Podiumsdiskussion
"Zahl der Wölfe wird zunehmen"

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Die BezirksRundschau lud gemeinsam mit der Bezirksbauernkammer Kirchdorf Steyr zur Diskussion.

STEYR, KIRCHDORF. Das Thema "Wenn der Wolf kommt..." lockte rund 220 Leute ins Gasthaus Mandl in Ternberg. „Ja, die Wölfe werden zunehmen. Wenn man die Entwicklung rundherum anschaut, wird das bei uns an der Grenze nicht halt machen. Es kann halt länger dauern. Ganz ausklinken werden wir uns nicht können", erklärte Bärenanwalt und Wolfsbeauftragter Georg Rauer. Er gab einen Überblick der Ist-Situation in Österreich: 19 bis 22 Wölfe leben in Österreich in Rudeln. Dazu kommen neun bis zwölf Einzelwölfe.
Helmut Mülleder, Leitender Referent für Jagd und Fischerei, Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landes Oberösterreich, zeigte die rechtliche Situation auf. „Landwirte sollen nicht alleingelassen werden, wenn sie Schäden durch den Wolf haben. Diese Schäden sollten beglichen werden und das werden sie ja auch seit zwei Jahren.“ Mülleder wies aber auch darauf hin, dass im Falle eines Wolfsrisses oder einer Wolfssichtung alles genau dokumentiert werden muss. „Nur mit Datenmaterial kann man Schritte setzen.“

Wolf hat Imageproblem

Über den Österreichischen Managementplan gab Gottfried Diwold von der Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landesforstdienstes Oberösterreich Auskunft. „Erst kritische Situationen werden zeigen, ob die Behörden notwendige Maßnahmen setzen können. Dann sieht man, ob der Managementplan greift.“ „Der Wolf hat ein Imageproblem, weil wir vom Märchen geprägt sind. Österreichweit haben wir aber eine höhere Problematik durch Hundebisse oder -risse, als beim Wolf. Das wird aber weniger thematisiert. Wenn man auf den Wolf schaut, muss man auch auf den Hund schauen", gab Volkhard Maier, Direktor des Nationalpark Kalkalpen zu bedenken. Auch in Sachen Tourismus und Wolf sieht Maier keine Probleme. „Ich gehe nicht davon aus, dass der Tourismus zurückgeht, weil wir jetzt den Wolf haben.“

Brauchen keinen Wolf

Großen Zuspruch erhielt Almbauernobmann und Bürgermeister Johann Feßl. "Eine Rückkehr des Wolfs ist mit Almwirtschaft nicht vereinbar. Aus meinen Erfahrungen, die ich in der Schweiz gemacht habe, sind die Probleme dort größer als in Deutschland. Und die haben eine ähnliche Struktur wie wir in Österreich".
Uli Ahrer, Bäuerin aus Weyer und Mutter von drei Kindern, wohnt gegenüber dem Hof, wo im Mai letzten Jahres ein Schaf gerissen wurde. "Ich habe meinen Kindern gesagt, sie dürfen nicht mehr zu weit weggehen." Fragen aus dem Publikum drehten sie unter anderem um die Kosten, die die Rückkehr des Wolfes verursachen. "Wir brauchen keinen Wolf", so die Meinung eines Großteils des Publikums. „Auf dem Land wird sicher jeder nein sagen zum Wolf", so Michael Schwarzlmüller, Vizebürgermeister von Reichraming. "Spannend wird´s, wenn der Wolf schneller ist als die Bergrettung." 

Statements der Podiumsteilnehmer:
Georg Rauer, Wolfsbeauftragter und Bärenanwalt
In den letzten 50 Jahren ist eine deutliche Ausbreitung der Wölfe durch die Regulierung der Jagd in Europa erkennbar.

Insgesamt betrachtet befinden wir uns in einem Raum, wo Wölfe zu uns vorstoßen können – vor allem Jungtiere – so entstehen dann Rudel andererorts. Das ist in der Biologie des Wolfs begründet.

Ja, die Zahl der Wölfe wird zunehmen. Wenn man die Entwicklung rundherum anschaut, wird das bei uns an der Grenze nicht halt machen. Es kann halt länger dauern. Ganz ausklinken werden wir uns nicht können.

