"Den Vertretern entgegne ich jetzt viel schlagfertiger"

Regina Zöttl bei der Arbeit.

MARIA NEUSTIFT, STEYR. "Der Laie denkt, hier haben wir nur mit Leichen zu tun und reden den ganzen Tag nicht. Dabei ist es absolut kein stiller Job." Die 27-jährige Regina ist mit Feuereifer bei der Arbeit. Die Pathologie ist die größte Ambulanz in Steyr. Tagtäglich landen hier Abstriche und Gewebeproben, die untersucht werden. Es geht um die Erkennung von Infektionskrankheiten und die Diagnostik von Krebs. "Viele Leute wissen gar nicht, dass die Abstriche, die sie regelmäßig machen lassen, alle bei uns landen", erklärt sie. "Deshalb wollen wir klar machen, dass die Pathologie die weitreichenden und spannenden Gebiete Histologie (Gewebelehre), Zytologie (Zelllehre), Mikrobiologie (Identifizierung von Keimen) und Serologie (Nachweis von Erregern und Antikörper im Blut) umfasst." Die Hauptaufgabe in der Tätigkeit klinischer Pathologen liegt in der Erbringung diagnostischer Leistungen für fast alle medizinische Bereiche. Ohne Pathologie gibt es keine Tumordiagnostik. Adäquate Untersuchungstechniken sind vielfach Grundlage moderner Krebstherapien. Auch in der Erkennung von Krebsvorstufen und der Diagnostik von Infektionskrankheiten nehmen Pathologen eine entscheidende Funktion ein. Am LKH Steyr ist Regina Zöttl seit Juli 2011 beschäftigt. Nach ihrer Ausbildung an der Fachhochschule Steyr für Biomedizinische Analytik war sie zuvor noch zwei Jahre im Krankenhaus Wels tätig.

Rückhalt von der Familie

Regina ist eine der Biomedizinischen Analytiker im Team. Ihre Redegewandtheit, ihr Allgemeinwissen und ihre Spontanität brachten ihr dieses Jahr den Titel "beste Spontanrednerin Österreichs" ein. In zwei Bewerbstagen setzte sie sich gegen die Créme de la Créme der Redner aus dem ganzen Land durch. Gehört hatte sie vom Wettbewerb, der von der Landjugend organisiert wird, bereits während der Schulzeit, in der HBLA Linz. "Man kann zwar schon früher antreten, aber ich bin gegen eine Teilnahme unter 18 Jahren", erklärt Regina. "Meiner Meinung nach entwickelt man Interessen an Themen wie zum Beispiel Politik erst im reiferen Alter." Vier Tage verbrachte sie in St. Lambrecht in der Steiermark, wo das Ganze stattfand. Von ihren Eltern und sechs Geschwistern wurde sie stets unterstützt.

"Die Rede muss originell, kurz und prägnant sein"
Die Teilnahme ist nur bis zu einem Alter von 35 Jahren möglich. "Man will die Jugend fördern", so die Spontanrednerin aus Maria Neustift. "Ich finde es schlimm, wenn junge Leute sagen, sie haben keine Meinung. Man muss doch eine Meinung haben! Ich finde das Projekt toll." Beim Finale wird das Thema gewürfelt, aus insgesamt sechs Überthemen (Sport und Gesellschaft, Allgemeinbildung, Kultur und Brauchtum, Landwirtschaft und Umwelt, Young/International und Service/Organisation) wird dann ein bestimmter Bereich gezogen. Eine Minute haben die Teilnehmer daraufhin Zeit, sich eine Rede zu überlegen, die eine originelle Einleitung, Fakten und die eigene Meinung beinhalten soll, sich jedoch innerhalb des 2-4 Minuten Intervalls bewegt. "Es geht darum, zu lernen, ein Thema kurz und prägnant darzulegen und nicht auszuschweifen" so Regina. Aber sie weiß auch aus eigener Erfahrung, dass der Erfolg extrem abhängig ist von Tagesverfassung und von der Aufgabe. Auf die Frage nach der Vorbereitung kann man schon den Ehrgeiz in ihren Augen erkennen. "Man braucht einfach ein enormes Allgemeinwissen. Also habe ich begonnen, meine Aufmerksamkeit bewusst mehr auf die Medien zu lenken. Ich habe sehr viel gelesen, sei es in Zeitschriften, Büchern oder im Internet. Und ich habe begonnen, mir die Nachrichten viel bewusster anzusehen, als ich es zuvor getan habe. Das war eine interessante Erfahrung."

"Ich habe Freudentränen geweint"
Ein Grundtalent zum Reden ist bei der 27-jährigen mit Sicherheit vorhanden. Schon alleine im Elternhaus mit sechs Geschwistern geht es nicht immer still zu. Außerdem ist Regina in der Landjugend aktiv, beim Volkstanz, sie musiziert und moderiert ihre Auftritte zugleich selbst, gespickt mit Witzen und Anekdoten. Aber auch wenn sie es liebt vor Leuten zu reden, eine Grundnervösität ist immer vorhanden. "Der Druck, den ich mir vor dem Finale gemacht habe, war gleichzusetzen mit dem Druck vor der Diplomprüfung" sagt sie. "Ich wusste, dass es nicht leicht werden würde, weil die besten Redner des Landes teilnehmen, aber ich wollte unter die ersten kommen." Und sie schaffte mehr als das. Nach ihrer ergreifenden Rede vor 300 Zusehern und einer ausgewählten Jury zum Thema "Halloween und Valentinstag - neuer Trend oder Geschäft für die Wirtschaft?" wurde sie zur diesjährigen Siegerin gekürt. "Ich habe Freudentränen geweint", strahlt die glückliche Gewinnerin. "Die Nächte danach konnte ich kaum schlafen, ich bin immer wieder aufgewacht und dachte ich muss jetzt eine Rede halten. Dann fiel mir ein - nein, ich bin schon die beste Spontanrednerin Österreichs."

Nebenberuflich könnte sich Regina auch in der Zukunft vorstellen, aus ihrem Talent etwas zu machen. "Es würde mich reizen, zum Radio zu gehen, aber das steht alles noch in den Sternen." Vorerst hat sie mit ihrem Job in der Pathologie und den diversen Engagements nebenbei genug zu tun. Außerdem freut sie sich auf ihren Gewinn: Neben Pokal, Medaille und Urkunde bekam sie eine Reise nach Berlin. Und sie darf es genießen, den Titel "Beste Spontanrednerin Österreichs" zu tragen.

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