22.10.2014, 00:00 Uhr

Elterliche Zuwendung gegen Social-Media-Sucht

(Foto: Shestakoff/Fotolia)
Schon Volksschüler und noch jüngere Kinder sind heutzutage mit dem Internet und dem Handy vertraut – oft mehr als so mancher Erwachsene. Was das Internet so attraktiv macht, sind neue Handlungsmöglichkeiten. Ob Internet und Social-Media ein Fluch oder Segen sind, hängt davon ab, wie man – auch als Eltern – damit umgeht. Die Suchtgefahr ist jedenfalls groß.

„Ersatzstoff“ Fernsehen
Wichtig sei, im Alltag auf die Gefühlswelt der Kinder – vom Säuglingsalter bis zur Pubertät – einzugehen, sagt die diplomierte ganzheitliche Kunsttherapeutin sowie Lebens- und Sozialberaterin Martina Wandl-Ruczkovski vom VitaLogikum in Aschach an der Steyr. Wer eine Beziehung nur über „Ersatzstoffe“ wie Essen, Fernsehen, Computer, Handy, etc. aufbaue, lege möglicherweise den Grundstein zu einem Suchtverhalten.

Viele Eltern sind überfordert
Viele Eltern seien überfordert mit ihrer Elternrolle, der Verantwortung, der Erziehung und der ganz „normalen“ zwischenmenschlichen Beziehung, sagt Wandl-Ruczkovski. Sie könnten dadurch keine Vorbilder mehr für ihre heranwachsenden Kinder sein.
Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen eine Lebenswelt bieten, um ihr Körperbewusstsein, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu entwickeln. Sobald Erwachsene ihre Verantwortung als Ansprechpartner und „Konfliktmanager“ wahrnehmen und dem Kind Akzeptanz, Wertschätzung und bedingungslose Liebe zeigen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein „ganzheitlicher“ Mensch heranwachsen kann. „Diese Erfahrungen können durch das Medium Internet und Social-Media niemals ersetzt oder nachgeholt werden“, betont Martina Wandl-Ruczkovski.

Raus in den Alltag, in die Natur!
Sie erzählt ein Beispiel aus der Praxis: „Eine Mutter erzählte mir, dass ihr zweijähriges Kind ganz außer sich sei, sobald es auf Youtube einen Bagger sieht. Es wolle nur noch das Video sehen und rufe den ganzen Tag „Bagger“. Wandl-Ruczkovski rät der Mutter, mit dem Kind ein Buch zu diesem Thema zu lesen, um die „Kommunikationsebene“ zwischen Mutter und Kind zu festigen. „Weiters wäre es zielführend, mit dem Kind zu einer Baggergrube oder Baustelle zu fahren und dort den Bagger real zu erleben und die Gefühlserlebnisse und Glücksmomente zu festigen“, erklärt Wandl-Ruczkovski.
Sie beobachtet zunehmend, dass es für viele Eltern eine Überforderung darstellt, sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen und Aktivitäten zu unternehmen. Der Fernsehen, Computer oder Videospiele halten oftmals als „Babysitter“ her. „Das ist leider bequemer, als sich mit den Kindern zu beschäftigen.“
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