Märchen und Geschichten für Kinder, Kindsköpfe und Kind geblieben - Teil 108
VEILCHEN. Gretchen Hasenmädchen und die Matschmedizin

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Verdauungsprobleme und Blähungen machen vielen Babys sehr zu schaffen. Man nennt das häufig 3-Monats Koliken. Nur dass in manchen Fällen daraus 9 oder sogar 12 Monatskoliken werden, ohne dass eine rechte Ursache gefunden wird. Da alle unsere Kinder von diesem Phänomen geplagt waren, suchten wir einen Heilpraktiker auf. Er riet uns, das Bäuchlein der kleinen mit Veilchen- oder Mandelöl zu massieren. Veilchenöl so sagt man, kann Blähungen und Störungen der Darmfauna beheben und dadurch die Entstehung von Blähungen unterbinden. Beim letzten Besuch bei ihm, fiel mir die folgende Geschichte ein. Ich wünsche allen Lesern ein recht frohes und vor allem gesundes Osterfest und viel Spaß beim Lesen!

"Gwendolyn! Gwendolyyyyyyynnnnn!" schrie Eddie Hasenmann wieder einmal lautstark durch den Wald und hoppelte im Eilzugstempo auf Kräuterfee Gwendolyns Behausung zu. Eddie hatte es heute wirklich eilig. Ostern stand vor der Tür, die Eier wollten von den Hühnern abgeholt und dann bemalt werden und auch die frisch geflochtenen Körbe sollte er noch vom alten Waldschrat besorgen. Da hieß es sich sputen! Zu allem Unheil kam auch noch sein Hasenfrauchen daher und teilte ihm ungeniert mit, dass er auf Gretchen Hasenmädchen aufpassen müsse, weil sie für ihre Mutter, die liebe Hasengroßmama Besorgungen machen müsse - und das am Karfreitag. Aber wenn die lieben Hasenfrauchen sich etwas in den Kopf gesetzt hatten, konnte Eddie nichts machen, da fuhr die Waldbahn drüber! Gott sei Dank gab es seine Freundin die kleine Kräuterfee Gwendolyn. Egal in welche Zwickmühle sich Eddie manövriert hatte, Gwendolyn wusste fast  immer einen Ausweg. Hoffentlich war heute in ihrer Praxis nicht zu viel los! "Gwendolyn, da bist du ja! Du musst mir uuuuuunnnnbedingt helfen! Kannst du ein zwei Stündchen auf unser liebes Gretchen Hasenmädchen aufpassen? Ich muss noch soooo viel erledigen und mein Frauchen ist heute mir nix dir nix davonflaniert!" "Hmmmm"  Gwendolyn dachte kurz nach, dann zwinkerte sie dem schusseligen Osterhasen Eddie vergnügt zu. "Okay, Eddie. Gretchen ist ja schon ein tüchtiges Mädchen, das sich gut selbst beschäftigen kann. Sie soll etwas bei mir in der Praxis spielen - es wird schon nicht so viel los sein, heute." Erleichtert nahm Eddie Gwendolyn in die Arme, drückte ihr einen dicken Schmatz auf die Wange und war auch schon wieder weg.

Gretchen war ein liebes, Fantasie begabtes Hasenkind. Die vielen Ideen sprudelten nur so aus ihr heraus. Auf dem Weg zu Tante Gwendolyn hatte sie viele schöne violette Veillchen gefunden, die wunderbar dufteten. Daraus wollte sie Medizin machen. Oh, Gretchen wusste schon genau, was sie heute spielen würde!" Kaum angekommen, verzog  sie sich in Gwendolyns Apothekerkammer und machte "Matschmedizin". Dazu legte sie die kleinen blauen Blüten in einen Mörser, goß etwas Öl darauf und zergatschte alles zu einer dicken blauen Paste. Gwendolyn lachte amüsiert in sich hinein. "Lass sie nur" dachte sie bei sich, so ist unser Gretchen wenigstens beschäftigt. Da klopfte es plötzlich ans Fenster. "Ach du meine Güte" rief Gwen bestürzt aus, "euch hab ich total vergessen!"

Draußen stand Hebamme Barbara aus dem Dorf unten. Auf dem Arm hielt sie ein kleines Baby. "Liebe Gwendolyn" bat die Hebamme, bitte pass doch kurz auf mein kleines Paulchen hier auf. Die Müllerin liegt in den Wehen und ich hab ihr doch versprochen, nach ihr zu sehen!"

Kaum hatte Gwendolyn den Kleinen übernommen, läutete es  schon wieder an der Tür. "Schnell Gwen, komm mit, ein Notfall! Bauer Lothar hat sich bei Holzarbeiten verletzt. Du musst ihn verbinden, komm schnell!"

Nun war die kleine Kräuterfee ordentlich in der Zwickmühle. Konnte sie den kleinen Buben der Hebamme, der noch dazu ordentlich an Blähungen litt, mit Gretchen Hasenmädchen alleine lassen? "Mach schon, Gwen! Oder willst du, dass der arme Bauer verblutet?!" So kam es, dass Gwen Gretchen das kleine Paulchen in die Arme drückte, und zum schwer Verletzten in den Wald hinauf eilte. Gretchen war mächtig stolz auf ihre Aufgabe. Sie wiegte ihn in ihren Armen hin und her, sang ihm Lieder vor und freute sich, wenn er lachte. Doch plötzlich begann er so laut zu brüllen, dass er ganz blau anlief. Er wollte gar nicht mehr aufhören zu schreien. Paulchens Bäuchlein fühlte sich völlig verkrampft an und er bog sich vor lauter Schmerzen. Gretchen blieb sonderbar ruhig in dieser schwierigen Situation. Sie rieb ihm das Bäuchlein und zog ihn, als das auch nichts nutzte aus um...  Als Gwen zur Tür hereinschaute, war Gretchen eben dabei, Paul mit blauem Matsch einzureiben.  "Um Gottes Willen! Hasenkind, was machst du mit dem Baby!" Schnell schnappte die Kräuterfee das Menschenkind und begann es zu säubern. Gretchen war beileidigt. "Was hab ich denn falsch gemacht, Gwen?" fragte es den Tränen nahe. "Siehst du, er hat sogar aufgehört zu weinen!" Da hielt Gwendolyn ganz perplex inne. "Stimmt! Sag, was hast du denn in diese Paste hineingetan?" "Nichts Besonderes!" grinste Gretchen Hasenmädchen nun gleich viel fröhlicher. "Nur  Veilchen und etwas Mandelöl..." "Eigenartig!" dachte Kräuterexpertin Gwen irritiert. Konnte Veilchen- und Mandelöl tatsächlich bei einer Magen-Darm-Gicht helfen? Offensichtlich hatte das Veilchen dem kleinen Hasenkind gerade sein geheimstes Geheimnis verraten. Gwendolyn gab der Hebamme ihre neue Erkenntnis weiter und so kam es, dass diese plötzlich furchtbar gefragt war im Dorf und die kleine Kräuterfee samt Gretchen noch oft auf klein Paulchen aufpassen durften...

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