Alpinpolizei
Die Uhr tickt bis zum tödlichen Knick

Schnee wird hart wie Beton: Für Alpinpolizei, Bergrettung & Feuerwehr zählt im Ernstfall jede Sekunde. Opfer sollen befreit werden, gleichzeitig soll nicht noch jemand in Gefahr geraten.
  • Schnee wird hart wie Beton: Für Alpinpolizei, Bergrettung & Feuerwehr zählt im Ernstfall jede Sekunde. Opfer sollen befreit werden, gleichzeitig soll nicht noch jemand in Gefahr geraten.
  • Foto: LPD OÖ
  • hochgeladen von Lisa-Maria Auer

Weiße Pracht wird zur gefährlichen Waffe. Sekunden entscheiden ab jetzt über Leben und Tod.

STEYR-LAND. Wenn Manfred Garstenauers Einsatztelefon klingelt, dann kommt sie: die Anspannung. Jetzt geht alles ganz schnell, mit nur wenigen Handgriffen ist das benötigte Equipment beisammen. In Gedanken ist man schon wo anders. Ticktack. Das, was jetzt kommt, ist ungewiss. Los geht er, der Wettlauf gegen die Uhr.

Bergrettung & Feuerwehr

Bezirksinspektor Garstenauer ist Leiter der alpinen Einsatzgruppe in Kirchdorf. Seit 20 Jahren ist der Großraminger in dieser Sonderfunktion der Polizei tätig. Garstenauers Team setzt sich aus zehn Personen von verschiedenen Dienststellen zusammen. Mit Andreas Buder gibt es neben Garstenauer noch einen zweiten Alpinisten im Bezirk Steyr-Land. Im Einsatzfall wird man zusammengezogen. Die weitere Mannstärke bringt die enge Zusammenarbeit mit Bergrettung und Freiwilliger Feuerwehr mit sich. Zwar meinte es Frau Holle in den letzten Wochen ganz gut mit uns – aus dem vermeintlichen Schneesegen wurde in vielen Alpenregionen aber Stufe vier der fünf möglichen Lawinenwarnstufen. Eine kleine Belastung reicht da schon aus, um die Schneemassen in Bewegung zu versetzen. Gut geformt von Wind und Wetter geht das bei hoher Warnstufe dann auch schon ganz spontan.

Baumeister der Lawinen

Auf der Suche nach Nervenkitzel werden immer wieder Warnungen übersehen oder abgetan. Entsprechende Absperrungen sind schnell überwunden. Die Leidtragenden sind neben Opfer und Angehörigen auch die Einsatzkräfte. „Im Ernstfall lässt dich das Adrenalin etwas weiter gehen als privat. Du möchtest ja helfen“, beschreibt Garstenauer seinen Job als Alpinpolizist. Schwierig sei in erster Linie, abzuwägen, wann die Gefahr für das Rettungsteam zu groß ist. „Hat der Verschüttete in der Lawine eine Atemhöhle zur Verfügung, dann sagt man, kann er in etwa 15 Minuten überleben. Dann kommt meist der tödliche Knick“, erklärt der Alpinpolizist. Zwar erreichen heimische Gipfel nicht immense Höhen, trotzdem sind laut Garstenauer speziell im Bezirk Stey-Land Alpinereignisse mehr geworden: „Unser Dienstjahr startet Anfang November. Seither gab es schon viele Rettungen.“

Skitourengeher werden mehr

Garstenauer führt das unter anderem auf den Skitourentrend zurück: „Ausrüstungen für Tourengeher werden mittlerweile fast genau so oft ausgeborgt wie normale Skiausrüstungen. Gut, dass sich die Menschen mehr bewegen. Aber: Wenn etwas passiert, muss man vorbereitet sein“, betont der Großraminger. Ob ein Hang tatsächlich abgeht oder nicht, könne man nicht wissen: „Jede Lawine hat ihre pikanten Punkte. Da können vorher 15 Leute runtergefahren sein. Und beim 16. geht sie ab. Erwischt du den Punkt, gehörst du der Katz'.“

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Der Lawinenwarndienst des Landes Oberösterreich informiert über Lawinengefahr, Schnee, Wetterdaten und Messstationen. Täglich um 17 Uhr erscheint der Prognosebericht auf www.lawine.at

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