Wenn der Wolf an Menschen gewohnt ist, kann es sein, dass er einmal ‚kostet‘. Ich kann die Sorgen durchaus nachvollziehen. Aber: Beim Wandern muss ich mich nicht fürchten! Wölfe sind grundsätzlich vorsichtig. Wenn sie sich näher als 30 Meter an Menschen annähern, und sichtlich Interesse am Menschen zeigen, dann wird‘s gefährlich.

Anhand der Statistik sind Wölfe nicht gefährlich. Aber sie können sich in eine gefährliche Richtung entwickeln. Wölfe, die Menschen gefährlich werden, wurden meist angefüttert, siehe Polen. Da lernt der Wolf, in der Umgebung des Menschen zu fressen. Das ist der Anfang. Dann ‚knabbert‘ er erst einmal vorsichtig. Das kann ein Hund auch, aber in der Regel ist er nett und lieb.

Die Wölfe vor 300 Jahren waren anders. Die lebten in einer anderen Welt, lebten in einem anderen Setting. Der Wildbestand war damals weit unten. Derzeit ist der Wildbestand hoch. Wölfe damals kamen in Kontakt mit Soldaten (Leichen) am Schlachtfeld. Und so ändert sich das.

Hybride werden immer mehr. Das mit Daten zu belegen, ist aber gar nicht so leicht. Es gab immer eine Verbindung zwischen Wolf- und Hundepopulation als Ganzes gesehen. In jedem Wolf steckt ein bisserl Hund drin. In Italien ist das ein größeres Problem, weil sich die Restpopulation von Wölfen in einem Gebiet angesiedelt haben, wo es viele freilaufende Hunde gibt. Dort passiert eine Hybridisierung viel leichter.“

Vergrämung ist Erziehung. Und wie bei allen Erziehungssachen ist das in der Theorie immer leichter als in Praxis.

Wir stehen vor der Situation, dass die ‚Viecher‘ da sein werden und deshalb müssen wir was tun.

Helmut Mülleder, Leitender Referent für Jagd und Fischerei, Abteilung Land- und Forstwirtschaft, Land OÖ
Landwirte sollen nicht alleingelassen werden, wenn sie Schäden haben. Diese Schäden sollten beglichen werden und das werden sie ja auch seit zwei Jahren vom Land OÖ.

Nur mit Datenmaterial kann man tatsächlich Schritte setzen.

Eine Vergrämung soll dem Wolf beibringen, dass er sich in einer unangenehmen Zone befindet, wenn er zu nah kommt.

Es wird jetzt vermehrt auch darauf geschaut, gibt‘s Schleifspuren, das Rundherum/Umfeld muss angeschaut werden. Wir brauchen Indizien; dann können wir auch dann entschädigen, wenn die DNA-Untersuchung fehlgeschlagen ist.

Gottfried Diwold, Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landesforstdienstes Oberösterreich
Dort, wo der Wolf unterwegs ist, wächst der Wald nicht überall.

Erst kritische Situationen werden zeigen, ob die Behörden notwendige Maßnahmen setzen können. Ob der Managementplan greift, wird sich dann erst zeigen.

Volkhard Maier, Direktor Nationalpark Kalkalpen
Ein gewisser Artenschutz gewährleistet ja auch Vielfalt. Artenschutz hat durchaus eine Berechtigung. Der Wolf ist Teil davon, der bei uns nicht mehr vorhanden ist. Im Apennin hat er immer gelebt; dort haben wir aber auch die Unsicherheit/die Diskussionen darüber nicht.

Das Thema Wolf polarisiert. Im Gegensatz zu anderen Arten ist er vom Menschen bewusst in unseren Breiten ausgerottet worden.

Dass man von Wolf attackiert wird, dieses Thema ist vernachlässigt worden. Man muss die Kirche im Dorf lassen, wie viele Unfälle da passieren.

Problematisch sind Herdenschutzhunde, die nicht unterscheiden, ob da ein Beutegreifer (Wolf) oder ein Wanderer die Gebiete besucht. Herdenschutzhunde in Wandergebiete sind dann strittig.

