22.09.2014, 16:33 Uhr

10 Jahre Wachkomastation im LPBZ Christkindl

Landeshauptmann Josef Pühringer (li.) mit Wachkoma-Patientin Bernadette, ihrer Mutter und Stationsleiterin Elisabeth Ackerl. Im Bildhintergrund zwei weitere Wachkoma-Patienten. (Foto: LPBZ Christkindl)

Gute Pflege ist mehr als nur die Hilfe bei der Körperpflege.

GARSTEN, STEYR (ag). Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Wachkomastation im Landespflege- und Betreuungszentrum Christkindl (LPBZ) fand am 20. September eine Feier mit Landeshauptmann Josef Pühringer und vielen Ehrengästen statt.

2004 wurde die Wachkomastation mit sechs Plätzen errichtet. Menschen mit einem schweren Hirntrauma, etwa nach Unfällen und Reanimationen, erhalten hier ein neues Zuhause mit bester, intensiver Pflege.

Vielfältige und professionelle Pflege
Wachkoma-Stationsleiterin Elisabeth Ackerl ist es ein großes Anliegen, das Wohnumfeld ihrer Patienten stetig zu verbessern. Dazu zählt neben der professionellen Pflege auch das vielfältige Angebot an Physio-, Ergo- und Logopädie. Gelegentlich kommt auch eine Hundetherapeutin ins Haus.

Zudem arbeitet das multiprofessionelle Team der Wachkomastation gemeinsam mit den Angehörigen daran, dass der Alltag für die Patienten so normal wie möglich verläuft. „Ohne Angehörige würden schon beim Einzug auf unserer Station die ersten Probleme entstehen. Um den Patienten bestmöglich betreuen und fördern zu können, benötigen wir jede Menge Information über frühere Lebensgewohnheiten. Für uns sind viele Kleinigkeiten sehr wichtig, über die sich kaum jemand Gedanken macht, solange er gesund ist. Diese Informationen können uns aber nur Angehörige und Freunde geben, da die Patienten nicht mit uns sprechen können", erklärt Elisabeth Ackerl.

Fixe Bezugsperson
Um den Patienten und Angehörigen noch mehr Sicherheit zu geben, wird im LPBZ Christkindl das Pflegemodell „Bezugspflege“ praktiziert. Das heißt, jeder Patient hat mindestens eine oder zwei Bezugsschwesten/-pfleger. Die Bezugspersonen haben neben der Pflege viele andere Aufgabenbereiche. Sie sind Ansprechpartner für Angehörige und Freunde, kümmern sich um den Einkauf von Pflegeartikeln, organisieren Termine (z. B. Frisör) und planen Ziele, die kurz- oder langfristig erreicht werden sollten. Sie planen und organisieren Ausflüge, Feste und manchmal sogar einen Urlaub. Wenn eine auswärtige Untersuchung ansteht, fährt je nach Möglichkeit ein Angehöriger oder eine Bezugsperson mit. Um jeglichen Stress zu vermeiden, kommen niedergelassene Ärzte (HNO-, Zahn-, Augenarzt) auch auf Hausbesuch. Ein Aufenthalt im Krankenhaus soll nur in Notfällen stattfinden.

Viele Ehrengäste
Heim-Direktorin Leopoldine Halbmayr begrüßte die Gäste, allen voran Landeshauptmann Josef Pühringer, Garstens Bürgermeister Anton Silber, Primaria Eva Laich (Leiterin der Neurologie am LKH Steyr), Nationalrats- und Landtagsabgeordnete, Angehörige der Wachkomapatienten und Freunde des Hauses. In einer Bilderpräsentation konnten die Gäste den Ablauf und die Tätigkeiten auf der Wachkomastation sehen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Duo La Perla (Marion und Werner Schörkl).

Eva Laich gab einen Einblick über das Krankheitsbild, berührende Worte sprach auch eine Angehörige eines Wachkoma-Patienten. Sissy Kamptner nahm die Segnung vor und betonte, welch großer Segen für viele Menschen das LPBZ Christkindl sei, wenn man ein derartiges Schicksal zu bewältigen habe.

Respekt vor den Angehörigen
Pühringer würdigte die großen Leistungen, die tagtäglich auf der Wachkomastation erbracht werden. „Ich danke den Mitarbeitern, die sich um die Bewohner auf der Wachkomastation liebevoll annehmen und sich hundertprozentig und mehr für diese Menschen einsetzen.“ Er drückte auch den Angehörigen sowie den Patienten selbst seinen Respekt aus. „Auch wenn wir nicht wissen, wie viel sie Anteil nehmen, letztlich ist es auch für sie die größte Herausforderung.“

Pflegedirektor Franz Seyerlehner führte die Ehrengäste durch die Wachkomastation. Danach gab es gemeinsam mit den Wachkomapatienten, Angehörigen und Mitarbeitern eine Kaffeejause im Festsaal.

Zahlen/Daten/Fakten

Seit 2004 wohnten insgesamt 21 Patienten auf der Wachkomastation. Aufnahmegrund: Infarkte und diverse Unfälle. Durchschnittliche Verweildauer derzeit: 7,6 Jahre. Das Durchschnittsalter der Wachkoma-Patienten beträgt 54 Jahre.

Mehr Fotos von der Feier sind demnächst zu finden auf http://www.zentrum-christkindl.at
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