Predigt am Palmsonntag
Die Karwoche in Zeiten von Corona

Derzeit kein Gottesdienst: Sissy Kamptner, Leiterin der Pfarre Christkindl, in ihrer Predigt über die Karwoche.
  • Derzeit kein Gottesdienst: Sissy Kamptner, Leiterin der Pfarre Christkindl, in ihrer Predigt über die Karwoche.
  • Foto: Pfarre Steyr-Christkindl/Kamptner
  • hochgeladen von Lisa-Maria Auer

Predigt am Palmsonntag von Sissy Kamptner, Leiterin der Pfarre Steyr-Christkindl.

STEYR & STEYR-LAND. Am Palmsonntag hat die Karwoche begonnen. Die Karwoche ist pures Leben. Für mich ist sie immer wieder ein Einüben ins Leben. Alles Menschliche und Unmenschliche kommt vor, auch das Leben in Coronazeiten. Jesus kommt nach Jerusalem, die Menschen jubeln ihm zu, das ist der Palmsonntag. Er erinnert uns an die großen Freuden, die Höhepunkte im Leben, das gemeinsame Feiern, das wir jetzt vermissen. Aber wir wissen, wie schnell nach diesem gemeinsamen Feiern die Stimmung gekippt ist. Kurze Zeit später rufen sie: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ Auch in der jetzigen Situation gibt es manchmal die Sorge, dass die Stimmung kippen könnte, wenn es noch länger dauert mit dem so eingeschränkten Leben.

Gründonnerstag

Zwischen Palmsonntag und Karfreitag liegt der Gründonnerstag. Wir erleben derzeit, dass die Menschen einander helfen und gut sind, dass der Mensch vielleicht doch im tiefsten Wesen gut ist. Jesus gibt uns in Sachen Liebe den Weg vor. Er rennt nicht weg, als es gefährlich wird, er rettet nicht seine Haut. Er isst wie immer mit seinen Freunden, aber Jesus spürt, dass es das letzte Mal/Mahl ist. Er sagt seinen Freunden: Tut das immer wieder miteinander, das braucht ihr, das stärkt euch. So bin ich bei euch, im Brot, dem Zeichen für das Leben im Alltag, im Wein, dem Zeichen für das Fest und die Freude.

Jesus bleibt sich zutiefst treu, er geht konsequent seinen Weg, er lebt die Liebe, die Hingabe und das Ganz-für-andere-da-sein, wie es viele Menschen jetzt auch tun in verschiedensten Berufen oder daheim bei der Familie. Manche tun das auch bis zum Äußersten. Denken wir zum Beispiel an Ärzte und Krankenschwestern in Italien oder in anderen Ländern, die an Covid19 gestorben sind. Nach dem Essen geht Jesus auf den Ölberg. Er weiß, was auf ihn zukommt. Es gibt kein Entrinnen. Seine Freunde lassen ihn aus Angst im Stich, sie verfolgen die eigenen Interessen. Das erleben wir auch in der jetzigen Situation.

Gott leidet mit uns mit

Eine Bekannte, deren Geschäft geschlossen ist, hat mir erzählt, dass sich jetzt die wirklichen Freunde zeigen.
Allein und einsam geht Jesus den letzten Weg. Diese Einsamkeit erleben und spüren derzeit wohl viele Menschen ganz besonders. Am Karfreitag ist alles, wirklich alles Leid auf unserer Welt mitgemeint: überall dort, wo Menschen krank sind, unterdrückt werden, ausgestoßen sind und wo Menschen Unmenschliches ertragen müssen. Wir wissen nicht, warum Gott das zulässt, aber wir wissen, dass er mitleidet. Unser Gott ist ein mitleidender, ein sympathischer Gott.

Karsamstag: Jesus ist tot

Am Karsamstag dann die Schockstarre: Jesus ist tot. Die Schockstarre kennen auch die, die gekündigt wurden, die ihr Geschäft von einem auf den anderen Tag zusperren mussten, die nicht wissen, wie sie ihr Leben jetzt bestreiten sollen, alle, die jemanden durch dieses Virus verloren haben.
Wie soll es weitergehen? Bleiben Resignation, Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung? Nein. Es gibt Licht am Ende des Tunnels, heißt es jetzt immer wieder. Es wird vorbeigehen, aber wir müssen noch durchhalten.
Dass wir noch durchhalten müssen, gilt auch für uns Christinnen und Christen - bis zur Osternacht. Das ist die Nacht, die jedes Dunkel erhellt, die einen Ausweg schafft in Ausweglosigkeit, die Hoffnung einpflanzt in aller Hoffnungslosigkeit, die Vertrauen schenkt in Verzweiflung, die durchhalten lässt, was kaum auszuhalten ist. Das ist die Nacht, in der das Leben aufbricht und nicht mehr aufzuhalten ist. Und das für immer.

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