Der Wolf hat ein Imageproblem, weil wir sind vom Märchen geprägt sind. Das darf man nicht unterschätzen. Österreichweit haben wir aber eine höhere Problematik durch Hundebisse/risse, als beim Wolf. Das wird aber weniger thematisiert, weil ein liebes Tier. Wenn man auf den Wolf schaut, muss man auch auf den Hund schauen.

Jede Veränderung führt zu Verunsicherung – und stoßt auf Widerstand, weil es ja etwas Ungewisses ist. Lösungen zu finden, wird eine beinharte Knochenarbeit.

Für mich sind Raumberg-Gumpenstein keine Spielereien, sondern wissenschaftliche Untersuchungen im gesellschaftlichen Auftrag.

Ich gehe nicht davon aus, dass der Tourismus zurückgeht, weil wir jetzt den Wolf haben.

Bürgermeister Johann Feßl, Obmann des OÖ Almvereines
Dass der Wolf nicht gefährdet ist, sieht man an seinen jetzigen Zuwachszahlen.

Gefährdete Arten werden nicht bejagt und gehen trotzdem zurück. Auch die Berglandwirtschaft muss gerettet werden. Artenvielfalt ist dort am höchsten, wo Bauern wirtschaften.

Diese Entwicklung mit dem Wolf so weitergehen zu lassen, würde genau das gefährden, wo wir jetzt noch eine gewisse Vielfalt sicherstellen können. Es ist höchste Zeit, alle Verantwortlichen wachzurütteln und Maßnahmen zu setzen: Sollten die Almflächen noch mehr gefährdet werden, stirbt die Almwirtschaft; im Zuge dessen wäre auch die Jägerschaft massiv gefährdet werden.
 
Eine Rückkehr des Wolfs ist mit Almwirtschaft nicht vereinbar, behaupte ich. Aus meinen Erfahrungen, die ich in der Schweiz gemacht habe, sind die Probleme dort größer als in Deutschland. Und die haben eine ähnliche Struktur wie wir in Österreich.

Ein Kalb ist nicht nur ein Leckerbissen sondern auch eine Leichtigkeit für den Wolf. Ich will gar nicht sagen, wie das dann ausschaut.. das wollen wir unseren Tieren nicht antun.

Wenn wir im Umgang jetzt so weitermachen – er darf ja derzeit nicht mal verjagt werden. Dann wird er nie lernen, dass er sich von uns fern halten soll. In Wahrheit darfst ihn ja nicht mal laut anschreien.

Wölfe fürchten sich gar nicht vor Vergrämungsmaßnahmen. Die halten sich in Nähe von Truppenübungsplätzen auf und es ist ihnen wurscht, wenn‘s neben ihnen schnalltst.

Für uns in der Landwirtschaft ist es völlig egal, ob Wolf, Hund, oder Hybrid – wir wollen nicht alles dokumentieren müssen, sondern wollen uns frühzeitig rüsten können, damit es gar nicht erst entsteht.

Für mich führt kein Weg an der Entnahme vorbei, weil ich die Auswirkungen in Nachbarländern beobachte – und da red ich noch gar nicht von der Almwirtschaft.

Wir kämpfen in Ö ja ohnehin schon, dass wir die Tiere auf die Almen raufbringen können. Wenn n es noch mehr Negativentwicklung gibt. dann befürchte ich, dass wir zu wenig Tiere und zu wenig motivierte Leute zur Verfügung haben, um Weideflächen nutzen zu können.

Gesetze sollen dementsprechend abgeändert werden können, um Landwirtschaft etc. auch gewährleisten/erhalten zu können. Derzeit werden nur Spielereien gemacht, die einen Haufen Geld kosten.

Es ist wichtig, dass wir die Landwirtschaft aufrecht erhalten UND den bereits bestehenden Stand an Wölfen in Österreich einfrieren!

Mitreden müssen die Betroffenen. Und das sind die Bauern daheim auf den Weiden, den Almen, den Höfen. Unsere Nutztiere sind jetzt schon gefährdet und das wollen wir verhindern. Die Politik sollte uns ermöglichen, hier Maßnahmen zu setzen.

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