„Darauf könnten wir verzichten“

Im Steyrer Stadtteil Ennsdorf – im Hintergrund die Michaelerkirche – haben sich einige Wettbüros eingenistet, zum Leidwesen der Stadtpolitiker und der Anrainer. Foto: Bezirksrundschau
  • Im Steyrer Stadtteil Ennsdorf – im Hintergrund die Michaelerkirche – haben sich einige Wettbüros eingenistet, zum Leidwesen der Stadtpolitiker und der Anrainer. Foto: Bezirksrundschau
  • hochgeladen von Sabine Thöne

Die Wettbüros sind in Steyr wie Schwammerl aus dem Boden geschossen. Die Politik hat wenig Handhabe gegen die unerwünschte Entwicklung. Sie fordert strenge Kontrollen.

STEYR (sth). Wetten, dass bald wieder eines aufsperrt: In Steyr gibt es mittlerweile 15 Wettbüros, die vorwiegend in den Stadtteilen Ennsdorf (Bahnhofviertel) und Tabor angesiedelt sind. Den Traum vom schnellen Geld in den oft dämmrigen, mit Teppichen ausgelegten und Fernsehern bestückten Hallen träumen vor allem Migranten.

Hoher Ausländeranteil
Die Spieler setzen auf Sport- und sonstige Wetten. „99 Prozent unserer Kunden sind Männer, davon haben mehr als neunzig Prozent Migrationshintergrund“, erzählt die Mitarbeiterin eines Wettbüros im Bahnhofsviertel, das insgesamt einen hohen Ausländeranteil hat. Auch das gastronomische Angebot (Kebab-Lokale, Pizzerien) im historischen Stadtteil wird hauptsächlich von Migranten abgedeckt.

Zwar ist die Lage bis auf einen bewaffneten Wettbüro-Überfall am 4. Dezember im Stadtteil Tabor ruhig, Freude mit den Spielstätten hat aber niemand. Sie passen nicht so recht zum Image der Einkaufsstadt Steyr, die gern mit einem bunten Branchenmix und attraktiven Auslagen wirbt.
„Auf die Wettbüros könnten wir verzichten“, sagt Vizebürgermeister Gunter Mayrhofer (Wahlbündnis VP-Bürgerforum) lakonisch. Rechtlich seien der Stadt jedoch die Hände gebunden, sagt er und fordert im Gegenzug verstärkte Kontrollen der Polizei. „Das macht das Ganze ungemütlich für die Betreiber und bringt sie in die Defensive“, meint Mayrhofer. Dazu Steyrs stellvertretender Polizeidirektor Günter Tischlinger: „Wir verschließen nicht die Augen davor. Es gibt regelmäßig Kontrollen.“ Überprüft wird in Sachen Betriebsbewilligung und Jugendschutz.

20 Automaten beschlagnahmt
Ein Problem seien die illegal betriebenen Glücksspielautomaten, sagt Tischlinger. Im Vorjahr hat die Polizei Steyr 20 Spielautomaten beschlagnahmt und davon bereits sieben rechtskräftig eingezogen. Die Verwaltungsstrafen betragen bis zu 22.000 Euro.

Druck auf Hausbesitzer ist groß
Auch Vizebürgermeister Walter Oppl (SP) kann den Wettbüros nichts abgewinnen. Die wachsende Zahl sei „keine erfreuliche Entwicklung“ und dem Image Steyrs nicht zuträglich.
Grünen-Chef Kurt Apfelthaler zur Problematik: „Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Viele Geschäfte im Ennsdorf sind abgestorben, die Leerstände nehmen zu.“ Es gelte, die Hausbesitzer zu begleiten und unterstützen, „wenn man diese Entwicklung nicht will”, schlägt er vor. Die Leerstände lassen sich oft nur schwer vermieten – eine hohe Nachfrage besteht aber offensichtlich bei den Betreibern von Spielhallen.
„Viele Besitzer vermieten aus der Not heraus, bevor ihre Immobilie jahrelang leersteht. Der finanzielle Druck ist groß“, weiß Stadtmarketing-Chef Alfred Pech. Er arbeitet im Auftrag der Stadt gemeinsam mit den Bewohnern im Ennsdorf an einem Stadtteil-Entwicklungsprogramm und ist bemüht, auch die Wettbüro-Flut und den damit verstärkten Attraktivitätsverlust des Stadtteils hintanzuhalten.

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