Wenn Helden Hilfe brauchen

Die Übungen(Bild) und die Ausbildung bereiten die Feuerwehrler auf Extremsituationen vor.
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  • Die Übungen(Bild) und die Ausbildung bereiten die Feuerwehrler auf Extremsituationen vor.
  • Foto: Peter Röck
  • hochgeladen von Sandra Kaiser

STEYR. "Zwei Mal war ich dabei, als es bei einem Einsatz einen Toten gab", erzählt Matthias Straßer. Der 37-Jährige ist Atemschutzträger und bei der FF Steyr Löschzug 3 Gleink im Einsatz. "Es ist sicher keine angenehme Situation, aber man muss den Einsatz abschließen. Man macht sich da nicht groß Gedanken, dass da ein Toter in der Wohnung oder im Haus ist. Erst nach dem Einsatz wird einem das so richtig bewusst", so Straßer weiter. Verarbeitet kann man diese Extremsituation laut Straßer am besten durch Reden. "Nach dem Einsatz wird mit den Kameraden darüber gesprochen. Es ist das Beste, was man in so einer Situation tun kann. Und es funktioniert bei der Feuerwehr Steyr durch die gute Kameradschaft." Seit 1996 ist Straßer im Aktivstand der Feuerwehr.
Ans Aufhören denkt er nicht. "Das sind wirklich Extremsituationen. Und dafür mache ich das viel zu gern". Der Feuerwehrmann gibt aber auch zu Bedenken, dass die Situation anders ist, wenn beispielsweise ein Familienmitglied betroffen ist oder er das Opfer kennt.

Bilder wirken nach

Hilfe für Feuerwehrleute nach belastenden Einsätzen bietet das Steyrer SvE-Team (= Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen). Ernst Schwarzmüller vom Löschzug 4 Christkindl ist Teamkoordinator. "Wir haben 2015 zu dritt die Ausbildung dafür an der Landesfeuerwehrschule absolviert." Mittlerweile stehen fünf sogenannte Peers in Steyr zur Verfügung. "Oft wirken die Bilder aus schlimmen Einsätzen noch lange nach und können sogar den Alltag belasten und die Einsatzbereitschaft herabsetzen. Solche gefühlsintensiven Reaktionen nach schockierenden Einsätzen sind dabei völlig natürlich und können auch erfahrene Kameraden betreffen", erklärt Schwarzmüller.
Das SvE-Team wird bei Bedarf angefordert. Ist der Einsatz abgeschlossen, werden Gespräche mit der Mannschaft geführt. "Wir werden dort eingesetzt, wo Betroffenheit da ist. Beispielsweise wenn es um die Bergung von Todesopfern nach Unfall oder Brand geht, wenn trotz engagierten Einsatzes Rettungsversuche erfolglos bleiben oder wenn das Opfer ein Feuerwehrkamerad ist". Schwarzmüller weiß, dass viele mit niemandem reden können. "Dabei ist es so wichtig, über das Geschehene zu sprechen". Das Team in Steyr ist noch auf der Suche nach Feuerwehrlern, die sich zu Peers ausbilden lassen wollen.
Das erste Mal zum Einsatz kam das SvE-Team vergangenen Sonntag bei der Bergung einer Leiche aus der Steyr. "Zwei Leute von uns waren vor Ort. Es war völlig richtig, uns zu diesem Einsatz dazu zu holen", so Schwarzmüller.

"Bei einem Einsatz funktioniert man einfach"

"Ich erinnere mich an einen sehr schweren Unfall auf der Nordspange. Ein ehemaliger Polizeikollege ist dabei frontal gegen einen Lkw gekracht. Die Alarmierung lautete damals eingeklemmte Person. Als wir an der Unfallstelle angekommen sind, war es ein fruchtbares Bild. Das war wirklich nicht leicht", erzählt Bezirksfeuerwehrkommandant Steyr-Stadt Thomas Schurz. Verarbeitet werden solche Erlebnisse laut Schurz am besten durch Reden. "Es ist wichtig, darüber zu reden und nicht in sich hinein zu fressen". Bei den Einsätzen wird auch darauf geachtet, wer bei solchen extremen Situationen eingesetzt wird. "Kameraden, die das nicht machen wollen oder können, werden anderswo eingesetzt". Nach dem Einsatz wird geredet. "Bei einem Einsatz funktioniert man einfach. Wenn das Pipserl losgeht, ist das ein Adrenalinstoß, weil man nie weiß, was einem erwartet". Durch die Übungen und Ausbildungen wird vieles eintrainiert. "In dem Moment hat man nicht die Zeit zum Überlegen. Erst nach dem Einsatz wird vieles realisiert. Wird ein Einsatz begonnen, ist es wichtig, diesen auch abzuschließen", so Schurz.

Die Übungen(Bild) und die Ausbildung bereiten die Feuerwehrler auf Extremsituationen vor.
Thomas Schurz (li.).

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