31.05.2017, 08:48 Uhr

Sonne mit Vorsicht genießen

(Foto: Daniel Ernst - Fotolia)
„Die Sonne bringt Wärme und das Licht, aber Schatten, den bringt sie nicht“, besagt ein deutsches Sprichwort. Und deshalb sollte man, auch wenn die Freude über die ersten Sommertage groß ist, dem Schatten den Vorzug geben, rät MR Dr. Johannes Neuhofer, Fachgruppenobmann der oberösterreichischen Hautärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für OÖ.
Wenn die Sonne nach langer Zeit endlich wieder durch die Wolken blinzelt, fehlen oft die wichtigsten Accessoires: Sonnenbrille, Sonnencreme und Kopfbedeckungen. Doch diese Dinge sollte man immer dabei haben, denn die Zahl der Hautkrebserkrankungen steigt jedes Jahr. „Geben Sie eine kleine Tube Sonnencreme in Ihre Handtasche oder legen Sie sie ins Auto – nicht nur als Cabriofahrer – und seien Sie so jederzeit vorbereitet, Ihre Haut zu schützen, denn die Sonne ist wie ein Überraschungsangriff“, sagt MR Dr. Johannes Neuhofer. „Im Frühjahr ist die Haut noch untrainiert, besonders mittags, da die Hautschicht noch nicht verdickt ist. Der Reparaturmechanismus funktioniert erst nach zwei bis drei Wochen“, sagt der Mediziner.
Jeder ist für seine Haut selbst verantwortlich, aber auch für die seiner Kinder. Denn in jungen Jahren wird der Grundstein für gesunde Haut gelegt, sagt MR Dr. Johannes Neuhofer: „Neben den viel im Freien Arbeitenden und hellhäutigen Personen soll besonders der Schutz der Kinder hervorgehoben werden.“ Und auch wenn die genetische Veranlagung einen Teil dazu beiträgt, der Hauptfaktor für Hautkrebs ist und bleibt die häufige und intensive Sonneneinstrahlung, vor allem in der Kindheit. „Wir werden immer älter und somit wird das Risiko immer größer, auch noch sehr spät an Hautkrebs zu erkranken. Aber mit der richtigen Vorsorge muss das nicht sein“, sagt Neuhofer.

Weißer und schwarzer Hautkrebs
Das Basaliom, die häufigste Form des weißen Hautkrebses, steigt mit zunehmendem Alter. Heimtückisch am Hautkrebs ist, dass er oft lange Zeit schmerz- und juckfrei bleibt und deshalb nur durch fachmännischen Blick zu erkennen ist. Der weiße Hautkrebs kann aussehen wie ein kleiner grau-weißer Knoten, der von Patienten oft als „Pickel" unterschätzt wird. Beim Basalzellkrebs gibt es keine Vorstufe. Bereits die erste kleine Veränderung ist eine Krebsgeschwulst, die entfernt werden sollte. Im Vergleich zum weißen Hautkrebs ist der schwarze Hautkrebs (Melanom) bösartiger, da er häufig sehr früh Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen bildet. Außerdem treten diese Melanome, die auf den ersten Blick harmlosen Pigmentmalen ähneln, oft auch an normalerweise bekleideten Körperstellen auf.

Vorsorge und Früherkennung
Die Heilungschancen bei den rechtzeitig erkannten Melanomen sind hervorragend und sie können meist sogar ambulant entfernt werden. Bei einem Melanom hängt die Heilungschance von der Früherkennung und der damit verbundenen frühzeitigen Behandlung ab. „Die Früherkennung von Hautkrebs ist nach wie vor das non plus ultra, deshalb weisen wir Hautärzte jedes Jahr wieder auf ausreichenden Sonnenschutz und das Beobachten von Veränderungen von Muttermalen hin“, sagt Dr. Neuhofer. Die Dermatologen empfehlen, die Haut (und die des Partners) regelmäßig selbst zu begutachten und bei Unklarheiten den Dermatologen zu Rate zu ziehen.
Damit Sie Ihren Sommer und die Sonne ohne Reue genießen können, haben wir ein paar vorbeugende Tipps gesammelt. Denn Vorbeugung ist die beste Waffe gegen Krebs, der ziemlich teuer werden kann, sagt MR Dr. Johannes Neuhofer: „Man denke nicht nur an die emotionalen, sondern auch die finanziellen Folgen. Eine Therapie des fortgeschrittenen Hautkrebses kostet pro Jahr und pro Patient zirka 100.000 Euro, ganz egal, ob schwarzer oder weißer Hautkrebs. Deshalb ist der beste Platz an der Sonne im Schatten“, sagt Dr. Neuhofer.


Vorsorgetipps des Hautexperten
Die direkte Sonneneinstrahlung rund um Mittag vermeiden, zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Belastung am höchsten, hier sollte man die Sonne weitgehend meiden.

Sonnenschutz mindestens eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt in der Sonne auftragen – je nach Kontakt mit Wasser oder Schweiß nachcremen nicht vergessen! Besonders Sportler, die viel draußen unterwegs sind und schwitzen, sollten gut geschützt sein.

Pflegestift mit UV-Schutz für die Lippen verwenden.

Augen mit einer Sonnenbrille mit hundertprozentigem UV-Schutz schützen.

Auch Kleidung hilft: Ein weißes T-Shirt schützt aber nicht besser als ein schwarzes. Weiß reflektiert zwar besser, aber lässt mehr UV durch als schwarz, denn bei schwarzer Kleidung wird UV absorbiert und in Wärme umgewandelt. Also auch unter der Kleidung eincremen!

Kinder bis zum ersten Lebensjahr sollten sich gar nicht in der prallen Sonne aufhalten.

Bis zur Pubertät ist die Haut empfindlicher als bei Erwachsenen, also noch gründlicher auf einen perfekten Sonnenschutz achten.
Cremen und Lotionen ab einem Lichtschutzfaktor von 15 sind unerlässlich, Öle und Gele hingegen trocknen die Haut schnell aus.

Hautregionen, die verstärkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, besonders gut schützen: Kopf, Schultern, Handrücken, Stirn, Ohren, Nase und Unterlippen, die sogenannten Sonnenterrassen des Körpers.

Auch bei bewölktem Himmel und im Wasser nicht aufs Eincremen vergessen. Die Durchdringung der UVA-Strahlen liegt unter Wasser bei 80 % (50 % UVB), bei einem bedeckten Himmel bei 75 % (75 % bei UVB), im Schatten bei 50 % (50 % bei UVB) und mit einem nassen T-Shirt bei 36 % (19 % bei UVB).
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