Almwandern
"Unsere Weiden sind kein Streichelzoo" – mit Umfrage!

Warnschilder wurden bereits angebracht.
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  • hochgeladen von Sandra Kaiser

Immer wieder kommt es zu Vorfällen zwischen Wanderern mit Hund und Weidevieh.

STEYR, STEYR-LAND, KIRCHDORF. STEYR-LAND. Mitte Mai passierte ein Vorfall in Reichraming: Drei Frauen gingen mit einem Hund durch einen eingezäunten Weidebereich. Ein Warnschild machte auf die Gefahr aufmerksam. Als die Frauen in der Nähe der Tiere waren, trat eine Kuh einer der Frauen gegen das Bein. Sie musste mit schweren Verletzungen mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Tiere beobachten

„In unserer Region hat das Weiden der Rinder eine lange Tradition. Auch der Umstieg auf die biologische Wirtschaftsweise hat verstärkt Weidehaltung zur Folge. Für Wanderer ist wichtig zu beachten: Unsere Weiden sind kein Streichelzoo. Weidetiere sind beim Durchqueren immer gut zu beobachten und am besten großräumig zu umgehen. Besonders in Hunden sehen Rinder eine potentielle Bedrohung, was zu Attacken führen kann", sagt die Landtagsabgeordnete und Bezirksbäuerin von Steyr, Regina Aspalter. Auch sie selbst betreibt Weidehaltung in Maria Neustift: "Bei uns geht aber kein Wanderweg durch den Grund."

Kirchdorfs Bauernkammer-Obmann Andreas Ehrenhuber sagt: "Der Fall in Reichraming gibt mir sehr zu denken. Es wird soviel darauf hingewiesen, dass man sich von den Tieren auf der Weide fernhalten soll. Seit der Corona-Zeit fällt auf, dass die Naturraumnutzer – speziell Mountainbiker und Wanderer – teilweise sehr unverschämt werden." Mountainbiker, schildert Ehrenhuber, fahren überall herum, halten sich oft nicht an Wege. Ausflügler machen im langen Gras ein Picknick, "und wenn man sie darauf anspricht, wird man oft übel beschimpft".

Respektvoller Umgang

Nach dem Kuh-Urteil in Tirol ist die Verunsicherung unter den Almbauern groß. Ein steirischer Landwirt hat als Konsequenz die Wanderwege gesperrt. "Keiner möchte die Almen vor unseren Gästen verschließen, es soll schließlich jeder die Möglichkeit haben, die Kulturlandschaft zu erkunden. Aber wir wünschen uns den respektvollen Umgang mit unseren Tieren und mit der Natur und auch das Einhalten der Verhaltensregeln", sagt Edeltraud Huemer, Bezirksbauernkammer-Obfrau Kirchdorf-Steyr.
Mit Tafeln wird bei den Weiden im Bezirk auf die Gefahr durch die Weidetiere aufmerksam gemacht. "Seit Jahren werden Tafeln aufgestellt, Verhaltensregeln gepredigt und an die Eigenverantwortung appelliert! Ich kann nicht verstehen, warum das manche Leute ignorieren", so Huemer.

Versicherungsschutz

In Oberösterreich wurde bereits 2019 die bestehende Wegeerhalter-Haftpflichtversicherung explizit auf „Schadensfälle durch Weidevieh“ ausgedehnt. Nun haben der oberösterreichische Almverein und die OÖ. Versicherung eine Versicherungslösung zur Deckung verbleibender Risiken abgeschlossen. „Mit der Tierhalterhaftpflicht ist es jetzt gelungen, für die Mitglieder des Almvereins ein Sicherheitsnetz aufzuspannen“, freute sich Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Die abgeschlossene Versicherung sieht einen Haftpflichtschutz von 2,5 Millionen Euro pro Schadensfall ergänzend zur landwirtschaftlichen Haftpflicht am Hof des Almbauern vor. Es handelt sich hier um einen Komplettschutz. Alle Varianten der Risikotragung wurden berücksichtigt und sind ab der jetzt anlaufenden Saison abgedeckt. Die monatliche Prämie in der Höhe von 1000 Euro trägt das Land Oberösterreich. Begeistert von der neuen Haftpflichtversicherung zeigte sich Almobmann Johann Feßl: „Der Versicherungsschutz ist lückenlos. Das ist wichtig für Bauern, Almwirte und alle, die damit befasst sind, die Tiere zu betreuen. Ich bin sehr froh, dass wir nun zumindest die rechtlichen Risiken gut eingefangen haben." Abgesehen von der juristischen Auslegung, so Feßl war ein wichtiger Schritt, die Eigenverantwortung anderer Personen rechtlich anzuerkennen. "Daher fehlte nur mehr die Versicherung der verbleibenden Risiken für die Tierhalter, welche wir nun sauber aufgearbeitet haben. Ich gehe entspannter in den Almsommer.“ Sein Tipp für die Almbesucher, abgesehen vom Beherzigen der Verhaltensregeln, lautet übrigens: einen hölzernen Wanderstock mitnehmen. "Er erfüllt mehrere Funktionen – unter anderem jene, sich wenn nötig Respekt zu verschaffen."

Kein "Freifahrtsschein" für Wanderer

Andreas Ehrenhuber ergänzt: "Die Versicherung ist sicher wichtig, um den Landwirt möglichst schadfrei zu halten. Es darf aber dadurch kein Freifahrtsschein für die Wanderer entstehen. Ich appelliere an alle Naturraumnutzer, sich an die Spielregeln zu halten. Wir Landwirte gehen ja auch nicht einfach in die Hausgärten und machen es uns dort gemütlich."

Die Verhaltensregeln

• Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten.
• Ruhig verhalten, Weidevieh nicht erschrecken.
• Mutterkühe beschützen ihre Kälber. Begegnung von Mutterkühen und Hunden vermeiden!
• Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch ein Weidetier abzusehen: Sofort ableinen.
• Wanderwege auf Almen und Weiden nicht verlassen.
• Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen.
• Beim Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen.
• Schon bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche zügig verlassen.
• Zäune sind zu beachten! Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen, danach wieder gut schließen und Weide zügig queren!
• Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt.


Autor:

Sandra Kaiser aus Steyr & Steyr Land

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