss“ mit 45 Jugendlichen aus den Dekanaten Weyer und Steyr im Keller der Pfarrbaracke in Ternberg ein Gedenkraum installiert worden. Seither findet hier jährlich eine Gedenkfeier statt, ebenso werden auf Anfrage Führungen angeboten und auch ein pädagogisches Begleitkonzept wurde erarbeitet.

Jubiläums-Gedenken „Flucht & Heimat“

Für das Jubiläums-Gedenken am 28. September 2018 konnte mit dem bekannten Schauspieler Harald Krassnitzer ein prominenter Gedenkredner gewonnen werden, der die Erwartungen mit einer bewegenden und eindringlichen Rede mehr als erfüllte. Krassnitzer zeigte sich begeistert vom Engagement der jungen Menschen und führte vor und nach der Feier viele Gespräche mit Besuchern. Das Motto des heurigen Gedenkens bildete das Begriffspaar „Flucht und Heimat“.

Rettung vor Todesmaschinerie

Anita Buchberger, Beauftragte für Jugendpastoral im Dekanat Weyer, und Reinhard Fischer, Regionskoordinator der Katholischen Jugend Oberösterreich in der Region Ennstal, führten durch die Feier und erinnerten zu Beginn daran, dass auch in den 1930er-Jahren Routen geschlossen wurden, als sich Flüchtlingsströme über ganz Europa zogen, um sich vor der Todesmaschinerie des NS-Regimes zu retten.

Solidarität als Ausweg aus aktuellen Krisen

Nach Grußworten von Landeshauptmann a. D. Dr. Josef Pühringer und des Vorsitzenden der Katholischen Jugend Oberösterreich Robert Aistleitner spannte Harald Krassnitzer den Bogen zur Gegenwart und richtete in seiner Rede einen eindringlichen Appell für mehr Solidarität und Menschlichkeit im gesellschaftlichen Zusammenleben an die ZuhörerInnen. Er erwies sich als scharfer Denker, der gesellschaftliche Fehlentwicklungen erkennt und benennt. Hart ging Krassnitzer mit den aktuell Regierenden ins Gericht: „Die derzeitige Asylpolitik ist nicht nur eine menschenverachtende Politik, die sich an der Stammtisch-Meinung orientiert – sie ist auch bewusst gegen alle Helfenden gerichtet, mit dem Ziel zu zeigen, dass das Gutmenschen-Getue endgültig ausgedient hat.“ Krassnitzer betonte eindringlich, dass er sehr gerne Gutmensch sei, und zeigte sich zutiefst überzeugt, dass nur „das Achten aufeinander, das Bemühen umeinander und das Akzeptieren, dass alle Menschen das Recht auf ein glückliches Leben haben, den Frieden und den Wohlstand in unserem Land sichern können“. Solidarität unter den Menschen sei der einzige Ausweg aus aktuellen Krisen – und diese beginne im kleinsten Raum, indem Menschen miteinander in Verbindung treten, einander näherkommen und das Gespräch suchen, so Krassnitzer. Auf die Ausführungen Krassnitzers folgte minutenlanger Applaus.

Kranzniederlegung vor Pfarrbaracke

Im weiteren Verlauf der Feier erzählte ein junger Mensch aus dem Iran, der mit seiner Familie in Gaflenz heimisch geworden ist, seine Geschichte von Flucht und Heimat. Schließlich wurden die bekannten Namen der Opfer des KZ-Außenlagers Ternberg verlesen und Dechant Friedrich Lenhart sprach ein Gebet. Zum Abschluss wurden vor der Pfarrbaracke Kränze niedergelegt.

Musikalisch gestaltet wurde das Gedenken vom Jugendchor „re-member“, einem Bläser-Ensemble des Musikvereins Ternberg sowie von SchülerInnen der NMS Ternberg. Das Anliegen des Gedenkens in Ternberg wird mittlerweile sehr breit mitgetragen. Als Mitveranstalter fungierten die Markt- und Pfarrgemeinde, der Musikverein, das Rote Kreuz, das Katholische Bildungswerk, die Katholische Frauenbewegung, die Neue Mittelschule, der Siedlerverein und das Mauthausen Komitee Österreich. Zahlreiche Ehrengäste aus der kirchlichen und politischen Öffentlichkeit nahmen am Gedenken teil, u. a. Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer, die Bezirkshauptfrau von Steyr-Land Cornelia Altreiter-Windsteiger und LAbg. a. D. Helmut Edelmayr vom Mauthausen Komitee Österreich.

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