Vortrag
Echte Verkehrswende statt Elektroauto-Hype

Am Mittwoch, 20. November, referierte der deutsche Verkehrsexperte und Buchautor Winfried Wolf auf Einladung von Klimafocus Steyr, Initiative Grüngürtel statt Westspange und Solidarwerkstatt im Treffpunkt Mensch & Arbeit zum Thema „Mit dem Nulltarif zur Verkehrswende, statt mit dem Elektroauto in die Sackgasse“.
STEYR. Seine zentrale Aussage: Der derzeitige Elektroautoboom dient nicht der Klimarettung, sondern dazu, der Automobilindustrie einen zweiten Frühling zu verschaffen. Wenn wir eine Klimakatastrophe verhindern wollen, brauchen wir eine echte Verkehrswende, die den Autoverkehr unabhängig von der Antriebsart dramatisch reduziert. Winfried Wolf skizziert eine solche echte Verkehrswende, durch die in Österreich der Anteil des Autoverkehrs auf unter 10 Prozent reduziert werden könnte.
1. Absoluter Vorrang für die umweltfreundlichen Formen der Mobilität (Öffentlicher Verkehr, Radfahren, Fußgehen) und Benachteiligung von Auto- und Flugverkehr. Dazu gehört der sofortige Stopp des Baus neuer Autobahnen und Flugpisten ebenso wir die Senkung der Tempolimits z.B. Tempo 100 auf Autobahnen, 80 auf Bundesstraßen und 30 in den Städten
2. Einführung des Nulltarifs auf Öffentlichen Verkehrsmitteln, da Erfahrungen in Städten und Regionen, in denen der Nulltarif eingeführt wurde, zeigen, dass dadurch viele Menschen zum Umstieg auf Bahn, Bus und Bim angeregt werden. Eine deutliche Verbilligung des ÖVs (z.B. 365 Euro-Jahres-Tickets für den gesamten ÖV) sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
3. Die Eisenbahn muss vor allem in der Fläche mit einem dichten Takt – siehe Schweiz - ausgebaut werden, statt Milliarden in riesige Tunnelprojekte zu investieren. E-Mobilität muss heißen, dass die Bahn vollständig elektrifiziert wird.
4. Ausbau des Radverkehrs auf einen Anteil von zumindest 20 bis 30% in den Städten. Wie das geht zeigt Kopenhagen mit einem Radfahranteil von über 50%.
5. Politik der kurzen Wege, d.h. eine Raumplanung, die Wohnen, Arbeit, Ausbildung und Freizeit wieder räumlich näher zusammenbringt.
6. Bevor der Güterverkehr auf die Schiene gebracht wird, muss er um Zwei Drittel reduziert werden. Das erfordert klare Regulierungen. Denn die Politik des hemmungslosen Freihandels und der „freien Marktwirtschaft“ hat zu der absurden Entwicklung geführt, dass jährlich Dutzende Millionen Tiere und Unmengen landwirtschaftlicher Produkte über tausende Transportkilometer verfrachtet werden, obwohl diese regional genauso erzeugt werden könnten.
7. Es braucht eine öffentliche Kontrolle der Autoindustrie, um die Konversion – also die Umstellung auf neue umweltfreundliche Produkte – zügig und sozial verträglich organisieren zu können.
Winfried Wolf: „Wenn wir diese Ziele ins Zentrum rücken und verwirklichen, dann kann der Anteil des PKW-Verkehrs auf 5-10% in den Städten und am Land auf 15-20% reduziert werden; unter dem Strich heißt das: weniger als 10% österreichweit. Dieser verbleibende Rest kann dann gerne auf E-Autos, auf 3-L-Auto, Brennstoffzelle und Carsharing umgestellt werden.“
Winfried Wolf appellierte abschließend, trotz dieser enormen Herausforderungen nicht zu verzagen: „Wer hätte vor einem Jahr prognostiziert, dass heuer Millionen von vor allem jungen Menschen für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit streiken und auf die Straße gehen!“ Er ermutigte daher, sich mit diesen Ideen für eine echte Verkehrswende in die großartige Klimabewegung tatkräftig einzubringen, vor Ort Initiativen zu gründen und am 29. November bei den nächsten großen Klimastreikaktionen mitzumachen.

Autor:

Sandra Kaiser aus Steyr & Steyr Land

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